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Weiße Weihnachten haben wenig Chancen Weihnachtstauwetter im Anmarsch

Die Wetterprognose lässt wenig Hoffnung übrig: Auch in diesem Jahr werden wir wohl keine weiße Weihnachten haben. Was ist los? Früher gab es die doch immer, oder? Im Gegenteil: Typisch ist bei uns die grüne Weihnacht.

Stand: 19.12.2017

Ein Plastik-Schneemann steht zwischen kläglichen Schneeresten in Ruhpolding | Bild: picture-alliance/dpa

Regen, Matsch und trüber Himmel auf dem Weihnachtsmarkt, Windböen in der Weihnachtsnacht, grüne Berghänge zwischen den Jahren - an all das sollten Sie längst gewöhnt sein. Denn die Wetterstatistik zeigt: In siebzig Prozent der Fälle ist Weihnachten bei uns in Deutschland grün. Und auch in diesem Jahr heißt es wohl wieder "Es grünt so grün" statt "Leise rieselt der Schnee", wenn die Wetterfrösche Recht behalten.

Regionale Chancen auf weiße Weihnacht in Süd und Ost

meteorologische Definition

An allen 3 Festtagen (24.-26.12.) gibt es morgens um 7.00 Uhr eine Schneedecke mit mindestens 1 cm Dicke (egal ob frisch oder alt).

Es gibt in ganz Deutschland nur einen einzigen Ort, an dem jedes Jahr weiße Weihnachten gefeiert werden können, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: die Zugspitze. Orte in einer Höhe über 700 bis 800 Meter seien eine "sichere Bank", so ein Experte vom Deutschen Wetterdienst DWD.

Weiße Weihnachten - die Ausnahme für die meisten Orte bei uns

Doch im Flachland ist Schnee an Weihnachten die Ausnahme, selbst in Bayern: Nürnberg etwa war zuletzt im Jahr 2010 zur Weihnacht verschneit. Düsseldorf oder Frankfurt erleben weiße Weihnachten nur etwa alle zehn Jahre. Die Münchner können da schon fast frohlocken: viermal so häufig pudert hier Schnee den Asphalt fürs Christkind. Aber selbst in München ist Weihnachten damit häufiger grün als weiß. Und das ganz Bayern zu Weihnachten schneebedeckt war, kam in den letzten fünfzig Jahren nur fünfmal vor: In den Jahren 1969, 1981, 1986, 2001 und 2010. Jammern auf hohem Niveau, denkt mancher auf Helgoland, wo es durchschnittlich nur zweimal im Jahrhundert weiße Weihnachten gibt.

Schuld an der grünen Misere ist eine regelmäßige Ausnahme: das sogenannte Weihnachtstauwetter.

Weihnacht zu früh im Winter

Weihnachten liegt terminlich einfach etwas ungünstig: Drei Tage vor der Heiligen Nacht beginnt der Winter überhaupt erst, denn der Tag der Wintersonnwende ist astronomischer Winteranfang. Dass die Meteorologen immer den 1. Dezember als Winteranfang sehen, hat vor allem statistische Gründe: Es rechnet sich einfacher, wenn auch der Winter an einem Monatsersten beginnt. Doch der Tiefststand der Sonne über der Nordhalbkugel der Erde ist erst drei Wochen später erreicht, kurz vor Weihnachten. Flachere Sonneneinstrahlung über weniger Stunden am Tag lässt unsere Planetenhälfte abkühlen - die Ozeane recht langsam, die Kontinente etwas schneller. Die großen Landmassen Sibiriens kühlen am schnellsten ab, dort beginnt der Winter meist schon im November.

Hoch im Norden - weiß bei uns

Die besten Aussichten für weiße Weihnachten gibt es für uns, wenn den Russen die Sonne lacht: Ein Hochdruckgebiet über Sibirien, um das sich die Luftmassen im Uhrzeigersinn drehen, saugt die kalte Luft des Nordpols an und bläst sie zu uns, als eisige Ostwinde. Auch ein Hoch über den Rentieren Lapplands bringt die Polarluft zu uns.

