Lehrstuhl sponsored by Lidl Welchen Einfluss Sponsoren an Unis haben können

Die Stiftung des Lidl-Gründers schenkt der TU München 20 Professuren für die Wirtschaftswissenschaften. Auch viele andere Unis bekommen Gelder von Stiftungen oder Unternehmen. Verändert so eine Zuwendung die Lehre?

Von: Katharina Kühn

Stand: 08.02.2018

Die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz schenkt der TU München 20 Professuren für Betriebswirtschaftslehre. | Bild: BR

Die Zeit der Studiengebühren ist in Bayern seit 2013 vorbei – das Problem, dass für Bildung zu wenig Geld da ist, bleibt. Also werden seit Jahren immer mehr Dritte um Geld für Unis und Hochschulen gebeten – oder deren Untersützung wird gerne angenommen: von Unternehmen, Stiftungen oder auch vom Bund. Uni-Mitarbeiter müssen sich längst nicht nur um ihre inhaltliche Forschung kümmern, sondern müssen kleine Vertreter ihrer Forschungsvorhaben sein und für sich werben.

Dass so ein Sponsoring schwierig sein kann, schreibt unter anderem die Initiative Hochschulwatch – ein Zusammenschluss von Transparency International, der Tageszeitung die taz und dem "Freien Zusammenschluss von Student*innenschaften" (FZS) – auf ihrer Website. Dort zeigen sie auch, welche Unis von wem Geld erhalten.

Hochschulwatch warnt davor, dass Sponsoren Einfluss nehmen könnten, ob bestimmte Forschungsergebnisse veröffentlicht werden. Oder, dass sie bei den gesponserten Wissenschaftlern einen indirekten Druck zu erzeugen, den Geldgebern genehme Forschung zu liefern. "Schließlich kann sich die gesamte Ausrichtung der Forschung nach den Interessen der Drittmittelgeber ausrichten, da andere Mittel oft nicht verfügbar sind", schreibt die Initiative.

Berechtigte Sorgen?

Klingt übertrieben? Ist aber nicht so weit hergeholt. Christian Kreiß, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Aalen, kennt diese Bedenken. Er hatte sich 2004 an der Hochschule München auf eine fünfjährige Professur für Coorperate Finance mit Schwerpunkt Investmentbanking beworben. Gestiftet wurde sie von einer Unternehmensberatung. Zwar wurde er tatsächlich ausgewählt, aber so richtig glücklich war er darüber nicht.

"Ich war so unruhig, dass ich dann die fünf Jahre lang ganz brav sein muss und nicht anecken darf. Ich war so unruhig, dass ich dachte: Nein, das will ich nicht. Da kann ich nicht sagen, was ich will. Letztendlich hab ich deshalb abgelehnt."

Christian Kreiß, Wirtschaftsprofessor

Dass seine Sorgen nicht unbedingt übertrieben waren, zeigt ein Beispiel aus Berlin: Die Humboldt-Uni und die TU Berlin hatten 2011 ganz schön Stress, als rausgekommen ist, dass sie für ein Finanzmathe-Institut eine Kooperation mit der Deutschen Bank am Laufen hatten und das Unternehmen praktisch mitbestimmen konnte, wer an dem Institut lehrt und welche Forschungsergebnisse veröffentlicht werden dürfen.

Freiwillige Selbstverpflichtung – reicht das?

Peter Frensch ist Vizepräsident der HU Berlin für Forschung und sagt, dass so eine Kooperation heute nicht mehr abgeschlossen werden würde. Denn vor fünf Jahren habe sich die Uni freiwillig verpflichtet, in jedem neuen Sponsorenvertrag auszuschließen, dass ein Dritter Einfluss auf die Forschung nimmt, die er unterstützt.

"Das ist nicht hinnehmbar, das haben wir seit dieser Zeit nie mehr getan und das würden wir auch in der Zukunft nie mehr tun. Im Gegenteil. Unsere neuen Verträge, die wir abschließen, enthalten alle einen glasklaren Passus, der sagt, dass es ausgeschlossen ist, dass der Förderer einen Einfluss auf das Forschungsgeschehen dieser geförderten Person hat."

Peter Frensch, Vizepräsident der HU Berlin für Forschung

Kritiker bemängeln Transparenz

Mittlerweile gibt es zwar viele solcher freiwilligen Verpflichtungen, die jeweiligen Hochschulgesetze oder eine Empfehlung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft – aber Kritikern geht das nicht weit wenug. Konstantin Korn vom FZS-Vorstand kritisiert zum Beispiel, dass nicht immer öffentlich wird, wer Geld gibt:

"Die, die Vereinbarungen mit den Hochschulen treffen, wollen teilweise gar nicht genannt werden als Geldgeber. Und dann fragt man sich, warum nicht? Wenn das alles mit rechten Dingen zugeht, warum wollen sie dann ungenannt bleiben?"

Konstantin Korn, Freier Zusammenschluss von Student*innenschaften

Christian Kreiß befürchtet, dass die Forschung sogar schon früher durch Sponsoren beeinflusst wird, wenn auch nicht beabsichtigt. Seiner Meinung nach bewerben sich von vornerein nämlich eher diejenigen auf eine Stiftungsprofessur, die dem Stifter auch positiv entgegen stehen. Und das würde dazu führen, dass die Endauswahl einseitig industrielastig wird und andere Forschungsrichtungen nicht berücksichtigt werden.

In einem sind sich Studierendenvertreter Konstantin Korn, Professor Christian Kreiß und Uni-Vizepräsident Peter Frensch auf jeden Fall einig: Ideal wäre, wenn die Unis genügend Geld von den Bundesländern hätten und gar nicht auf wirtschaftliche Hilfe angewiesen wären. Aber das bleibt wohl vorerst eine Wunschvorstellung.

Sendung: Filter, 08. Februar 2018, ab 15 Uhr.