TV & Serie // The Deuce Die Erfindung des Pornos

Porno, Sex und Kapitalismus – das sind die Zutaten für eine der besten Serien des Jahres. "The Wire"-Erfinder David Simon zieht uns in die New Yorker Unterwelt der 70er Jahre und hat sich dafür unter anderem James Franco geangelt.

Von: Christian Alt

Stand: 13.09.2017 | Archiv

Szenen aus der Serie The Deuce | Bild: Sky Atlantic

Beim Times Square in New York haben wir alle dieselben Bilder im Kopf: große Leuchttafeln mit riesiger Werbung, dampfende Kanaldeckel, gelbe Taxis, tausende Menschen, die über die Straße hetzen, um am berühmten Broadway ein Musical zu sehen. Woran niemand denkt: Nutten, Stricher und billige Puffs. Aber genauso sah der Times Square lange aus. Er war die Reeperbahn New Yorks, bis tief die 80er Jahre gab es dort gegen Geld einfach alles. Ein perfekter Ort also, um hier eine Serie spielen zu lassen. 

Am Times Square arbeitet die Prostituierte Candy, gespielt von einer tollen Maggie Gyllenhall. Prostitution ist für sie ein Geschäft, sie will mit ihrem Körper Kasse machen. Einen Zuhälter hat sie nicht, auch wenn das ihre Kolleginnen kaum glauben können.

Candy ist eine ambitionierte Ich-AG. In Europa gibt es seit einiger Zeit eine neue Filmgattung, den Porno. Gemeinsam mit anderen Gestalten vom Times Square will sie dieses neue Genre auch in Amerika berühmt machen. Treffpunkt für Candy und alle anderen im Mikrokosmos Times Square ist die Bar von Vincent Martino, gespielt von James Franco. Der will sich mit der Bar gerade ein neues Leben aufbauen.

Porno? - Kapitalismus, Baby

Serienerfinder David Simon hat in seiner Karriere bisher nur die ganz großen Themen angefasst. In "The Wire" ging es um den Drogenkrieg in Baltimore und das Scheitern der Drogenpolitik. Jetzt also Porno als Thema? Nein, das wäre für David Simon zu platt. In "The Deuce" geht es nicht um Fickificki, sondern um - Trommelwirbel - den Kapitalismus. David Simon zeigt Sex als gnadenloses Geschäft. Gefühle sind egal, so lange es Dollar-Scheine regnet.

Und genau wie in all seinen Serien zuvor, sucht sich David Simon dafür eine Petri-Schale - einen Ort, wo alles zusammenläuft. Das ist der grindige Times Square der 70er. Dort verfolgen wir nämlich nicht nur Candy, sondern jeder Menge anderer Figuren. Zum Beispiel der schwarzen Prosituierten Darlene, der Studentin Abby, die wie eine Motte magisch vom Nachtleben angezogen wird, und dem Bar-Mann Vincent Martino. Dann wäre da noch Vincents Zwillingsbruder Frankie, der sein Leben nicht auf die Kette kriegt. Auch der wird natürlich von James Franco gespielt.

Eine der besten Serien des Jahres

Dass James Franco nicht nur Vince, sondern auch seinen eineiigen Zwilling Frankie spielt, könnte auch eine Metapher für die Serien von David Simon sein. Lieber zu viel als zu wenig, lieber zwei James Francos als einen. Lieber ein komplettes Stadtpanorama zeichnen, als nur eine Hauptfigur zu haben. Aber Simon schafft es schon wieder eine perfekte Serie abzuliefern: herzerwärmend, tragisch, komisch, schlau. Die Serienwelt von "The Deuce" ist so detailverliebt, so liebevoll geschrieben und gebaut. Man glaubt fast, die 70er durch den Bildschirm atmen zu hören.

"The Deuce" ist mit dem Sky Ticket abrufbar.

Sendung: Hochfahren, 13. September 2017 - ab 7 Uhr

Schlagworte:
serie
tv & serien