Wo Winterluft auf Sommerwärme trifft

So entsteht das Weihnachtstauwetter

Auch bei frostiger Vorweihnachtszeit ist die weiße Weihnacht in Bayern eher die Ausnahme. Selbst ein kühles Hoch über Sibirien bringt uns nicht immer Schnee. Denn wehe, die Winde zweigen vorher ab: Ziehen sie nördlich an England vorbei, dann ist es aus mit dem Wintertraum bei uns. Über dem Atlantik treffen die kalten Luftmassen auf den Sommer.

Nicht nur auf den Rest von Sommerwärme, der im Ozean länger gespeichert bleibt, sondern auf ganz frischen Sommer aus weiter Ferne: Wintersonnwende bei uns ist zugleich Sommersonnwende auf der Südhalbkugel. Dort scheint jetzt die Sonne hoch und heiß viele Stunden am Tag herab und wärmt ordentlich. Und die große, globale Warmwasserleitung, der Golfstrom, bringt diese Wärme schnurstracks in unsere Nähe.

Das Islandtief ist schuld

Polare Kaltluft von Osten trifft auf subtropische Warmluft aus Südwesten und schon ist es da, das leidige Islandtief. Gegen den Uhrzeigersinn dreht sich das Tiefdruckgebiet, schaufelt die Kaltluft weiter nach Norden und saugt die feuchtwarme Atlantikluft zu uns heran - mit regenreichen Westwinden. Und das ist es dann, unser typisches Weihnachtswetter. Vor allem den Südwesten Deutschlands erwischt die feuchtwarme Witterung, während der Nordosten Deutschlands noch eher Chancen auf die polare Kaltluft hat. Manchmal verläuft dann eine scharfe Trennlinie quer durch Deutschland. Wo die kalten und warmen Luftmassen aneinanderstoßen, wird es turbulent: Starke Schneefälle, Eisregen und Blitzeis treten dort auf - ein Grauen für alle, die zum familiären Weihnachtsfest das Land durchqueren.

Das typisch miese Weihnachtswetter

Singularität

Als Singularität bezeichnen Meteorologen eine vom normalen Wetterverlauf abweichende Wetterlage, die aber zu bestimmten Jahreszeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt. Alleine ist die Singularität des Weihnachtstauwetters nicht - es gibt noch andere:

Die globale Erwärmung ist nicht die Ursache für die grünen Weihnachten bei uns. Dieses typisch deutsche Nicht-Winterwetter hat sogar einen eigenen Namen: Es ist das Weihnachts-Tauwetter, das meist vom 24. Dezember bis Silvester herrscht. Es ist ein so typisches, regelhaftes Witterungsverhalten, dass Meteorologen es als Singularität bezeichnen, wie die Eisheiligen im Mai oder die Schafskälte im Juni. Angeblich sind schon im Mittelalter die Menschen zur Weihnachtszeit im südlichen Rhein schwimmen gegangen.

Weihnachtswetter-Stichprobe

1953

Kein Schnee in der Adventszeit? Da ist Hamburg 1953 keine Besonderheit. Auch an Weihnachten bleibt es in den meisten Orten grün und mild. Selbst in Oberstdorf sind es durchschnittlich 1,8 Grad. Nur 1 Zentimeter Schnee misst die Station des Deutschen Wetterdienstes. Neuer Schnee kommt bei der Wärme nicht dazu. Auch sonst fällt nur wenig Schnee, später Regen.

1962

Dieser Winter hat es sich. Auch an Heiligabend: In Erfurt-Weimar sinken die Temperaturen auf bis zu minus 16 Grad. In Nürnberg hat es durchschnittlich nur minus 10 Grad. Und selbst auf Helgoland zeigt das Thermometer nicht mal eine Null an. Neuen Schnee gibt es nicht oft. Zu kalt. Aber Altschnee: Wie hier zum Beispiel im Schwarzwald. In Nürnberg misst die DWD-Station immerhin 9 Zentimeter. Fast sibirisch ist Oberstdorf mit um die minus 20 Grad und 1 Meter Schnee.

