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"Deutschland '83" und die Folgen Klappt's jetzt endlich mit den deutschen Serien?

Was läuft schief bei deutschen Serien? Was muss sich ändern, damit der Durchbruch endlich kommt? Wir haben den Macher von "Deutschland ’83" dazu befragt - und erste Lichtblicke in der deutschen Serienlandschaft ausfindig gemacht.

Von: Teresa Reiß

Stand: 28.01.2016 | Archiv

Szene aus der Serie "Deutschland '83" | Bild: RTL

Letzten November hat RTL ein Mega-Serienevent angekündigt: "Deutschland '83". In acht Folgen hat man das Leben von Martin Rauch, einem jungen Grenzsoldat aus der DDR, verfolgen können. Er wurde ausgewählt, um für die DDR den Westen auszuspionieren. Eine interessante Geschichte, spannend erzählt, die Serie lief im TV aber unter allen Erwartungen. So sieht das leider immer noch sehr oft in der deutschen Serienlandschaft aus. Wir haben mit Jörg Winger, der "Deutschland '83" gemeinsam mit seiner Frau Anna Winger entwickelt und produziert hat, darüber gesprochen, was sich jetzt ändern muss.

PULS: "Deutschland '83" wurde von den Kritikern weltweit gefeiert und auch ins Ausland verkauft. Warum lief die Serien in Deutschland trotzdem nicht gut?

Jörg Winger: Ich glaube, da gibt es mehrere Antworten. Die Serie lief unterhalb der Erwartungen bei RTL, das ist richtig. Da haben wir uns alle mehr erwartet. Wir leben allerdings im Jahr 2016 und wissen im Prinzip gar nicht, wie viele Leute die Serie in Deutschland gesehen haben. Es ist ja nicht mehr wie noch vor fünf Jahren, dass man etwas auf einem Sendeplatz zeigt und am nächsten Morgen mehr oder weniger feststellen kann, wie viele Leute die Sendung gesehen haben. Heute können Leute, die vielleicht die erste Folge noch bei RTL gesehen haben, die nächsten Folgen bei Amazon oder iTunes gucken, auf DVD schauen, illegal im Netz streamen oder sogar downloaden. Das heißt, es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Möglichkeiten. Wir wissen immer noch nicht genau, wie wir die Zuschauer am Schluss addieren sollen. Aber wir wissen, dass viel mehr Leute "Deutschland '83" in Deutschland gesehen haben als die RTL-Quoten sagen.

Wird überhaupt noch an Einschaltquoten gemessen, ob eine Produktion erfolgreich ist oder nicht?

Nein, nicht mehr ausschließlich. Es sind sich alle bewusst, dass es nicht nur zusätzliche Zuschauer sind, die über andere Kanäle an "Deutschland '83" kommen, sondern auch zusätzliche Einnahmequellen. Jeder iTunes-Zuschauer bezahlt, genauso bei Amazon - RTLnow ist kostenlos, dafür schaut man Werbung. Wir sind da inmitten einer Zeitenwende im Fernsehen. Der Erfolg einer Serie wird sich in Zukunft nicht mehr ausschließlich anhand der Quote messen lassen.

Im Ausland ist "Deutschland '83" ein großer Erfolg, obwohl man auch dort nicht mehr nur linear fernsieht. Woran liegt das?

Es ist schon so, dass zum Beispiel bei Channel 4 in Großbritannien andere Maße gelten. Dort werden die "Live + 7"-Zahlen gezählt. Das ist in England und in den USA schon sehr verbreitet. Das heißt, sie gucken sich an, wie viele Leute die Folge am ersten Abend geschaut haben und addieren dann alle, die innerhalb der nächsten sieben Tage über diverse Plattformen des Senders dazukommen. Bei Channel 4 kamen zum Beispiel nochmal 70 Prozent zur allerersten Overnight-Quote dazu. Da sind die neuen Sehbedürfnisse der Zuschauer, die selbst entscheiden wollen, wann und wie sie eine Serie konsumieren, schon viel besser berücksichtigt.

Man kann Zahlen in Deutschland und im Ausland also noch gar nicht wirklich vergleichen?

Man kann die Zahlen nur bedingt vergleichen. Wobei man sagen muss, dass "Deutschland '83" die erste deutschsprachige Serie im englischen Fernsehen ist, genau wie im amerikanischen Fernsehen. Und in Großbritannien ist sie die erfolgreichste fremdsprachige Serie aller Zeiten. Der Sender ist also sehr glücklich.

Sind Serien überhaupt noch etwas für das normale Fernsehprogramm oder produziert man eigentlich nur noch für Streamingplattformen?

