Wissen - Sternenhimmel


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Meteore im November Wann Sternschnuppen funkeln

Hoffen Sie auf wolkenfreie Nächte im November, denn es gibt viele Sternschnuppen zu zählen. Einer der schönsten Meteorströme des ganzen Jahres ist aktiv! Wir zeigen Ihnen, wann und wo Sie die meisten Schnuppen finden.

Von: Heike Westram

Stand: 30.10.2017

Im November sind drei größere Meteor-Schwärme aktiv, darunter einer, der für ein wahres Feuerwerk sorgen kann. In den ersten Novembernächten stört zwar der Mond, doch die Höhepunkte der Nördlichen Tauriden wie der Leoniden gönnt er uns. Etwa ab dem 7. November geht es langsam los - ab da steigen Ihre Chancen auf Sternschnuppen. Und darunter sind ein paar besondere.

Die letzten Orioniden

Sternschnuppen sind schnell

Zu Monatsbeginn wären eigentlich noch einzelne Orioniden zu sehen. Der Höhepunkt des Meteor-Schwarms war bereits im Oktober, doch bis zum 7. November funkt es immer wieder. Leider verdirbt uns in diesem Jahr der Mond das Vergnügen: Am 3. November ist Vollmond. Die Nächte davor bleibt Ihnen ein sehr kurzes Zeitfenster am frühen Morgen zwischen Monduntergang und dem Beginn der Morgendämmerung. Doch die folgenden Nächte versinken die Sternschnuppen völlig im Mondlicht.

Die Orioniden scheinen aus dem Sternbild Orion zu kommen, das sich ab zehn Uhr abends im Osten zeigt und bis in die Morgenstunden zu sehen ist. In Wirklichkeit stammen die Orioniden vom Schweif des Halleyschen Kometen. Die Sternschnuppen flitzen mit erstaunlichen sechzig Kilometern pro Sekunde über den Himmel.

Tauriden, die Stier-Sternschnuppen

Zwei Ströme aus dem Stier

In der ersten November-Hälfte kommen auch die Tauriden zu Besuch: Zwei Meteorströme, die viele Nächte lang für ein leises Funkeln sorgen. Die ersten Nächte im November, rund um Vollmond, werden uns gründlich vom hellen Mondlicht verdorben. Doch ab dem 7. November öffnet sich ein immer größeres Zeitfenster für die Sternschnuppen.

Ursprünglich waren die Tauriden ein einziger Schwarm, Schweifspuren des Kometen 2P/Encke. Doch Jupiters starke Gravitation hat die Schweifspuren so weit auseinandergezogen, dass man heute die Nördlichen von den Südlichen Tauriden unterscheidet.
Für den Otto-Normal-Sternschnuppenzähler ist das egal: Beide Schwärme sind zur gleichen Zeit in der gleichen Himmelsregion unterwegs.

Ihre Radianten, die scheinbaren Ausstrahlungspunkte, liegen im Sternbild Stier (Taurus), das bereits gegen sieben Uhr abends im Osten aufgeht. Gegen Mitternacht stehen beide Radianten hoch am Himmel - dann können Sie die meisten Meteore entdecken.

Mond lässt Nacht für Nacht mehr Chancen

Am 7. November erscheint der noch sehr volle Mond gegen neun Uhr abends - das lässt Ihnen immerhin schon zwei Stunden Zeit, davor nach Tauriden-Sternschnuppen zu gucken. Und dieses Zeitfenster wächst schnell an, da der Mond allabendlich über eine Stunde später erscheint. Ab dem 11. November stört sein Licht erst nach Mitternacht.

Langer Höhepunkt der Meteorschauer

Scheinbarer Ausstrahlungspunkt

Beide Ströme sind seit Anfang Oktober aktiv. Die Südlichen Tauriden hatten schon im Oktober ihren Höhepunkt. Doch das Funkeln hört nicht auf: Nacht für Nacht sind Sternschnuppen zu sehen, durchschnittlich fünf pro Stunde - und es werden langsam mehr. Die Tauriden haben ein sogenanntes "flaches Maximum": Etwa zehn Tage lang, bis Mitte November, haben sie eine deutlich erhöhte Aktivität. Zum eigentlichen Höhepunkt der Nördlichen Tauriden am 14. November können bis zu zwanzig Sternschnuppen pro Stunde unterwegs sein. Und das können Sie dann völlig ungetrübt vom Mond genießen, der erst gegen vier Uhr morgens über dem Horizont erscheint.

Manchmal viele Leuchtkugeln

Die Tauriden kommen zwar sehr vereinzelt, doch mit sehenswerten Sternschnuppen. Denn sie haben manchmal große Leuchtkugeln im Gepäck, sogenannte Boliden. In manchen Jahren überraschen sie mit einer hohen Zahl an besonders hellen, auffälligen Feuerbällen, die mehrere Tage lang auftreten - zuletzt im Jahr 2005.

Ein Bolide

Die Tauriden sind sehr helle und mit rund dreißig Kilometern pro Sekunde langsame Schnuppen - ideal zum Fotografieren. Bis Dezember werden Sie immer wieder vereinzelte Tauriden sehen.

Tipps zum Fotografieren von Sternschnuppen

Zeit, Geduld & Übung

Sternschnuppen sind mit 35 bis 70 km/s ausgesprochen schnelle Objekte und daher schwer zu fotografieren. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen.

Ausrüstung

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr aus der Hand machen können.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder den Selbstauslöser), um die Bilder nicht zu verwackeln.
  • Sie benötigen eine Kamera, bei der Sie den Blitz ausschalten und Belichtungszeiten manuell einstellen können.
  • Benutzen Sie ein Objektiv mit möglichst kurzer Brennweite (Weitwinkel).