1981

Nicht nur Costa Cordalis geht zum Langlaufen. Ganz Deutschland liegt an den Weihnachtstagen unter einer Schneedecke. Sogar auf der milden Insel Helgoland ist es am 24. ein bisschen weiß: 3 Zentimeter Schnee. In Berlin sind es 20 Zentimeter, in Oberstdorf 77. Und es schneit weiter. Die Temperaturen knapp unter null Grad sorgen weiter dafür, dass nichts auftaut. Auf ein Comeback dieser gesamtdeutschen Winterlandschaft muss man allerdings bis 2010 warten.

1990

Einfach nur mild, dieses Weihnachtswetter. Die Rostocker tummeln sich bei 6,7 Grad auf dem Weihnachtsmarkt. Auch an den Messstationen in Köln-Bonn, Nürnberg, Helgoland, Hannover und Berlin steigen die Temperaturen auf ein paar Grad über Null. Schnee? Fehlanzeige. Natürlich mal wieder abgesehen von Oberstdorf und den höher gelegenen Gebieten. In Berlin ist statt Schnee ein bisschen Sprühregen angesagt.

2012

Nur 1977 und 1983 war es in Deutschland ähnlich warm. Obwohl Anfang Dezember noch Schnee liegt, taut es pünktlich zum Fest gewaltig. Im Chiemsee kann man nicht nur als Eisschwimmer baden, in München steigt das Thermometer auf rekordverdächtige über 20 Grad. Während man sich im Süden sonnen kann, ist es im Norden eher bewölkt. 13,4 misst dort die Station in Köln-Bonn, in Hannover sind es maximal rund 13 Grad.

Weiße Weihnacht immer seltener

Doch in den vergangenen Jahren konnte man oft nicht einmal von dieser Singularität sprechen, denn dazu hätte es zuvor kälter sein müssen.

Milde Temperaturen in der Vorweihnachtszeit häufen sich:

"Früher hatten wir in der Vorweihnachtszeit oft unseren ersten längeren Wintereinbruch mit Eis und Schnee bis ins Flachland. Aber gerade zu den Weihnachtsfeiertagen hin verspürte die Atmosphäre dann einen großen 'Drang' zu milden Westwetterlagen mit Atlantikluft: das Weihnachtstauwetter. Seit Mitte der 1980er-Jahre häufen sich milde Winter und damit die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine eis- und schneearme vorweihnachtliche Witterung nahtlos in die Weihnachtstauwetter-Phase übergeht. Da kann man von 'Weihnachts-Tauwetter' eigentlich gar nicht mehr sprechen."

Dr. Michael Sachweh, BR-Meteorologe

Die Singularität des Weihnachts-Tauwetters scheint also dank Klimawandel auszusterben - die grünen Weihnachten in Bayern werden bleiben.

Müssen wir unser Bild vom Weihnachtsmann geraderücken?

Warum ist Weihnachten in unseren Köpfen überhaupt mit Schnee verknüpft? Der größte Teil der christlichen Welt feiert grüne Weihnachten. Auch die Ur-Weihnacht in Bethlehem war sicher schneefrei. Also trösten Sie sich: Weiße Weihnacht ist (meistens) nur ein Traum.

  • Wie oft gab es in ganz Bayern weiße Weihnachten? 12.12.2017, 5.05 Uhr, Bayern 1
  • Grüne Weihnachten. Abendschau - Der Süden. 22.12.2016, 17.30 Uhr, BR Fernsehen
  • Unkraut: Wetter extrem - Wo bleibt der Weiße Rausch? 03.01.2016, 03:35 Uhr, ARD-alpha
  • Faszination Wissen: Weiße Weihnachten - ein Klimamärchen? 21.12.2006, 19.30 Uhr, BR Fernsehen

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Kommentare

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Wetterclown, Mittwoch, 20.Dezember, 19:13 Uhr