Jedesmal, wenn eine neue Technologie kommt, wird der Tod der alten Technologie ausgerufen. Das fing schon beim Theater an und hat sich dann bei Radio und Kino fortgesetzt. Wir stellen aber jedes Mal fest, dass es nur eine Ergänzung ist. Wir gehen heute auch noch ins Theater, die Leute hören auch noch Radio und die Leute werden auch noch Fernsehen schauen. Nur bestimmte Eigenarten des Fernsehens werden sich ändern. Ich glaube, dass wir in 20 Jahren amüsiert auf Zeiten zurückschauen werden, in denen man auf eine neue Lieblingsserie warten musste - auf einen bestimmten Tag und auf eine bestimmte Uhrzeit. Das passt auch nicht mehr zu den Lebensgewohnheiten der Zuschauer heute, die ja sehr flexibel sein müssen im Job und in der Familie. Die haben einfach nicht mehr so klar strukturierte Tage, dass sie sagen können: Ich bin garantiert am Donnerstag um 20.15 Uhr in meinem Sessel und schau mir das dann an.

Was hat sich in der deutschen Serienlandschaft in den letzten zwei bis drei Jahren schon positiv verändert?

Was für Anna und mich persönlich sehr wichtig war, ist, dass RTL uns die Chance gegeben hat, wirklich als Creator aufzutreten in dieser Serie. Wir hatten die kreative Freiheit, von der man sonst eher aus Skandinavien oder den USA hört. Diese Freiheit ist wichtig, damit Serien entstehen, die aus einem Guss sind und die eine klare kreative Vision haben. Die Skandinavier nennen das "One Vision". Dort gibt es eine klare Verabredung über die Sender, die Produzenten, die Macher hinweg, dass zum Schluss bei einer Serie der Creator zählt - auch Showrunner oder Writer/Producer genannt. In Deutschland haben wir immer noch das Problem, dass die Autoren einfach nicht die nötige Durchsetzungskraft haben. Das wird jetzt einzeln angegangen. Wir bei der UFA Fiction arbeiten gerade daran, dass wir Autoren in eine andere Position bringen, grade im Seriengeschäft. Das halte ich für einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg.

Was muss sich in Zukunft noch verändern?

Ich halte die Position des Pilotdrehbuchs noch für unterschätzt. Das Pilotdrehbuch ist eigentlich das wichtigste Element im Verkauf einer Serie. Man kann 50-seitige Konzeptpapiere schreiben als junger Autor und immer noch im Reich der Behauptung bleiben, während ein Pilotdrehbuch tatsächlich zeigt, wie die Serie aussehen wird. Daran kann man viel ablesen und damit kann man auch als Autor in eine gute Verhandlungsposition gegenüber Produzenten und Sendern kommen. Wenn wir möglichst viele tolle deutsche Serien in den nächsten Jahren sehen wollen, brauchen wir dieses veränderte Gefüge zwischen Produzent, Sender und Autor. Wir brauchen allerdings auch die Sendeplätze in den deutschen Fernsehsendern für diese Art von Premiumserie. Im Moment werden solche Serien oft in Sonderprogrammierungen untergebracht. Ich bin aber fest überzeugt, dass die Senderchefs der öffentlich-rechtlichen wie auch der privaten Sender darüber nachdenken, wie sie in Zukunft Premiumserien programmieren werden.

Was müssen deutsche Serien noch in puncto Marketing verbessern?

In Zukunft muss man sich fragen: Was tut man genau? Ich halte zum Beispiel die sozialen Medien wie Twitter und Facebook für extrem wichtig in der Empfehlungskultur und auch in der Aufmerksamkeitskultur, die wir mittlerweile auch in Deutschland haben. Von einer neuen Serie erfährt man in der Regel über Social Media. Poster hingegen haben nur eine sehr indirekte Wirkung auf den Einschaltimpuls. Die sind gut für das Image des Senders, führen aber nicht direkt dazu, dass die Leute zum Fernseher rennen und die Serie einschalten. Ich finde es auch wichtig, dass die Kreativen an den Kampagnen teilnehmen können, damit man das in der Tonalität fortführt, was die Serie repräsentiert.

Wird es eine zweite Staffel "Deutschland '83" geben?

Es wird wahrscheinlich eine zweite Staffel geben, aber es ist noch nicht sicher. Wir sind gerade in Gesprächen mit den verschiedenen Beteiligten und haben auf jeden Fall große Lust darauf.

