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Vulkanismus in Deutschland Schlafende Vulkane in der Oberpfalz

Wer an Vulkane in der Nähe denkt, dem fallen vielleicht Vesuv, Ätna oder Stromboli ein. Aber in Deutschland? Dabei gab es hier einst zahlreiche aktive Feuerspucker - sogar in Bayern. In der Oberpfalz schlummern sie gerade nur ...

Stand: 07.10.2013

Der Rauhe Kulm in der Oberpfalz | Bild: Alexandra Gögl/BR

In Deutschland gibt es keine aktiven Vulkane mehr - aber viele Berge, Hügel, Seen und Steinbrüche, die von einer vergangenen Tätigkeit zeugen: Vulkangebiete gibt es in der Hessischen Senke rund um Kassel, am Vogelsberg in Hessen, in der Rhön, im Siebengebirge, im Westerwald, in der Eifel, im Erzgebirge, am Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau, im Hegau in Baden-Württemberg, auf der Schwäbischen Alb - und im Nordosten Bayerns: in den Mittelgebirgen Frankenwald und Fichtelgebirge sowie in der nördlichen Oberpfalz.

Schlafende Vulkane in der Eifel - und in der Oberpfalz

Vor 11.000 Jahren hat der Laacher See-Vulkan in der Eifel gespuckt. Es war der stärkste Ausbruch in Mitteleuropa in den letzten 100.000 Jahren.

Zum letzten Mal rumort hat es in der Eifel, vor rund 11.000 Jahren. Doch nur weil gerade keiner spuckt, heißt das nicht, dass alle Vulkane für immer Ruhe geben: Bis auf zwei gelten alle deutschen Vulkangebiete als erloschen: In der Eifel auftretende Erdbeben und austretendes Kohlendioxid zeigen, dass sich darunter eine ausgasende Magmakammer befindet und Magma in die Oberkruste aufsteigt. Erloschen sind die Vulkane in der Eifel also nicht - und Ruhezeiten von mehreren zehntausend Jahren sind in ihrer Zeitrechnung durchaus üblich. Laut einem Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2002 gibt es in Deutschland noch ein zweites Gebiet neben der Eifel, bei dem man von vulkanischer Gefährdung spricht: die Oberpfalz.

Vulkanismus in der Oberpfalz

Die meisten Feuerberge in der Oberpfalz sind vor mehr als 20 Millionen Jahren entstanden, als sich die Alpen auffalteten: In einem von Nordosten nach Südwesten verlaufenden Streifen - von der tschechisch-polnischen Grenze im Nordosten über Nordböhmen und das Egerland bis zum Oberpfälzer Wald und das Fichtelgebirge - haben sich der Erdmantel und die darüberliegende Erdkruste aufgewölbt. Durch die Dehnung sind tiefe Brüche entstanden, in denen Magma aufsteigen konnte. So hat sich entlang des sogenannten Egerrifts eine Kette aus Vulkanen gebildet. Die Aufwölbung der Erdkruste hält immer noch an.

Stolze Kegelberge und flache Kuppen

Laut Alexander von Humboldt der schönste Basaltkegel Europas: der Parkstein.

Dutzende Vulkane gibt es in der Oberpfalz, die sich ganz unterschiedlich zeigen: Mal als flache Erhebungen wie der Teichelberg bei Mitterteich, mal als deutlich ausgeprägte Kegelberge wie der Parkstein bei Weiden. Weithin zu sehen sind zum Beispiel auch der Rauhe Kulm und sein Bruder, der Kleine Kulm, der Waldecker und der Flossenbürger Schlossberg, der Armesberg sowie der Eisenbühl bei Neualbenreuth. Aktive Feuerspucker sucht man darunter vergebens, erloschen sind die Vulkane entlang des Egerrifts aber auch nicht. Im Gegenteil: Vieles deutet auf eine im Untergrund brodelnde Magmakammer hin.

Bekannte Vulkane in der Oberpfalz

Magma sorgt für Furore ...

