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Totale Mondfinsternis am 21. Januar 2019 MoFi zum frühen Frühstück

Nur ein halbes Jahr nach der tollen Mondfinsternis im Juli 2018 können wir wieder eine totale Mondfinsternis bestaunen, am 21. Januar 2019. Diesmal allerdings nicht gemütlich am lauen Sommerabend, sondern in der Eiseskälte des frühen Wintermorgens.

Von: Heike Westram

Stand: 04.12.2018

Die totale Mondfinsternis am 21. Januar 2019 wird etwas für echte Fans und Hartgesottene oder Schlaflose, denn sie findet in den frühen Morgenstunden statt, wenn gerade erst die Morgendämmerung einsetzt. Doch wie bei der totalen Mondfinsternis im Juli 2018 können Sie auch diesmal wieder die Totalität in voller Länge beobachten.

Wann ist die Mondfinsternis total?

Ablauf der totalen Mondfinsternis am 21. Januar 2019

Los geht's um kurz nach halb vier Uhr nachts, wenn die Mondscheibe beginnt, in den Halbschatten der Erde einzutreten. Weil der Halbschatten aber nur wie ein zarter, grauer Schleier auf der Mondscheibe wirkt, ist das fürs bloße Auge erst wahrnehmbar, wenn ein gehöriges Stück des Mondes bedeckt ist. Anders beim Eintritt in den Kernschatten der Erde, der kurz nach halb fünf Uhr morgens anfängt: Als ob der Vollmond zur Sichel schrumpfen würde, wird die Mondscheibe von der linken Seite her abgedunkelt. Eine Stunde dauert es, dann ist der Mond zur Gänze in den Kernschatten gezogen, jetzt ist die MoFi total. Gut eine Stunde lang dauert die Totalität bei dieser Mondfinsternis, von 5.41 bis 6.43 Uhr.

Glutmond in der Morgendämmerung

Wo ist die totale Mondfinsteris am 21. Januar 2019 zu sehen?

Anders als die Sonne bei einer Sonnenfinsternis wird die Mondscheibe bei einer totalen Mondfinsternis nicht völlig verdunkelt, sondern von Streulicht aus der Erdatmosphäre noch beleuchtet - rost- oder glutrot. Je tiefer der Mond in den Erdschatten eintritt, umso dunkler wird er. Maximal ist die Mondfinsternis am 21. Januar 2019 um 6.12 Uhr, wenn gerade die erste Morgendämmerung anbricht. Der Mond steht dann noch etwa anderthalb Handbreit hoch im Westen.

Ab Viertel vor sieben Uhr schiebt sich der Mond allmählich wieder aus dem Kernschatten der Erde heraus. Er erscheint als schmale Sichel, die innerhalb einer guten Stunde zur Vollmondscheibe anwächst, während der Morgen immer heller dämmert und der Mond immer tiefer gen Nordwesten sinkt. Dass der Mond so tief steht, macht die Beobachtung zwar schwieriger, weil die Dunstschichten am Horizont stark stören können. Als Fotomotiv ist eine MoFi in Horizontnähe jedoch sehr attraktiv.

Diese Teilfinsternis oder partielle Phase der MoFi dauert bis 7.51 Uhr. Das Ende - unmittelbar vor Sonnenaufgang - wird aber kaum noch zu sehen sein, weil der Mond wenige Minuten später untergeht. Je freier Ihre Sicht zum nordwestlichen Horizont, desto länger können Sie zusehen.

Mondfinsternis mit Supermond - mehr Mond, weniger Finsternis

Je näher der Vollmond dem Horizont rückt, umso größer wird er Ihnen womöglich erscheinen. Dafür sorgt in erster Linie die Mondtäuschung, eine optische Täuschung.

Aber der Mond ist zur totalen Mondfinsteris am 21. Januar 2019 tatsächlich ein klein bisschen größer als ein Durchschnittsmond, weil unser Begleiter auf seiner elliptischen Bahn um die Erde kurz darauf seinen kleinsten Abstand zu uns hat. Wahrnehmbar ist so ein Supermond fürs bloße Auge aber kaum.

