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Feuerball am Himmel Das Rätsel von Tunguska

Am 30. Juni 1908 raste eine riesige Feuerkugel über Sibirien hinweg. Eine Druckwelle warf Menschen zu Boden und entwurzelte Millionen Bäume, Tiere verbrannten im Wald. Bis heute ist die Ursache des Tunguska-Ereignisses ungeklärt.

Stand: 30.06.2016

Am 30. Juni 1908 gegen 7.00 Uhr morgens wurden die Menschen in Zentralasien und Sibirien Zeugen eines Furcht einflößenden Erscheinung: Eine Feuerkugel raste knallend und knatternd über den wolkenlosen Morgenhimmel. Hunderte von Kilometer zieht sie ihre Bahn.

Hirtenhunde und Rentiere verbrennen

Vom Tunguska-Ereignis umgeknickte Bäume

Über Wanawara, einer kleinen Handelsstation am Fluss "Steinige Tunguska", dreht die Kugel nach Norden. Plötzlich spaltet ein greller Blitz den Himmel. Es wird gleißend hell, Feuersäulen steigen auf und eine Hitzewelle rollt über die Taiga. In einem Gebiet so groß wie das Saarland werden 80 Millionen Bäume entwurzelt. Menschen werden durch die Luft geschleudert, in den Wäldern verbrennen Hirtenhunde und Rentiere.

Wie eine Atombome

Explosion der Atombombe von Hiroshima

Auch mehr als ein Jahrhundert nach dem sogenannten Tunguska-Ereignis ist unklar, was damals wirklich geschehen ist. Man weiß nur, dass sich eine gewaltige Explosion ereignete. Computersimulationen der Wirkung gehen von der bis zu 1.000-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe aus.

Theorie N° 1: ein Astereroid

Hier geht ein Asteroid über dem Sudan nieder. So ähnlich sah der Himmel möglicherweise 1908 über Sibirien aus.

Es gibt unterschiedliche Theorien, die zu erklären versuchen, was diese gewaltige Explosion auslöste. Die am meisten verbreitete lautet, dass damals ein Asteroid in etwa acht Kilometern Höhe auseinanderbrach. Der Steinbrocken mit einem Durchmesser von rund 60 Metern zerbrach, als er auf dichtere Luftschichten traf, und seine Trümmer verdampften. Doch es gibt Zweifel, dass damals so viel Gestein einfach spurlos verschwinden konnte, ohne auffindbare Meteoriten auf der Erde zu hinterlassen.

N° 2: ein explodierter Eisbrocken

Dieser stolz präsentierte Steinbrocken gehört angeblich zum Asterioden, der das Tungaska-Ereignis auslöste.

Wissenschaftler der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York haben eine andere Theorie. Sie vermuten: Der Auslöser des Tunguska-Ereignisses war ein Komet, der in großer Höhe zerbrach und dann verdampfte. Sie belegen ihre Theorie mit Beobachtungen der NASA-Raumfähren, die inzwischen im Museum stehen. Bei ihrem Start schleuderten die Space Shuttles rund 300 Tonnen Wasserdampf in die obersten Schichten der Atmosphäre. Diese Wasserpartikel bildeten in rund 80 bis 120 Kilometern Höhe Wolken. Noch Tage nach dem Start einer Raumfähre waren diese sogenannten nachtleuchtenden Wolken zu sehen.

Laut Augenzeugenberichten standen solche Wolken auch nach dem Tunguska-Ereignis am Himmel. Selbst in Europa waren sie zu sehen. Die US-Wissenschaftler glauben daher: 1908 zerbrach in etwa 100 Kilometer Höhe ein Komet. Denn nur der vereiste Kern eines Kometen hätte genug Wasserdampf für nachtleuchtende Wolken abgeben können.

Die Methangas-Theorie

Es gibt auch Theorien, die das Tunguska-Ereignis auf Vorgänge im Erdinneren zurückführen. Der Bonner Astrophysiker Wolfgang Kundt beispielsweise erklärt das Tunguska-Ereignis mit einer riesigen Methanexplosion. Unter der Erde haben russische Forscher im Tunguska-Gebiet eine große Erdgaslagerstätte gefunden. 1908 war der Druck möglicherweise so groß, dass ein Teil des Methans entwich und sich in der Atmosphäre entzündete. Die gewaltige Explosion verschloss die Öffnung, durch die das Gas entwichen war, wieder.

Viel Raum für Spekulationen

Ringe eines Baumes, der das Tunguska-Ereignis unmittelbar miterlebte. Nach 1908 sind Anomalien im Wachstum zu erkennen.

Eine andere Theorie weist weit in die erdgeschichtliche Vergangenheit: Auf dem Areal, über dem die Feuerkugel explodierte, ereignete sich vor 250 Millionen Jahren der wahrscheinlich größte Vulkanausbruch der Erdgeschichte. Die Explosion von Tunguska war möglicherweise nur ein vergleichsweise kleiner Nachzügler der damaligen Eruption.

Dieser Vulkanausbruch stellt die Wissenschaftler aber noch vor ein generelles Problem: Die Erde besteht dort aus Basalten, die die identische Zusammensetzung wie viele Meteoriten und Asteroiden haben. Daher lässt sich nur schwer feststellen, ob Gestein von der Erde stammt oder aus dem Weltraum. Es gibt also noch viel Raum darüber zu spekulieren, was damals im Jahre 1908 wirklich passiert ist.


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