Zwölf Jahre lang haben Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) und des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) Messungen an der sächsisch-böhmisch-bayerischen Grenze durchgeführt. Sie entdeckten zum einen vermehrt aufsteigende Gase: neben Kohlendioxid eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Helium. Normalerweise kommt es in der Erdkruste nur in Spuren vor, hier trat es so geballt auf wie sonst nur in vulkanisch aktiven Regionen, etwa wie am Ätna. Auch die Schwarmbeben, die im Vogtland, in Nordwest-Böhmen, im Fichtelgebirge und in der Oberpfalz auftreten, sind verdächtig. Die Wissenschaftler vermuten, dass unterhalb des Egerer Beckens eine große Magmakammer in etwa 30 Kilometer Tiefe schlummert. Durch Spalten steigt das Magma auf, entgast und verursacht durch das Beiseiteschieben von Gestein die typischen Geräusche.

... bietet aber keinen Anlass zur Sorge

Grund zur Sorge bestehe jedoch nicht: "Wir wissen noch nicht, wie die Magmen zusammengesetzt sind und wie weit die Schmelzen in die Erdkruste aufsteigen. Nur die Signale aus den Quellgasen geben uns Hinweise, dass sich etwas in den verborgenen Tiefen tut. Dazu ist noch viel Monitoring von Erdbebenschwärmen und umfassende geologische Arbeit erforderlich", meint Horst Kämpf vom GFZ. Bis die ehemaligen Vulkane wieder spucken, können noch Hunderttausende von Jahren vergehen.

"Wir erwarten in geologisch nahen Zeiträumen einen Vulkanausbruch. Wobei man sich in dieser Gegend immer noch sein Grundstück kaufen und ein Haus bauen kann. Man rechnet frühestens in 500.000 bis einer Million Jahren damit."

Martin Füßl, Geologe

Region profitiert vom Vulkanismus

Der Rauhe Kulm ist mit seinem Aussichtsturm ein beliebtes Ausflugsziel in der Oberpfalz.

Vulkanausbrüche haben sich in dieser Region zuletzt vor rund 300.000 Jahren ereignet. Davon lebt jedoch noch heute ein ganzer Tourismuszweig: Nicht nur die Heilbäder im böhmischen Karlsbad, Marienbad und Franzensbad sowie im sächsichen Bad Elster und Bad Brambach profitieren von sprudelnden Kohlendioxid-Mineralquellen. Auch das Sibyllenbad in Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth nutzt diesen wohltuenden Nebeneffekt vulkanischer Aktivität. Mineralwasser wird zum Beispiel in Kondrau bei Waldsassen in Flaschen abgefüllt und verkauft. Die Vulkanlandschaften sind außerdem beliebte Ausflugsziele: Allein um Kemnath laden der Rauhe Kulm, der Waldecker Schlossberg und der Parkstein zum Wandern und Entdecken ein.

Rauher Kulm schönstes Naturwunder Deutschlands

Der Rauhe Kulm in der Oberpfalz - schönstes Naturwunder Deutschlands 2013

Still, aber schön - und jetzt sogar das schönste Naturwunder Deutschlands des Jahres 2013: Der 682 Meter hohe Rauhe Kulm hat sich in einer Online-Abstimmung der Heinz Sielmann Stiftung gegen zwanzig andere Naturschönheiten durchgesetzt. Der Rauhe Kulm, der in der Nähe von Kemnath in der Oberpfalz liegt, zeichnet sich durch seine geologisch besondere Basaltkuppe aus. Schon 500 Jahre vor Christus siedelten hier Menschen. Eine Burg auf seinem Gipfel wurde im 16. Jahrhundert zerstört. Heute befindet sich ganz oben ein mehr als 25 Meter hoher Aussichtsturm, von dem aus man die gesamte Region überblickt.
Bereits zum fünften Mal fand der Wettbewerb um das beliebteste Naturwunder statt. An der Abstimmung beteiligten sich nach Angaben der Heinz Sielmann Stiftung 16.500 Menschen, davon stimmten 6.766 (41 Prozent) für den stillen Vulkan.

Die große Basaltblockhalde am Rauhen Kulm ist ein Lebensraum mit eigenem Mikroklima.

In zwei Steinbrüchen in der Oberpfalz wird auch heute noch Basalt abgebaut: Am Hirschentanz bei Konnersreuth und am Teichelberg bei Mitterteich wird nichts anderes als erstarrtes Magma gefördert. Pflanzen und Tiere profitieren von besonderen Lebensräumen, etwa den wärmenden und schützenden Basaltblockhalden am Rauhen Kulm. Ein kleines, unbekümmertes Tänzchen auf dem Vulkan findet deshalb auch in Bayern statt, allerdings mit kleinen Zwischenhüpfern: Die nächsten schwachen Beben werden nicht lange auf sich warten lassen.


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