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Halbschatten-Mondfinsternis am 10. Januar 2020 Mondscheibe leicht überschattet

Nur wenige Stunden nach seinem Aufgang am Abend des 10. Januar 2020 wird der helle Vollmond langsam wieder dunkler: Ein grauer Schleier überzieht die Mondscheibe - der Halbschatten der Erde, eine Halbschatten-Mondfinsternis ist zu sehen! Allerdings müssen Sie genau hingucken.

Von: Heike Westram

Stand: 02.12.2019

Wer die totale Mondfinsternis im Juli 2018 gesehen hat, wird diesmal wohl enttäuscht sein, denn die Mondfinsternis am 10. Januar 2020 fällt sehr viel bescheidener aus:

Es ist nur eine Halbschatten-Mondfinsternis. Das heißt, der Vollmond tritt diesmal gar nicht in den Kernschatten der Erde, der ihn deutlich verfinstern würde, sondern zieht nur durch ihren Halbschatten, der sich wie ein Schleier über die Mondscheibe legt.

Wann ist die Mondfinsternis am größten?

Verlauf der Halbschatten-Mondfinsternis am 10. Januar 2020

Die Halbschatten-Mondfinsteris am 10. Januar beginnt um 18.08 Uhr in der späten Abenddämmerung, fast zwei Stunden, nachdem der Mond im Osten aufgegangen ist. Anfangs werden Sie kaum etwas wahrnehmen. Erst wenn ein gehöriges Stück der Mondscheibe vom Halbschatten bedeckt ist, kann das bloße Auge die Verdunklung wahrnehmen.

Wo die Mondfinsternis zu sehen ist

Am stärksten ist die Verdunklung um 20.10 Uhr unserer Zeit, dann ist die Mondscheibe fast vollständig in den Halbschatten eingetaucht, nur ihr oberer Rand bleibt unberührt. Jetzt ist der Mond etwas dunkler als zuvor und deutlich ergraut. Gut zwei Stunden später, um 22.12 Uhr, hat der Mond den Halbschatten wieder vollständig verlassen.

Einen roten Blutmond wie bei der totalen Mondfinsternis im Juli 2018 gibt es diesmal nicht. Solange der Mond noch nach seinem Aufgang in der Nähe des Horizonts steht, können allerdings die Dunstschichten eine rötliche Färbung hervorrufen, weil das Mondlicht dann gebrochen wird.

Mondfinsternis - ein seltenes Schauspiel

Eine Mondfinsternis gibt es immer nur bei Vollmond, wenn der Mond - von der Sonne aus gesehen - hinter der Erde vorbeizieht. Das macht er alle vier Wochen. Doch nicht jedesmal wandert er dabei auch durch den Erdschatten. Weil die Mondbahn leicht zur Erdbahn geneigt ist, zieht er dabei meist etwas ober- oder unterhalb der Achse Sonne-Erde vorbei und wird deshalb voll von der Sonne angestrahlt - Vollmond.

Kreuzt die Mondbahn jedoch zum Vollmond-Zeitpunkt die Erdbahn, liegen Sonne, Erde und Mond genau auf einer Achse und der Vollmond gerät in den Schatten der Erde - eine Mondfinsternis findet statt. Aus Sicht des Mondes schiebt sich die Erde vor die Sonnenscheibe - vom Mond aus gesehen gibt es eine Sonnenfinsternis.

So schön war die totale MoFi im Juli 2018

Im Halbschatten der Erde

So kommt eine Mondfinsternis zustande

Schatten ist aber nicht gleich Schatten: Fällt nur der Halbschatten der Erde auf den Mond, wie es zu Beginn und am Ende jeder MoFi der Fall ist, ist er kaum wahrnehmbar. Die Mondscheibe wird nur leicht angegraut. Beginn und Ende einer Halbschatten-Finsternis sind nur mit einem Fernglas sichtbar. Erst wenn etwa zwei Drittel der Mondscheibe in den Halbschatten der Erde eingetreten sind, werden Sie den grauen Schleier mit bloßem Auge wahrnehmen. Auch wenn das Auge das schwer wahrnimmt: die Mondscheibe ist im Halbschatten um etwa eine Größenklasse dunkler als normal.