Die Totalität dauert aus dem gleichen Grund, der Erdnähe, bei dieser MoFi weniger lang: "nur" 63 Minuten. Denn der Mond wandert in Erdnähe schneller. Zudem zieht er diesmal nicht mittig durch den Erdschatten, hat also eine kürzere Strecke während der Totalität. Zum Vergleich: Die Mondfinsternis im Juli 2018 war 103 Minuten lang total. Das war aber auch die längste Totalität des Jahrhunderts - weil der Mond besonders weit von der Erde entfernt war und fast mittig durch den Schatten zog.

In Amerika am schönsten zu sehen

Glutroter Mond bei einer totalen Mondfinsternis

Je weiter im Nordosten Deutschlands Sie sich befinden, umso länger können Sie der Mondfinsternis zusehen. Im Südosten Bayerns verschwindet der Mond dagegen deutlich früher als an der Nordseeküste.
Wir haben Glück, dass wir diese Mondfinsternis in Deutschland überhaupt noch sehen können, denn wir befinden uns am Rand der Sichtbarkeitszone. Wirklich ideal ist die MoFi über Nord- und Südamerika zu beobachten.

Foto-Tipps: So machen Sie tolle MoFi-Bilder!

Zeit & Übung

Eine Mondfinsternis lässt sich recht gut fotografieren, auch mit einer "ganz normalen" Digitalkamera. Sie brauchen auch keine speziellen Filter wie bei einer Sonnenfinsternis. Doch alle nächtlichen Himmelsobjekte sind eine Herausforderung. Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Die Mondfinsternis selbst dauert lang genug, um unterschiedliche Einstellungen auszuprobieren.

Noch besser: Testen Sie Standort, Blickrichtung und Einstellungen der Kamera schon am Abend vor der Mondfinsternis! Aber Vorsicht: Am Abend vor der Mondfinsternis befindet sich der Mond etwa 50 Minuten früher dort, wo er zur MoFi sein wird.

grundlegende Tipps

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr freihändig machen können. Das gilt selbst für den hellen Mond.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder Selbstauslöser) für unverwackelte Bilder.
  • Schalten Sie den Blitz aus und stellen Sie die Belichtungszeiten, wenn möglich, manuell ein.
  • Fokussieren Sie lieber manuell, der Autofokus kommt bei einer Mondfinsternis oft an seine Grenzen.
  • Machen Sie immer Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Einstellungen.
  • Verwenden Sie lieber kleine ISO-Werte, damit die Bilder klar werden; mit höheren ISO-Werten können Sie zwar die Belichtungszeiten verkürzen, in Ihrer Aufnahme entsteht aber immer mehr Bildrauschen.
  • Stellen Sie eine möglichst offene Blende (kleine Blendenzahl wie 2.8 oder 4) ein, dann fällt mehr Licht in Ihr Objektiv und Sie können kleinere Belichtungszeiten wählen.

Weitwinkel oder Tele?

Versuchen Sie beides! Einfacher ist die Weitwinkel-Aufnahme. Details der Mondoberfläche werden aber erst ab 200 mm Brennweite eindrucksvoll.

  • Kleine Brennweiten (Weitwinkel) wie 28 oder 35 mm eignen sich für stimmungsvolle Panorama-Aufnahmen einer Mondfinsternis. Suchen Sie sich einen schönen Bildvordergrund! Der Mond selbst wird in der Aufnahme allerdings recht klein erscheinen.
  • Bei kleinen Brennweiten gelangt mehr Licht in die Kamera. Sie können kürzer belichten, die ISO-Zahl verringern oder die Blende für höhere Bildschärfe weiter schließen (größere Blendenzahl).
  • Längere Brennweiten ziehen bei einigen Kameras geschlossenere Blenden nach sich (die kleinste Blendenzahl ist dann z.B. 8 statt 4), dann müssen Sie die Belichtungszeit oder den ISO-Wert erhöhen
  • Je länger die Brennweite, umso stärker macht sich die Erddrehung bemerkbar, der Mond bewegt sich schneller durch Ihren Bildausschnitt (etwa 1/2 Mondbreite pro Minute). Bei 28 mm können Sie den Mond getrost 25 Sekunden lang belichten, bei 300 mm Brennweite verschmiert er schon ab 1 bis 2 Sekunden Belichtungszeit.