... und dann Licht, Licht, Licht

Sternschnuppen sind ausgesprochen lichtschwach. Um sie überhaupt abzulichten, hilft nur eins: So viel Licht wie möglich muss auf den Film! Die übrigen Objekte wie Bäume, Sterne etc. werden Sie damit überbelichten, allerdings sollte der Himmel dabei nicht allzu hell werden.

  • lange Belichtungszeiten wählen (bis zu 3 Minuten und mehr!)
  • Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl)
  • hohe ISO-Werte einstellen

Sternschnuppen-Jagd auf die Leoniden ab dem 6. November

Alter Kometendreck

Am 6. November beginnt das eigentliche Schnuppen-Highlight: Bis zum 30. November sind die Leoniden aktiv, die in manchen Jahren sensationelle Schauer hervorbringen. Ihren Namen tragen die Sternschnuppen, weil sie aus dem Löwen (Leo) zu entströmen scheinen, der nach elf Uhr abends im Osten aufgeht. Eigentlich stammen sie aber vom Kometen 55P/Temple-Tuttle, der alle 33 Jahre um die Sonne kreist.

Manches Jahr Tausende Schnuppen

1998: ein wahrer Sternschnuppen-Sturm

Ist die Schweifspur des Kometen frisch, werden die Leoniden zu einem der schönsten Schauer des Jahres: Hunderte, ja bis zu Tausende der winzigen Schnuppen können dann pro Stunde herabregnen. 1998 war der Komet zuletzt der Sonne nah, in den Jahren von 1994 bis 2003 waren die Leoniden dadurch spektakulär. Doch 55P/Temple-Tuttle wird leider erst 2031 wieder bei der Sonne auftauchen. Daher ist für die Leoniden in diesem Jahr kein besonderes Schauspiel vorhergesagt. In "normalen" Jahren wie diesem regnet es immerhin zehn bis zwanzig Sternschnuppen pro Stunde. Und dieser Meteor-Strom ist so variabel - genau weiß man's nie. Sie müssen schnell schauen, um die Leoniden zu zählen, denn mit siebzig Kilometern pro Sekunde (250.000 Kilometern pro Stunde) sind sie sehr schnelle Sternschnuppen.

Höhepunkt vom Mond verdorben

Hier liegt der Radiant der Leoniden

Abends am 16. November könnte es einen ersten Vorschauer der Leoniden geben: Die Erde kreuzt eine alte Schweifspur, die der Mutterkomet im Jahr 1300 hinterlassen hat. Diese Staubspur ist zwar dünn, könnte uns aber zehn Sternschnuppen pro Stunde bringen. Leider wäre der beste Zeitpunkt sechs Uhr abends - da ist der Löwe mit dem Radianten der Leoniden bei uns noch nicht aufgegangen. Für uns steht der Radiant erst gegen Mitternacht und danach günstig. Mal sehen, wie viele Sternschnuppen dann noch flitzen.

Blick auf den Leoniden-Radianten

Abends am 17. November haben die Leoniden dann ihren klassischen Höhepunkt. Weil sich der Sternschnuppenregen aus vielen alten Kometenspuren zusammensetzt, ist der genaue Zeitpunkt immer schwer vorherzusagen. Gegen halb sechs Uhr wird das Haupt-Maximum vermutet. Die Uhrzeiten sind in diesem Jahr ungünstig, doch dafür stört dieses Mal der Mond kein bisschen: Es sind mondlose Nächte, denn am 17. November ist Neumond.

Sternschnuppen-Infos

Wie viel Sie sehen

Die maximalen Fallraten, in Fachliteratur als ZHR angegeben, sind eine theoretische Größe. Die könnten Sie dann sehen, wenn der Radiant eines Meteorschauers senkrecht über Ihnen im Zenit wäre. Ist er tiefer, sinkt die Zahl deutlich. 
Und: Etwa ein Drittel des Himmels können Sie mit dem Blick umfassen. Sternschnuppen außerhalb dieses Drittels entgehen Ihnen.

Was sind Sternschnuppen?

Kreuzt die Erde eine alte Schweifspur eines Kometen, bringen deren winzige Staubteilchen beim Eintritt die Erdatmosphäre zum Glühen: Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit regen die Teilchen die Atome unserer Atmosphäre zum Leuchten an. Was Sie am Nachthimmel aufblitzen sehen, ist also meist nicht das Teilchen selbst, sondern nur ein "Leuchtkanal" - die Bewegungsspur der Sternschnuppe. Auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne begegnet die Erde immer wieder den gleichen Kometenspuren, daher treten viele Meteor-Schwärme periodisch zum gleichen Datum auf.

Meteor oder Meteorit?

Ein Meteor ist der Lichtstrahl, der entsteht, wenn ein Himmelskörper in die Erdatmosphäre eintritt und mit seiner kinetischen Energie deren Atome zum Leuchten anregt. Das Wort stammt vom griechischen metéōron ab, der "Himmelserscheinung". Den eintretenden Körper, der diese Leuchterscheinung verursacht, nennt man Meteoroid (gelegentlich auch Meteorid). Als Meteoriten werden die Bruchstücke bezeichnet, die tatsächlich am Erdboden anlangen.
Sternschnuppen werden von Körpern verursacht, die so klein sind (zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter), dass sie vollständig in der Erdatmosphäre verglühen. Wir nehmen nur deren Lichtstrahl wahr: Meteore.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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