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Hintergrund Bayerns Wasser

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Der Wasser-Fußabdruck Virtuelles Wasser fließt in Warenströmen

Das Wasser aus dem Hahn ist in unserem Verbrauch buchstäblich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das meiste Wasser verbrauchen wir, ohne je sein Rauschen zu hören: in Waren, die wir importieren.

Stand: 07.11.2013

Wasser sparen - wozu? Wo doch bei uns in Bayern das blaue Gold oft in Strömen rinnt? Richtig. Ob bei uns in Bayern Wassersparen nötig ist, darüber lässt sich streiten. Doch das meiste Wasser, dass Sie verbrauchen, stammt gar nicht aus Bayern, sondern wird importiert. Und das oft aus Ländern, in denen Wasser längst zum sehr kostbaren Gut geworden ist: das virtuelle Wasser, das in jedem Produkt oder Lebensmittel steckt.

Virtuelles Wasser und der Wasser-Fußabdruck

8.000 Liter Wasser in einem Paar Lederschuhe

Unter virtuellem Wasser versteht man das bei der Herstellung und dem Transport von Industriegütern und Lebensmitteln verbrauchte, verdunstete oder verschmutzte Wasser. Den Begriff prägte der britische Wissenschaftler John Anthony Allen vom Londoner King’s College in den 1990er-Jahren.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts entwickelte der Forscher Arjen Hoekstra diese Studien für das Institute for Water Education der UNESCO in den Niederlanden weiter: Sein Begriff des "Wasser-Fußabdrucks" (Water-Footprint) beschreibt die virtuellen Wassermengen bei der Produktion von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern, den ein Produkt hinterlässt, ein Konsument oder auch eine ganze Nation. Unter anderem gibt das Institut für die Produktion eines Paares Lederschuhe die Menge an verbrauchtem virtuellen Wasser mit 8.000 Litern an.

Unser großer Wasser-Fußabdruck

Was unseren Verbrauch an virtuellem Wasser angeht, leben wir Deutschen auf ziemlich großem Fuß:

Naturschutzorganisationen raten dazu, beim sogenannten virtuellen Wasser zu sparen. Ausschlaggebend für den globalen Wasserhaushalt sei nicht unbedingt, ob man in deutschen Haushalten weitere zehn Liter Leitungswasser pro Tag einspare, so Martin Geiger, der Wasserexperte des WWF. Vielmehr lasse sich durch bewussten Konsum erheblich mehr Wasser sparen.

Virtuelles Wasser sparen

35 Liter Wasser für eine Tasse Tee

Wollen Sie virtuelles Wasser sparen, sollten Sie darauf achten, saisonale und regionale Lebensmittel einzukaufen. Es müssen nicht unbedingt Erdbeeren aus Spanien sein - und gerade im Winter empfiehlt es sich, klassische Sommergemüse wie Tomaten oder Paprika zu meiden und zum Beispiel auf Kohl oder Pastinaken auszuweichen.

6.000 Liter in jeder Jeans

Auch die Wegwerf-Mentalität bei Textilien sollte man unter Umständen überdenken. Viele Billigtextilien werden in trockenen Regionen produziert: Dabei werden Unmengen von Wasser verbraucht und verschmutzt. Rund 6.000 Liter virtuelles Wasser stecken in einer Jeanshose. Grund genug also, mit seiner Kleidung sorgfältig umzugehen.

"Wie viel virtuelles Wasser in einem Produkt steckt, sieht man diesem natürlich nicht auf den ersten Blick an. Als Faustregel kann aber gelten: regional und saisonal einkaufen, nur in Maßen Fleisch konsumieren. Allein dadurch lässt sich schon einiges an virtuellem Wasser einsparen."

Martin Geiger, Wasserexperte des WWF


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