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Altes Ägypten Die Geheimnisse der Königsgräber

Schon in der Antike waren die Pyramiden von Gizeh ein geheimnisvolles Weltwunder. Jahrtausendelang wusste niemand, wofür sie einst dienten. Noch heute rätseln Wissenschaftler, wie die Ägypter die Steine zu Pyramiden aufzutürmten.

Stand: 03.11.2017

Lange dauerte es, bis der Zweck der Pyramiden wiederentdeckt wurde, doch heute wissen wir: Die Bauwerke dienten ägyptischen Herrschern als Grabmal. Doch bis die Pyramiden von Gizeh stehen, ist es ein weiter Weg.

Der große Steinbeweger

Prototyp der Pyramiden: die Stufenpyramide von Pharao Djoser

Die Grabanlagen der frühen ägyptischen Herrscher sind flach, bis König Djoser, der Begründer der dritten Dynastie um das Jahr 2650 vor Christus zur Pyramide wechselt. Sein Grabmal steht in Sakkara und ist rund 62 Meter hoch. Den nächsten großen Schritt im Pyramidenbau macht König Snofru. Er experimentiert mit neuen, riskanten Bautechniken und müht sich während seiner Regierungszeit sogar mit mehreren Pyramiden ab. Gemessen am verbauten Material ist er der größte Baumeister der ägyptischen Geschichte: Es lässt 3.750.000 Kubikmeter Stein auftürmen. Sein Sohn Cheops verbaut eine Million Kubikmeter weniger.

Rot oder geknickt

Gigantischer Misserfolg: die Knickpyramide des Pharaos Snofru

Berüchtigt ist Snofrus sogenannte Knickpyramide in Dahschur. Der Bau soll etwa 125 Meter in die Höhe ragen, aber der Boden gibt nach und Risse ziehen sich durch die Kammern im Inneren. In einem verzweifelten Rettungsversuch flachen die Baumeister den Neigungswinkel der Pyramide auf halber Höhe ab. Ohne Erfolg: Die Knickpyramide wird die größte Bauruine Ägyptens. Als Ersatz für seine missratene Ruhestätte beginnt Snofru den Bau der "Roten Pyramide". Sie wird als erste mit waagrecht umlaufenden Steinschichten gebaut. Das verringert den Druck auf die Kammern im Inneren und das Bauwerk bleibt stehen – bis heute. Die "Rote Pyramide" ist die dritthöchste in Ägypten.

Riesig, aber exakt

Meisterleistung: die Cheops-Pyramide in Gizeh

König Cheops profitiert von den Erfahrungen seines Vaters. Für seine Riesenpyramide sucht er einen besonders festen Untergrund aus, denn die etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Stein für sein Grabmal wiegen über drei Millionen Tonnen. Doch nicht nur die schiere Masse ist beeindruckend: Das eigentliche Wunder der Cheops-Pyramide ist die Messgenauigkeit, mit der der Koloss in den Sand gesetzt wird. Die 230 Meter langen Seiten differieren im Durchschnitt nur um ganze 2,3 Zentimeter voneinander. Das Fundament ist so exakt waagrecht, dass das Gefälle zwischen Nord- und Südseite nur 22 Millimeter beträgt.

Rätsel Rampe

Vermutlich mithilfe von Rampen wie in diesem Modell türmten die Ägypter riesige Steine zu Pyramiden auf.

Seit es Ägyptologen gibt, fragen sie sich, wie die Menschen damals derartige Bauwerke errichten konnten. Die meisten Erklärungsmodelle gehen von Rampen aus, über die die Arbeiter die Steine auf Rollschlitten hinaufzogen. Doch das hat einen Haken: Je höher die Pyramide, desto länger muss die Rampe sein. Das bedeutet konkret: Wenn die Cheops-Pyramide 146 Meter hoch ist und die Steigung nicht mehr als fünf Prozent betragen soll, wird die Rampe nach und nach so lang, dass sie am Ende die zehnfache Masse der Pyramide selbst hat. Außerdem wäre sie drei Kilometer lang oder müsste sich mehrmals um den Bau herumwinden.

Steil nach oben

Der Ingenieur und Ägyptologe Frank Müller-Römer hat die bisherigen Modelle durchgerechnet und ist zur Ansicht gekommen, dass keines von ihnen funktioniert. Er geht daher von einem Bauverfahren aus, bei dem auf allen vier Seiten der Pyramide gleichzeitig gearbeitet werden kann. In seiner Theorie sind die Rampen deutlich steiler. Die Steine können daher nicht direkt nach oben gezogen werden, sondern werden mit Hilfe von Seilzügen in die Höhe befördert. Steile Rampen sparen Baumaterial und Platz, und außerdem lassen sich - zumindest im unteren Teil der Pyramide - auf einer Seite gleich zwei Rampen anbauen.

Spezialisten statt Sklaven

Sitzbild von Hemiunu, dem Baumeister der Cheops-Pyramide, aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim

Nach Müller-Römers Berechnungen hätte der Bau rund 22 Jahre gedauert. Cheops herrschte etwa 23 Jahre, die Pyramide wurde also möglicherweise noch zu seinen Lebzeiten fertig gestellt. Für diese relativ kurze Bauzeit wären auch nicht die 100.000 Sklaven notwendig gewesen, von denen der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet. Ägyptologen gehen heute davon aus, dass etwa 12.000 bis 15.000 Arbeiter mit der Cheops-Pyramide, beschäftigt waren, aber nur höchstens ein Viertel von ihnen dürfte direkt an der Pyramide beschäftigt gewesen sein. Die Arbeiter waren vermutlich auch keine Sklaven, sondern gut ausgebildete Facharbeiter, die auch auf den Baustellen der Pyramiden der Nachfolger beschäftigt waren.

Klein wird fein

Die Sphinx von Gizeh vor der Chefren-Pyramide

Auch Cheops' Sohn Chefren lässt sich eine Pyramide errichten. Er will noch höher hinaus als sein Vater, schafft das aber nur mit Tricks. Er baut höher im Gelände, auf kleinerer Grundfläche und mit einem steileren Winkel. Chefrens Nachfolger Mykerinos baut wieder in Gizeh. Seine Pyramide ist zwar kleiner, dafür baut er umso aufwendigere Anlage um sie herum. Das wird zum Trend für die nächsten Dynastien: kleinere Pyramiden bei großartigeren Kultanlagen. Tausend Jahre später, im Neuen Reich, hat die Pyramidenform ihre Exklusivität als Königsgrab verloren. Nun sind es tatsächlich die Facharbeiter, die selbstbewusst für sich kleine Pyramiden bauen, während sie für die Könige die Felsengräber im Tal der Könige anlegen. Erst diese Könige heißen übrigens erstmals Pharaonen.

  • Antike Mega-Bauwerke: Die Pyramiden von Gizeh. 24.01.2015 um 20:15 Uhr, ARD-alpha

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