8. Postkartenidylle

Weisse Weihnachten ist nur eine Postkartenidylle. - Damit muß man leben. -

Diers, Ruth, Samstag, 09.Dezember, 12:57 Uhr

7. Klimawandel / Weihnachten

Jammern nützt nichts mehr,! Wir haben es unseren Kindern endgültig versaut, Schlitten zu fahren, ohne erst in "schneesichere Gebiete" zu fahren, Schlittschuhlaufen auf künstlich angelegten Eisflächen statt auf Natureis, Spaziergänge im Matsch statt im Schnee. Wir können ihnen Opa? Diashow von früher zeigen, als Mama und Papa noch bis zur Nasenspitze im Schnee versackt sind oder eine Riesenschneemann bauten.
Und anstatt endlich nachzudenken, hängt die Politik an der Kohleförderung, lässt Fahrzeuge zu, die in Verbrauch und Schadstoffausstoss jenseits von gut und böse
sind. Elektroautos kommen zögerlich in Fahrt, weil man an den Steuern auf Kraftstoff hängt, incl. der Umweltzuschläge, Seit wann hilft dieses Geld der Umwelt? Wahrscheinlich wird es doch sowieso für andere Zwecke ausgegeben! Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

alexander, Mittwoch, 21.Dezember, 17:26 Uhr

6. Wozu??

Wozu muss die Weihnacht weiß sein???? Nur weil Coca-Cola das so erfunden hat, müssen wir jetzt nach weißer Weihnacht schmachten??? Also mir sind grüne Weihnachten tausend mal lieber....

Hedwig Strobel, Mittwoch, 21.Dezember, 09:08 Uhr

5. Weisse Weihnacht

Der Mensch müsste sich mal fragen, ob es vielleicht an ihm liegt, weil zu Weihnachten kein Schnee fällt. Muss man immer alles haben. Obst und Gemüse muss durch die weite Welt gefahren werden. Luftverschmutzung durch Flugzeuge und Autos .Brauchen wir zu Weihnachten Heidelbeeren aus Chile? Bei uns gibt es Heidelbeeren, wenn wir sie im Wald pflücken. Solche Beispiele gibt es noch mehr. Ich möchte sie gar nicht alle aufzählen.

  • Antwort von Maler. Lange Stege, Montag, 14.August, 02:38 Uhr

    Was bitte,hat Schnee mit Gemüse zu Tin?

  • Antwort von an Maler, Montag, 18.Dezember, 10:12 Uhr

    Schnee hat unglaublich viel mit Gemüse zu tun, mit dem Gemüße, was wir von weit, weit her anschleppen lassen um Heidelbeeren zu weißnachten zu essen und mit dem industriell angebauten Gemüße an unseren Ackerfeldern und mit dem Gemüße, was wir achtlos in den Restmüll zum verbrennen wegwerfen, weil in der Packung mit 20 Orangen eine schimmlig oder sonst wie beschädigt wurde

    Der Mensch ist für die Natur eine untragbare Last

Der Schelm, Dienstag, 20.Dezember, 23:30 Uhr

4. Weiße Weihnacht

Wir brauchen mehr Schneekanonen, dann haben wir auch wieder weiße Weihnachten. Das wäre doch gelacht. Wir schaffen das.

  • Antwort von LiFe, Mittwoch, 21.Dezember, 13:46 Uhr

    Sie haben mich zum Lachen gebracht.......lasst uns froh und munter sein. Wir schaffen das.

  • Antwort von Susanne, Mittwoch, 20.Dezember, 17:47 Uhr

    Ein Schelm, - wer so schlecht denkt. Herrlich!!! Wir schaffen das, wir machen auch das letzte bißchen Natur kaputt, mit Heidelbeeren aus Chile, Klamotten aus China, jeden Pfurz im Internet bestellen, damit der CO²-Ausstoß nicht sinkt, sondern weiter das Klima aufwärmt. Warm ist doch eh viel schöner. Und wenn die Winter schön warm sind, brauchen wir weniger Heizung. Ist doch auch nicht schlecht.
    Frohe Weihnachten, mit Würstchen vom örtlichen Metzger anstatt Lamm aus Neuseeland, mit Kartoffel(salat), natürlich Bio, anstatt Pommes Frites von sonstwoher, mit Zeitungspapier als Verpackung (wird eh weggeworfen, wozu Geld ausgeben), mit Essbarem aus der Region als Geschenk, und nicht die Plastik-Schnick-Schnack aus Fernost, mit einer Woche Weihnachtsurlaub auf dem Sofa - herrlich CO²-frei und billig, da reicht es dann auch im Januar für das Bio-Essen, da muss es nicht geizig billig sein oder sich lohnen...