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Klo-Kulturgeschichte Karriere des stillen Örtchens

Jeder benutzt es und doch redet man nicht gerne darüber: das Klo. Doch so still wie es um das Örtchen geworden ist, war es nicht immer. Zu manchen Zeiten war der öffentliche Toilettengang sogar ein gesellschaftliches Ereignis. Die Geschichte des Klos verrät einiges über die Menschheit.

Stand: 04.07.2017

Wenn Archäologen im Staub nach Überresten vergangener Kulturen suchen, stoßen sie nicht immer auf wertvolle Schmuckstücke oder ausgefeilte Waffen, manchmal finden sie auch nur ein Klo. Immerhin wissen wir dank grabwütiger Forscher, dass unser Klosett Vorfahren hat, die schon tausende Jahre alt sind. Funde aus Schottland belegen, dass es auf der britischen Insel schon vor 5.000 Jahren Klos gegeben haben muss. Die Sumerer im heutigen Irak sollen sogar schon über Toilettenräume mit Wasserspülung verfügt haben. Und auch bei den alten Indern, Ägyptern und Kretern soll es sehr sauber zugegangen sein.

Römer bauten Klos mit Stil

Öffentliche Bedürfnisanstalt im alten Rom

Die Hochkultur des Klos herrschte in der Antike im alten Rom. Während es in einem durchschnittlichen römischen Zuhause eher schlicht zuging – die Toilette bestand aus einem Fass, in das die Hausbewohner den Inhalt ihrer Nachttöpfe kippten – besaßen die Reichen sogar schon richtige Privatklos. Die meisten Menschen benutzten allerdings die öffentlichen Latrinen, in denen es durchaus gesellig zuging. Die Hygiene-Einrichtungen ohne Trennwände und Privatsphäre boten Platz für 50 bis 60 Personen, da kam man leicht ins Gespräch. Vor allem die römischen Prachtlatrinen mit Mosaiken, Fußbodenheizung, verzierten Säulen und Marmorsitzen luden zum Verweilen und Plauschen ein. Nebenbei verrichtete man seine Notdurft, die im besten Fall in einen Wassergraben und von dort direkt in die Cloaca Maxima, den großen Abwasserkanal, floss.

Keimschleuder Latrine

Für weniger Krankheiten sorgten die römischen Latrinen allerdings nicht – im Gegenteil, meinte der Anthropologe Piers Mitchell von der Universität Cambridge im Januar 2016: Mitchell hat die in antiken Gemeinschaftsklos gefundenen Versteinerungen untersucht. Er fand Überreste von Läusen, Flöhen, Zecken und Darmparasiten wie zum Beispiel dem Fischbandwurm. Mitchell vermutet, dass das Wasser in vielen öffentlichen Latrinen nur selten ausgetauscht wurde und sich eine dicke Schlammschicht gebildet hat. Damit sie nicht überquollen, mussten sie ausgehoben werden. Der Dreck landete auf den Feldern, die Parasiten auf der Ernte und damit wieder auf den Märkten. Über die Keimschleuder Klo verbreiteten sich Krankheitserreger im ganzen Römischen Reich.

"Im Vergleich zum Mittelalter war das Römische Reich jedoch ein Hort der Hygiene."

Karl-Wilhelm Weber, Historiker, Universität Wuppertal

Kleine Geschichte des Klopapiers

Früher und heute im Notfall ärgerlich: eine leere Klopapierrolle

Die Römer nahmen die Finger und später einen Stock zur Hilfe, an dem ein kleines Schwämmchen befestigt wurde. Im Mittelalter wurden gerne Leinwandfetzen, Stroh oder Laub benutzt. Die Schwester des französischen Sonnenkönigs griff zu Schafswolle. Zeitungen wurden erst später zum Abwischen benutzt. Das erste kommerziell vertriebene Toilettenpapier kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf. In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde ein Markenartikel daraus. Das Papier wurde heller und bekam eine garantierte Blattzahl.