Belichtungswerte

Bei einer totalen Mondfinsternis ändert sich die Helligkeit des Mondes sehr stark, Sie müssen die Kamera-Einstellungen ständig anpassen. Während der unverfinsterte Vollmond so hell ist, dass er schnell überbelichtet wird (am besten in der Dämmerung fotografieren!), ist er bei der Totalität kaum noch zu sehen. Eine grobe Orientierung:

  • heller Vollmond vor/nach der Mondfinsternis: ISO 100, Belichtungszeiten um 1/100 bei geschlossenen Blenden (große Blendenzahl)
  • Halbschattenphase: Belichtungszeiten oder ISO-Werte verdoppeln
  • partielle Mondfinsternis: anfangs wie Halbschattenphase, dann immer länger belichten, offenere Blenden (kleinere Blendenzahlen) oder höhere ISO
  • totale Mondfinsternis: je nach Mondfinsternis wird die Mondscheibe unterschiedlich dunkel; Sie brauchen ISO-Werte zwischen 400 und 800 und Belichtungszeiten von 1-10 Sekunden bei weit offener Blende
  • Wenn Sie die Brennweite ändern (zoomen), ändern sich bei manchen Kameras auch Ihre Blendenwerte!

So schön war die totale MoFi 2018

Mondfinsternis - ein seltenes Schauspiel

Eine Mondfinsternis gibt es immer nur bei Vollmond, wenn der Mond - von der Sonne aus gesehen - hinter der Erde vorbeizieht. Das macht er alle vier Wochen. Doch nicht jedesmal wandert er dabei auch durch den Erdschatten. Weil die Mondbahn leicht zur Erdbahn geneigt ist, zieht er dabei meist etwas ober- oder unterhalb der Achse Sonne-Erde vorbei und wird deshalb voll von der Sonne angestrahlt - Vollmond.

Kreuzt die Mondbahn jedoch zum Vollmond-Zeitpunkt die Erdbahn, liegen Sonne, Erde und Mond genau auf einer Achse und der Vollmond gerät in den Schatten der Erde - eine Mondfinsternis findet statt. Aus Sicht des Mondes schiebt sich die Erde vor die Sonnenscheibe und der Mann im Mond freut sich, denn er erlebt eine Sonnenfinsternis.

Im Halbschatten der Erde

So kommt eine Mondfinsternis zustande

Schatten ist aber nicht gleich Schatten: Fällt nur der Halbschatten der Erde auf den Mond, wie es zu Beginn und am Ende jeder MoFi der Fall ist, ist er kaum wahrnehmbar. Die Mondscheibe wird nur leicht angegraut. Beginn und Ende einer Halbschatten-Finsternis sind nur mit einem Fernglas sichtbar. Erst wenn etwa zwei Drittel der Mondscheibe in den Halbschatten der Erde eingetreten sind, werden Sie den grauen Schleier mit bloßem Auge wahrnehmen. Auch wenn das bloße Auge das schwer wahrnimmt: die Mondscheibe ist im Halbschatten um etwa eine Größenklasse dunkler als normal.