Totale Mondfinsternis - in glutrotem Schimmer

Kupferroter Mond bei der totalen Mondfinsternis über Bayern am 15. Juni 2011

Tritt der Mond auch in den Kernschatten der Erde, wird die Mondfinsternis unübersehbar: Der Erdschatten frisst sich in die Mondscheibe und lässt sie zur Sichel schrumpfen. Jetzt spricht man von einer partiellen Mondfinsternis. Eine totale Mondfinsternis ist es erst dann, wenn die gesamte Mondscheibe in den Kernschatten der Erde eintaucht. Dann wird der Mond stark abgedunkelt und müsste eigentlich sogar komplett aus unserem Blick verschwinden, verschluckt vom Kernschatten der Erde. Doch stattdessen erstrahlt der Mond plötzlich in glutrotem Schimmer, was die totale Mondfinsternis gerade so sehenswert macht.

Der Mond leuchtet 10.000-mal schwächer als vorher, doch Streulicht aus der Erdatmosphäre färbt ihn ein: Das langwellige, rote Lichtspektrum wird genau in den Schattenkegel abgelenkt. Der Mond wird gewissermaßen ins irdische Abendrot getaucht und bleibt damit während der totalen Mondfinsternis gut sichtbar - anders als bei einer Sonnenfinsternis, bei der die Sonne vom Mond völlig verdeckt wird. Da die Leuchtkraft des Mondes während der totalen Mondfinsternis jedoch deutlich abnimmt, treten zum Zeitpunkt der Totalität plötzlich die Sterne um ihn hervor, die das helle Mondlicht sonst überstrahlt.

In Bildern erklärt

Wenn der Vollmond als Sichel aufgeht

Partielle Mondfinsternis: Der Erdschatten bedeckt den Mond nur teilweise (Bild: Markus Weber)

Bei einer partiellen Mondfinsternis, bei der nur ein Teil des Mondes in den Kernschatten der Erde rückt, kommt es nie zu diesem rostroten Schein. Dennoch ist der Anblick einer Teilfinsternis sehenswert: Der Vollmond erscheint als Sichel, die zunächst schrumpft und dann von Minute zu Minute anwächst. Die Halbschatten-Finsternis fällt dagegen kaum auf.

Zweimal im Jahr - aber eben nicht überall

Nur wenn der Vollmond genau durch den Schnittpunkt zwischen Mondbahn und Erdbahn wandert, durch einen der Drachenpunkte, wird er vom Erdschatten getroffen. Das passiert in jedem Jahr zweimal. Daher gibt es jährlich zwei Mondfinsternisse, irgendwo auf der Erde. Zwei Wochen vor oder nach einer MoFi kommt es immer auch zu einer Sonnenfinsternis - so auch diesmal: Am 26. Dezember 2019 schiebt sich der Neumond vor die Sonne und sorgt damit für eine totale Sonnenfinsternis - allerdings nicht bei uns.

Die nächste Mondfinsternis für uns

MoFi-Termine für Bayern

  • 05.06.20: Halbschatten-Mondfinsternis
  • 19.11.21: partielle Mondfinsternis, in Bayern nur Halbschatten
  • 16.05.22: totale Mondfinsternis

In den nächsten Jahren wird es bei uns eher dürftig mit Mondfinsternissen. Die zweite Finsternis im Jahr 2020 ist wieder nur eine Halbschatten-Finsternis, die kaum wahrnehmbar ist. Und die partielle Mondfinsternis am 19. November 2021 findet statt, wenn bei uns der Mond gerade untergeht. Eine totale Mondfinsternis können Sie bei uns erst wieder im Mai 2022 sehen. Und bei der wird der Mond wenige Minuten nach Beginn der Totalität untergehen.

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Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • Partielle Mondfinsternis am 16. Juli 2019. Bayern plus - Der Vormittag, 16.07.2019 um 07:05 Uhr, Bayern plus
  • Partielle Mondfinsternis am 16. Juli 2019. IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.07.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Totale Mondfinsternis am 21. Januar 2019. IQ - Wissenschaft und Forschung, 07.01.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • alpha-Thema Mondfinsternis. 27.07.2018, 20:15 Uhr, ARD-alpha
  • Die perfekte Mondfinsternis. IQ - Wissenschaft und Forschung, 23.07.2018, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Die Mondfinsternis – Von der Apokalypse bis zu Werwölfen. radioWelt, 27.07.2018, 17:05 Uhr, Bayern 2
  • Faszination Wissen: Im Bann des Mondes - Wie es zu einer Mondfinsternis kommt. 28.09.2015, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
  • partielle Mondfinsternis: So entsteht sie. Abendschau, 08.08.2017, 17:30 Uhr, BR Fernsehen

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