Klokultur ging im Mittelalter flöten

Mittelalterliches Schlafgemach der Salzburger Festung Hohensalzburg mit privater Toilette

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches war auch die gehobenere Klokultur futsch. Im Mittelalter hatten die Menschen Besseres zu tun, als sich um ihre Hygiene zu kümmern. Das Volk machte wieder in den Nachttopf, den es ungestraft auf der Gasse entleerte. Wer nachts spazieren ging, heuerte sich einen Begleiter an, der voraus ging und lautstark vor stinkenden Häufchen warnte. Immerhin verordnete man um 1500 in München, dass jeder seinen Mist noch am gleichen Tag von der Straße zu entfernen habe. Öffentliche Toiletten waren rar gesät, nur in London, Basel und Frankfurt am Main soll es ein paar gegeben haben. Privatklos waren noch seltener. Die Stadt Nürnberg rügte sogar den Maler Albrecht Dürer, weil er heimlich eine Toilette in seine Küche eingebaut hatte. Als berühmter Bürger der Stadt erließ man ihm aber großzügig die Geldstrafe für die bauliche Ordnungswidrigkeit.

Kleines Klo-ABC

Toilette

"Toilette" nannten die Franzosen den Vorgang des Ankleidens, Schminkens und Frisierens. Weil die Damen bei Hofe für ihre Toilette spezielle Ankleidezimmer besaßen und dort auf Leibstühlen auch ihre Notdurft verrichteten, bürgerte sich der Begriff für das heutige Klosett ein.

Klosett

"Klosett" nannte man einst ein kleines, geheimes Zimmer.

WC

WC steht für "water closet", das Wasserklosett.

Lokus

"Lokus" kommt aus dem Latein, "locus necessitatis" bedeutet "Ort der Notdurft".

00

"OO"-Schilder sind im 19. Jahrhundert entstanden. Zu der Zeit hatten viele Hotels nur Etagenklos in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses. Weil dort auch die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die Klos die Zimmernummer Null oder "00".

Kacken unter dem schwarzen Umhang

Man musste sich schon schützen ...

Wer nicht, wie Dürer, zuhause aufs Klo gehen konnte, wich gerne auf menschliche "Dixi-Klos" aus. Im schottischen Edinburgh, aber auch in Frankfurt am Main sollen Ende des 18. Jahrhunderts Männer und Frauen mit langen Umhängen Passanten angeboten haben, für ihr Geschäft unter ihren Mantel zu schlüpfen. Dort hielten die "mobilen Abtrittsanbieter" in der Regel einen Eimer für die Kundschaft parat. Auch die Burgbewohner verhielten sich bei ihrem Geschäft einigermaßen diskret. Sie zogen sich in eine Toilettennische an der Burgmauer zurück, durch die die Kacke in den Burggraben fiel.

Stinkender Schlosspark

Auch in der Neuzeit verbesserte sich die Klokultur nicht wirklich. Nicht nur das einfache Volk setzte sich aufs Feld oder in den Stall, um seine Notdurft zu verrichten, auch der Adel hatte kaum dazugelernt. Am Hof von Louis XIV in Versailles gab es zwar 2.000 Zimmer, aber nur ein eingebautes Klo. Stattdessen benutzte man Kackstühle, auf denen der König sogar ungeniert bei Empfängen zu sitzen pflegte. Bei pompösen Festen mit vielen tausend Besuchern erleichterten die Gäste sich im Schlosspark. Plastikbeutel, wie sie heute in fast jedem öffentlichen Park für Hunde zur Verfügung stehen, waren damals leider noch nicht erfunden.

Britischer Dichter erfand modernes Klo

Toilette von Wilhelm I. wird vermessen

Erst später erinnerte man sich wieder an die praktische Erfindung von Sir John Harington. Der britische Dichter hatte 1596 das Wasserklosett erfunden, war bei seinen Landsleuten allerdings auf Unverständnis gestoßen. Und das obwohl er ein Buch mit der genauen Bauanleitung seiner Erfindung geschrieben hatte. Erst fast 200 Jahre später, 1775, meldete der englische Erfinder Alexander Cummings das Patent für die Ausführung eines Wasserklosetts an. Cummings haben wir nicht nur die Wasserspülung, sondern auch das doppelt gekrümmte Abflussrohr, das Siphon, zu verdanken. Damit war auch das Geruchsproblem gelöst. Es sollte allerdings noch bis in die 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts dauern, bis man in Manchester Häuser mit solchen Toiletten baute.

