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Christbaum-Psychologie Zeig her deinen Baum!

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie sind bloß deine Schmücker? Das kommt ganz darauf an, womit der Christbaum behängt ist: Mit glänzenden Kugeln, buntem Kitsch, raffinierter Technik? Wir bieten Einblicke in die Christbaum-Psychologie.

Stand: 16.11.2017

geschmückter Zweig | Bild: colourbox.com

Weihnachten. Das Fest der Liebe, Freude - und der Weihnachtsbäume. Nahezu in jedem deutschen Wohnzimmer wird einer feierlich geschmückt und sorgt für eine besinnliche, heimelige Atmosphäre. Doch kein Baum gleicht dem anderen. Egal, ob er mit glitzernden Kugeln und Lametta, Süßigkeiten, Strohsternen, Schleifen, Kerzen oder kleinen Spielzeugen verziert ist - der Christbaum lässt Rückschlüsse auf seinen Schmücker zu.

Klassisch: Kugeln, Kerzen, Strohsterne und Christbaumspitze

Baumschmuck gleich Traumbub?

Den altbayrischen Christbaum mit echten Bienenwachskerzen, großen roten Kugeln, Strohsternen und der filigranen Christbaumspitze hat ein echter Traditionalist geschmückt. Dieser klassische Schmücker beweist Sinn für alte Werte: Er macht sein Kreuz bei der Partei, die schon sein Vater wählte - und schmückt auch den Baum so, wie es bereits seine Großmutter tat. Nur dann fühlt er sich geborgen. Sein Lieblingssatz beginnt mit "Meine Mama sagt ...".

Kitschig: Buntes Sammelsurium

Kitsch: ein lebenslustiger Individualist

Der Kitsch-Schmücker dagegen bringt mit seinem Baum Farbe ins Wohnzimmer: Er behängt ihn mit lauter Dingen, die er während der vergangenen Jahre angesammelt hat. Andere würden es "Krempel" nennen, für ihn sind es kleine Schätze: Poppige Glaskugeln, ein singender Stieglitz mit Federn, eine kleine Geige und ein staubiger Kinderschuh. Was seine Anhänger gemeinsam haben: Sie sind bunt und keiner passt zum anderen. Der Kitsch-Schmücker ist ein lebenslustiger Individualist - und er scheut sich nicht, das auch zu zeigen. Oft zum Leidwesen seiner Umwelt.

Stilsicher: Gesamtkunstwerk Baum

Güldener Baum, güldenes Bankkonto

Der stilsichere Schmücker ist das genaue Gegenteil des Kitsch-Schmückers, ein kunterbunter Baum käme ihm nicht ins Haus. Auch im Weihnachtsschmuck muss alles seine Ordnung haben und eine bestimmte Richtung erkennbar sein. Vielleicht bevorzugt er in diesem Jahr einen güldenen Baum - mit mundgeblasenen Glaskugeln von 1900 und von seiner Urgroßmutter gehäkelten Sternen. Der stilsichere Schmücker ist ein gepflegter und geschmacksbegabter Zeitgenosse, der morgens gerne länger im Bad braucht. Er ist eben nicht nur auf das Äußere seines Weihnachtsbaumes bedacht und scheut dabei weder Kosten noch Mühen.

Spontan: Mal so, mal so

Der Spontan-Schmücker weiß vorher nie, was da bald in seiner Wohnung stehen wird. Am 24. Dezember fängt er einfach an zu schmücken, mal sehen, was er zuhause hat - mal sehen, was daraus wird. Der spontane Schmücker ist ein Kind unserer Zeit: Ein Mensch ohne Vorurteile, flexibel und offen für alles. Mal silbern, mal bunt - je nach Lust und Laune - Hauptsache jedes Jahr anders. Dieser Schmücker liebt die Abwechslung - und ist eher männlich als weiblich.

Pragmatisch: Kühler Kopf, kühler Baum

Wenn es anderen warm ums Herz wird, behält der rationale Schmücker einen kühlen Kopf. Die Sinne kann der Weihrauch jemand anderem vernebeln, ihm nicht. Weihnachtsstimmung nur im Schein echter Bienenwachskerzen? "Vergiss es", sagt er, "willst du deswegen die Versicherung erhöhen?" Der pragmatische Schmücker lässt sich allein von rationalen Überlegungen leiten. Man muss eben auch am Fest der Freude an alle möglichen Unannehmlichkeiten denken. Sie könnten schließlich auftreten.

Hedonistisch: Schokolade und Zuckerwerk

Süßkram: ein Hedonist

Schokoladennikoläuse, -ringe, -sterne und -engel, Zuckerstangen und Bonbons - vom Baum des Süßkram-Schmückers bekommt man schon vom Anschauen Zahnschmerzen und Bauchgrimmen. Der Süßkram-Schmücker ist ein barocker Mensch, der dem Weihnachtsfest nicht nur inneren Frieden abgewinnen will - sondern auch körperlichen Genuss. Doch weil ihm sein offen zur Schau gestellter Hedonismus selbst ein wenig unangenehm ist, schiebt er die Schuld gern auf andere: "Für die Kinder" oder "Für die Enkel", sagt er dann und zwinkert. Bevor die kommen, hat er allerdings schon längst die ersten Teile vom Baum stibitzt.

Raffiniert: Kluge Kombinationen

Der raffinierte Schmücker ist sein ganzes Leben lang auf der Suche nach Perfektion. Jahrzehntelang hat er an seiner Schmück-Technik gefeilt. Die beste Erfahrung hat er mit einer Kombination aus elektrischen und echten Kerzen gemacht. Die schönen echten der Zierde wegen nach vorne, die unechten der Sicherheit halber nach hinten. Die elektrischen Glühbirnen können den Baum dann sogar nachts ins rechte Licht rücken - und die Nachbarn bleich werden lassen.

Der Banause: Ausklappbare Plastiktanne

"Plastik, steckbar": ein liebenswürdiger Witzbold

Der Banause unter den Schmückern stellt einfach irgendetwas auf - und auch nur, wenn er Besuch erwartet. Dann wird er plötzlich aktiv, fetzt in den Keller und kramt das Modell "Man-kann-ihn-auch-ausklappen-Plastikbaum-in-klein" hervor. Mit Schnickschnack hat der Banause nicht viel am Hut. Dafür kann er improvisieren, ist praktisch veranlagt, witzig und meistens äußerst liebenswürdig. Er macht sich eben nur nichts aus echten Weihnachtsbäumen.

Der Muffel: Gar kein Baum

Weihnachtsbäume sind teuer, sie nadeln, sind schwer zu transportieren und müssen erst aufwändig behängt und dann wieder abgehängt werden. Christbaummuffel können auf jegliche Strapazen gut verzichten - und lassen auch den Baum lieber bei anderen nadeln. "Die Schwiegereltern haben ja einen", sagt er und zuckt gleichgültig die Schultern. Vorsicht: Der Christbaummuffel lässt sich nur schwer überzeugen. Was er dafür besonders gut kann: anderen die Stimmung verderben.


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