Erste Lichtblicke in der deutschen Serienlandschaft

Tatortreiniger


Bjarne Mädel spielt den norddeutschen Gebäudereiniger Schotty, der sich auf Tatortreinigung spezialisiert hat. Klingt nach ekligen Bildern, ist aber eine Comedyserie. Schotty gerät in jeder Folge unfreiwillig in die bizarrsten Geschichten hinein und hat für jeden Zeugen, Täter oder Hinterbliebenen ein paar schräge, weise Worte.


Lichtblick: "Der Tatortreiniger" beweist, dass deutsche Comedy auch mit viel skurrilem Witz, guten Geschichten, originellen Dialogen und super Schauspielern geht.

"Der Tatortreiniger" läuft im NDR.

Deutschland ’83


Der 24-jährige DDR-Grenzsoldat Martin Rauch wird 1983 als Spion in den Westen geschickt, um bei der Bundeswehr NATO-Pläne auszuspionieren. Nicht ganz freiwillig nimmt er die Mission an und gerät zwischen die Fronten des Kalten Krieges und in Gewissenskonflikte zwischen der Familie im Osten und den Verlockungen des Westens.


Lichtblick: "Deutschland ’83" ist die erste deutsche Serie, die endlich diesen lang erhofften amerikanischen Serienflair aus Drama, Action und guter Story zu uns bringt.

"Deutschland ’83" läuft auf RTL.

Eichwald, MdB


Hajo Eichwald ist seit 30 Jahren Mitglied des deutschen Bundestags. Sein Job ist längst nur noch Routine. Weil durch einen jüngeren Kollegen sein Direktmandat gefährdet ist, kämpft er um sein Standing und tritt dabei in jedes mögliche Fettnäpfchen - nach Kräften unterstützt von Nachwuchsmitarbeitern, die ihn social-media-tauglich machen wollen.


Lichtblick: "Eichwald, MdB" glänzt mit beißendem Humor und Mut zu großem Fremdschämpotential - die erste wirklich gelungene Politsatire in der deutschen Serienlandschaft.

"Eichwald, MdB" läuft bei ZDFneo.

Weinberg


Die Hauptrolle in "Weinberg" spielt Friedrich Mücke, einen Namen hat seine Figur nicht. Er ist der Unbekannte, der ohne Erinnerung in einem Weinberg im Ahrtal aufwacht, neben ihm eine weibliche Leiche. Beim Versuch, das Rätsel aufzuklären, wird er in eine gruselige Paralleldimension hineingezogen, in der gelebt wird wie vor 100 Jahren.


Lichtblick: Eine Mystery-Serie, die durch Geschichte und Schauspieler überzeugt - und ja nicht gespoilert werden darf. "Weinberg" beweist, dass sich Experimente im deutschen Fernsehen lohnen.

"Weinberg" läuft auf TNT Serie.

Morgen hör ich auf


Jochen Lehmann steht kurz vor der Pleite. Seine Druckerei läuft nicht mehr, die Frau geht fremd und die Kinder sind voll in der Pubertät. Um wenigstens den Geldsorgen zu entkommen, druckt er heimlich Falschgeld. Dadurch rutscht er immer mehr in den Schlamassel - und das kann durchaus blutig ausgehen.


Lichtblick: "Morgen hör ich auf" hat Parallelen zu "Breaking Bad", entwickelt aber seine eigene Spannung und setzt Maßstäbe in Sachen deutsche Dramaserie. Und auch Bastian Pastewka funktioniert in "ernst".

"Morgen hör ich auf" läuft im ZDF.

Komm schon


Sex-Therapeutin Anette bekommt nicht mal ihre eigene Beziehung in den Griff. Dazu hat sie noch ihre Mutter und die Probleme ihrer Klienten am Hals - da ist einiges dabei: Vom Frotteur, der bei jeglicher Reibung erregt wird, bis zum Asperger-Syndrom. Anette will ihnen allen helfen und versinkt dabei selber im Chaos.


Lichtblick: Endlich eine Serie, bei der Sex nicht peinlich abgefertigt, sondern mit skurriler Komik verhandelt wird. "Komm schon" ist so boshaft witzig wie schon lang nichts mehr im deutschen Fernsehen.

"Komm schon" läuft bei ZDFneo.

Schlagworte:
fernsehen
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popshot.over-blog.de, Freitag, 29.Januar, 11:39 Uhr

1. Gerne fortsetzen

Hallo,
bei mir war es genau so, wie oben beschrieben: Zufällig dritte und vierte Folge im TV gesehen, alles weitere dann online.
Aufmerksam wurde ich übrigens davor eher durch die Auszeichnung beim Deutschen Fernsehpreis.
Und wird die Fortsetzung dann "Deutschland '84"?