Wissen - Sternenhimmel


426

Meteore im Januar Mond anheulen statt Sternschnuppen zählen

Gleich zu Jahresbeginn funkelt einer der schönsten Sternschnuppen-Regen des ganzen Jahres am Firmament: die Quadrantiden. Leider schaut sich das in diesem Jahr auch der Mond genau an und verdirbt uns das Vergnügen gründlich.

Von: Heike Westram

Stand: 02.01.2018

Kaum ist das Silvesterfeuerwerk vorbei, sorgt der Himmel selbst für ein Funkeln: Sternschnuppen blitzen auf! Einer der schönsten Meteor-Schauer des ganzen Jahres erreicht gleich zu Jahresbeginn seinen Höhepunkt: die Quadrantiden. Dieser Sternschnuppen-Regen ist bei uns eher unbekannt, aber sehr zu Unrecht.

Erster Meteorschauer des Jahres: die Quadrantiden

Sternschnuppe

Die Quadrantiden verpasst man leicht, denn der Höhepunkt des Meteor-Schauers am 3. Januar ist kurz und heftig: Bis zu 120 Sternschnuppen flitzen pro Stunde über den Nachthimmel, aber nur wenige Stunden lang. Leider wird uns in diesem Jahr das Schauspiel gründlich verdorben: Nur einen Tag nach Vollmond überstrahlt der Mond die ganze Nacht lang die zarten Quadrantiden-Meteore.

Wenn Sie dennoch Ihr Glück versuchen wollen, sollten Sie das Mondlicht möglichst ausblenden, etwa durch eine Mauer oder Hauswand. Nicht ganz einfach, denn die fast volle Mondscheibe steht bis in die Morgenstunden hoch am Himmel, keine Vierteldrehung entfernt von dort, wo die Sternschnuppen herzukommen scheinen.

Hier finden Sie die Sternschnuppen

Wo die Quadrantiden herkommen

Der Radiant der Quadrantiden, der scheinbare Ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen, liegt nahe des Deichselsterns vom Großen Wagen, im äußersten Eck des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Benannt sind die Quadrantiden nach dem einstigen Sternbild Mauerquadrant, das heute Teil des Bärenhüters ist.

Scheinbarer Ausstrahlungspunkt

Abends um halb sieben Uhr, wenn der Himmel nachtschwarz wird, steht der Ausstrahlungspunkt des Meteor-Schauers leider sehr nah am Horizont, fast an seinem Tiefstpunkt im Norden. Dadurch schluckt die Dunstschicht am Horizont die meisten der Quadrantiden. Denn die oft bläulich leuchtenden Sternschnuppen sind nur etwa so hell wie Sterne zweiter Größenklasse und daher etwas unauffällig. So früh werden Sie nur etwa jede fünfte oder sechste Sternschnuppe entdecken.

Sternschnuppen-Infos

Wie viel Sie sehen

Die maximalen Fallraten, in Fachliteratur als ZHR angegeben, sind eine theoretische Größe. Die könnten Sie dann sehen, wenn der Radiant eines Meteorschauers senkrecht über Ihnen im Zenit wäre. Ist er tiefer, sinkt die Zahl deutlich. 
Und: Etwa ein Drittel des Himmels können Sie mit dem Blick umfassen. Sternschnuppen außerhalb dieses Drittels entgehen Ihnen.

Was sind Sternschnuppen?

Kreuzt die Erde eine alte Schweifspur eines Kometen, bringen deren winzige Staubteilchen beim Eintritt die Erdatmosphäre zum Glühen: Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit regen die Teilchen die Atome unserer Atmosphäre zum Leuchten an. Was Sie am Nachthimmel aufblitzen sehen, ist also meist nicht das Teilchen selbst, sondern nur ein "Leuchtkanal" - die Bewegungsspur der Sternschnuppe. Auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne begegnet die Erde immer wieder den gleichen Kometenspuren, daher treten viele Meteor-Schwärme periodisch zum gleichen Datum auf.

Meteor oder Meteorit?

Ein Meteor ist der Lichtstrahl, der entsteht, wenn ein Himmelskörper in die Erdatmosphäre eintritt und mit seiner kinetischen Energie deren Atome zum Leuchten anregt. Das Wort stammt vom griechischen metéōron ab, der "Himmelserscheinung". Den eintretenden Körper, der diese Leuchterscheinung verursacht, nennt man Meteoroid (gelegentlich auch Meteorid). Als Meteoriten werden die Bruchstücke bezeichnet, die tatsächlich am Erdboden anlangen.
Sternschnuppen werden von Körpern verursacht, die so klein sind (zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter), dass sie vollständig in der Erdatmosphäre verglühen. Wir nehmen nur deren Lichtstrahl wahr: Meteore.

Beste Zeit für die Quadrantiden

Erst gegen Mitternacht zieht der Bärenhüter allmählich hoch genug über den Horizont im Nordosten. Das wäre in diesem Jahr günstig, denn der Höhepunkt ist für elf Uhr abends prognostiziert.

Wirklich ideal für die Quadrantiden wären erst die Morgenstunden. Wenn es gegen halb sieben Uhr merklich dämmert, hat der Radiant beinahe seine höchste Position im Süden erreicht und steht fast im Zenit - dann könnten Sie die meisten der Sternschnuppen, die gerade unterwegs sind, auch wirklich sehen. Am 4. Januar 2018 liegt um diese Uhrzeit allerdings der Höhepunkt der Quadrantiden schon acht Stunden zurück und die Meteor-Fallrate ist deutlich gesunken. Dafür lässt sich morgens das Mondlicht leichter abblenden, weil der Mond dann tiefer im Westen steht.

Spuren eines zerborstenen Kometen

Lange wusste man nicht, woher die Quadrantiden stammen. Welcher Kometenschweif hat sie im All hinterlassen? Keiner der bekannten Kometen kommt dafür infrage. Doch ein im Jahr 1490 beobachteter Schweifstern, C/1490 Y1, könnte ihr Mutterkörper sein. Dieser Komet ist im gleichen Jahr noch zerborsten. Der Asteroid 2003 EH1 ist vermutlich einer der Kometenreste. Seine Flugbahn stimmt mit den Quadrantiden überein. 500 Jahre alte Bruchstücke eines ganzen Kometen würden erklären, warum die Quadrantiden hundert- bis tausendmal mehr Masse haben als andere Meteorschwärme, die nur aus Schweifrückständen stammen.

Tipps zum Fotografieren von Sternschnuppen

Zeit, Geduld & Übung

Sternschnuppen sind mit 35 bis 70 km/s ausgesprochen schnelle Objekte und daher schwer zu fotografieren. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen.

Ausrüstung

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr aus der Hand machen können.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder den Selbstauslöser), um die Bilder nicht zu verwackeln.
  • Sie benötigen eine Kamera, bei der Sie den Blitz ausschalten und Belichtungszeiten manuell einstellen können.
  • Benutzen Sie ein Objektiv mit möglichst kurzer Brennweite (Weitwinkel).

... und dann Licht, Licht, Licht

Sternschnuppen sind ausgesprochen lichtschwach. Um sie überhaupt abzulichten, hilft nur eins: So viel Licht wie möglich muss auf den Film! Die übrigen Objekte wie Bäume, Sterne etc. werden Sie damit überbelichten, allerdings sollte der Himmel dabei nicht allzu hell werden.

  • lange Belichtungszeiten wählen (bis zu 3 Minuten und mehr!)
  • Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl)
  • hohe ISO-Werte einstellen

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


426