Totale Mondfinsternis - in glutrotem Schimmer

Kupferroter Mond bei der totalen Mondfinsternis über Bayern am 15. Juni 2011

Tritt der Mond auch in den Kernschatten der Erde, wird die Mondfinsternis unübersehbar: Der Erdschatten frisst sich in die Mondscheibe und lässt sie zur Sichel schrumpfen. Jetzt spricht man von einer partiellen Mondfinsternis. Eine totale Mondfinsternis ist es erst dann, wenn die gesamte Mondscheibe in den Kernschatten der Erde eintaucht. Dann wird der Mond stark abgedunkelt und müsste eigentlich sogar komplett aus unserem Blick verschwinden, verschluckt vom Kernschatten der Erde. Doch stattdessen erstrahlt der Mond plötzlich in glutrotem Schimmer, was die totale Mondfinsternis gerade so sehenswert macht.

Der Mond leuchtet 10.000-mal schwächer als vorher, doch Streulicht aus der Erdatmosphäre färbt ihn ein: Das langwellige, rote Lichtspektrum wird genau in den Schattenkegel abgelenkt. Der Mond wird gewissermaßen ins irdische Abendrot getaucht und bleibt damit während der totalen Mondfinsternis gut sichtbar - anders als bei einer Sonnenfinsternis, bei der die Sonne vom Mond völlig verdeckt wird. Da die Leuchtkraft des Mondes während der totalen Mondfinsternis jedoch deutlich abnimmt, treten zum Zeitpunkt der Totalität plötzlich die Sterne um ihn hervor, die das helle Mondlicht sonst überstrahlt.

In Bildern erklärt

MoFi im Teleskop? Fragen Sie die Sternwarte in Ihrer Nähe!

Wenn der Vollmond als Sichel aufgeht

Vollmond in Sichelform

Bei einer partiellen Mondfinsternis, bei der nur ein Teil des Mondes in den Kernschatten der Erde rückt, kommt es nie zu diesem rostroten Schein. Dennoch ist der Anblick einer Teilfinsternis sehenswert: Der Vollmond erscheint als Sichel, die zunächst schrumpft und dann von Minute zu Minute anwächst. Die Halbschatten-Finsternis fällt dagegen kaum auf.

Zweimal im Jahr - aber eben nicht überall

Nur wenn der Vollmond genau durch den Schnittpunkt zwischen Mondbahn und Erdbahn wandert, durch einen der Drachenpunkte, wird er vom Erdschatten getroffen. Das passiert in jedem Jahr zweimal. Daher gibt es jährlich zwei Mondfinsternisse, irgendwo auf der Erde. Zwei Wochen vor oder nach einer MoFi kommt es immer auch zu einer Sonnenfinsternis - so auch diesmal: Am 6. Januar schiebt sich der Neumond vor die Sonne und sorgt damit für eine partielle Sonnenfinsternis - allerdings nicht bei uns.

Die nächste Mondfinsternis für uns

MoFi-Termine für Bayern

  • 16.07.19: partielle Mondfinsternis
  • 10.01.20: Halbschatten-Mondfinsternis
  • 05.06.20: Halbschatten-Mondfinsternis

Schon in einem halben Jahr gibt es wieder eine Mondfinsternis bei uns, am 16. Juli 2019. Es wird aber nur eine Teilfinsternis sein, bei der der Mond nicht vollständig in den Erdschatten eintritt. Danach folgen mehrere Halbschatten-Mondfinsternisse, die kaum wahrnehmbar sein. Eine totale Mondfinsternis findet bei uns erst wieder im Mai 2022 statt. Und bei der wird der Mond während der Totalität untergehen. Vielleicht sollten Sie also doch dieses Mal raus in die kalte Januarnacht.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • alpha-Thema Mondfinsternis. 27.07.2018, 20:15 Uhr, ARD-alpha
  • Die perfekte Mondfinsternis. IQ - Wissenschaft und Forschung, 23.07.2018, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Die Mondfinsternis – Von der Apokalypse bis zu Werwölfen. radioWelt, 27.07.2018, 17:05 Uhr, Bayern 2
  • Faszination Wissen: Im Bann des Monde - Wie es zu einer Mondfinsternis kommt. 28.09.2015, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
  • partielle Mondfinsternis: So entsteht sie. Abendschau, 08.08.2017, 17:30 Uhr, BR Fernsehen

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