Von Flach- und Tiefspülern

Der "Pee-Tree" von Designstudentin Joa Herrenknecht ...

An Cummings Modell hat sich wenig geändert. Heute kennen wir in Europa und den USA vor allem drei Klosett-Arten: den Flachspüler, den Tiefspüler und das Absaugeklosett. Beim Flachspüler bleibt das Häufchen gut sichtbar liegen und wird erst mit der Spülung gegen die Vorderseite der Schüssel gedrückt und dann ins Siphon gespült. Der Tiefspüler hat den Vorteil, dass die Kacke gleich in eineinhalb Liter Wasser fällt und somit kaum noch zu sehen ist. Das Modell hat allerdings den Nachteil, dass es beim Plumpsen nach oben spritzen kann. Das typisch amerikanische Absaugeklosett hat sich in Europa kaum durchgesetzt. Bei diesem Toilettentyp wird im stark verengten Siphon ein Vakuum erzeugt, das die Schüssel ruckartig leersaugt. Das Modell findet man hierzulande in modernen Zügen und in Flugzeugen. Allerdings verbraucht es 15 Liter Wasser und damit vier mal so viel wie eine herkömmliche Toilette.

Welttoilettentag am 19. November

Der weltweite Aktionstag wurde 2001 von der Welt-Toiletten-Organisation ins Leben gerufen, seit 2013 gibt es den Welttoilettentag auch bei den Vereinten Nationen (UN) offiziell. Er soll am 19. November darauf aufmerksam machen, dass fast 2,4 Milliarden Menschen ohne ausreichende Sanitärversorgung leben. Das ist jeder dritte Weltbürger. Allein in Indien sind es rund 550 Millionen Menschen – mehr als in jedem anderen Land der Welt. Menschen, die gezwungen sind ihre Notdurft im Freien zu verrichten, haben oft mit schlimmen Folgen zu kämpfen: Jährlich sterben 315.000 Kinder an vermeidbaren Durchfallerkrankungen – mehr Kinder als an Malaria, Masern und Aids zusammen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weist darauf hin, dass 80 Prozent aller Durchfallerkrankungen in Entwicklungsländern durch schlechte hygienische Bedingungen verursacht werden. Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen einer Krankheit durch mangelhafte Hygiene, mit Fäkalien verunreinigte Nahrung oder verschmutztes Trinkwasser.

  • "Stille Örtchen" - Die Geschichte der Toilette: am 5. Juli 2017, um 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • "Besetzt" - Geschichten vom "stillen Örtchen" im Kommunikationsmuseum Nürnberg: am 6. April 2017, um 13.30 Uhr, Bayern 2-regionalZeit.
  • 26.08. - Tag des Toilettenpapiers: am 26. August 2016, um 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.
  • "Die Evolution der Toilette": am 11. April 2015, um 21.05 Uhr, ARD-alpha.
  • "Das stille Örtchen wandelt sich": am 5. Dezember 2012, um 15.30 Uhr, nano, ARD-alpha.

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Vincent, Donnerstag, 19.November, 20:52 Uhr

2. die Alten Ägypter warens

Stichwort Altes Ägypten: Das wahrscheinlich älteste und wohl auch besterhaltene Klo befindet sich im Totentempel Medinet Habu des Pharao Ramses III. in der Nähe von Luxor auf der Westseite. Schon während des Baus wurde ein kleiner Palast an die Südseite gesetzt, den der Pharao regelmäßig beim Besuch der Westbank aufsuchte. Das WC ist eine Art Plumpsklo, wo nach Benutzung ein Diener mit Wasser nachspülen konnte. Sehr modern mit einem großem Abfluss und das im 12 Jhd. vor Christus.

Helmut Zierau, Donnerstag, 19.November, 09:25 Uhr

1. 00

Sehr amüsanter Beitrag auch wenn er eigentlich für den Arsch ist!