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Gustav Hertz Pionier der Quantenphysik

Als er zusammen mit seinem Kollegen James Franck experimentierte, ahnte Gustav Hertz nicht, dass er dafür den Nobelpreis bekommen würde. Am 22. Juli 1887 wurde der Physiker geboren.

Stand: 21.07.2021 | Archiv

Physiker Gustav Hertz | Bild: picture-alliance/dpa

Gustav Hertz kam am 22. Juli 1887 in Hamburg zur Welt. Sein Onkel war Heinrich Hertz. Dieser entdeckte die elektromagnetischen Wellen und legte damit die Grundlagen für die drahtlose Telegraphie. Gustav Hertz studierte Physik und Mathematik in München, Göttingen und Berlin. Dort promovierte er auch und arbeitete danach als Assistent am Physikalischen Institut der Universität Berlin.

"Franck-Hertz-Versuch"

Eine gasgefüllte Röhre ist das Herzstück des Franck-Hertz-Versuchs.

Zusammen mit dem Physiker James Franck machte Hertz 1912 und 1913 Versuche, bei denen sie Gasatome mit Elektronen zusammenstoßen ließen. Mit diesem Experiment - heute als "Franck-Hertz-Versuch" bekannt - fanden sie heraus, dass Atome Energie nur in bestimmten Paketen aufnehmen und abgeben.

Gustav Hertz bekommt Nobelpreis rückwirkend

Die Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse erkannten die Forscher zunächst nicht. Diese wurden erst später zu einem wesentlichen Beleg für die Gültigkeit des Bohrschen Atommodells und der Quantentheorie. Franck und Hertz erhielten dafür 1926 den Nobelpreis für Physik, und zwar rückwirkend für das Jahr 1925. In jenem Jahr hatte das Nobelkomitee keinen Preis vergeben.

Hertz wird Opfer von Giftgasangriff

Fritz Haber erhielt 1919 den Nobelpreis für Chemie. Er war aber auch wesentlich für die Entwicklung der deutschen Giftgaswaffen verantwortlich.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, nahm Hertz als Offizier teil. 1915 kam er zur Spezialtruppe für Gaskampf, die unter der Leitung von Fritz Haber stand. Im gleichen Jahr wurde Hertz in Polen bei einem Gasangriff, der eigentlich den russischen Truppen gegolten hatte, schwer verwundet. Er verbrachte mehrere Monate in einem Lazarett, danach wurde er aus der Armee entlassen.

Die wissenschaftliche Karriere von Gustav Hertz

Gustav Hertz in jungen Jahren

Nach seiner Habilitation 1917 lehrte Hertz drei Jahre lang als Privatdozent an der Universität Berlin. 1920 ging er nach Holland. Dort arbeitete er fünf Jahre lang im Laboratorium der Glühlampenfabrik Philips in Eindhoven als wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1925 wurde er als ordentlicher Professor der Physik an die Universität Halle berufen. 1928 wechselte er in die gleiche Funktion an die Technische Hochschule (TH) Berlin-Charlottenburg. Dort übernahm er auch die Leitung des Physikalischen Instituts.

Gustav Hertz - Verdrängt von den Nazis

1934 trat Hertz von der Leitung des Physikalischen Instituts der TH Berlin zurück, weil er nicht die von Hitler geforderte Loyalitätserklärung unterschreiben wollte. Ab 1935 lehrte er auch nicht mehr an der Hochschule, da ihm wegen seiner jüdischen Vorfahren die Prüfungsberechtigung entzogen worden war. Die Siemens-Werke in Berlin übertrugen ihm daraufhin die Leitung ihres Forschungslaboratoriums II, wo er bis 1945 arbeitete.

Hertz wird Atomforscher für die Sowjetunion

Während des Krieges beschäftigte sich Hertz mit Atomforschung. Das ist einer der Gründe, warum ihn die Sowjets kurz nach der Eroberung Berlins ans Schwarze Meer brachten. Dort leitete er ein Forschungslabor, an dem viele weitere deutsche und sowjetische Spezialisten tätig waren. Sie arbeiteten dort unter anderem an der Trennung von Isotopen und der Anreicherung von Uran in industriellen Maßstab.

Hertz bekommt einzigen Nobelpreisträger der DDR

James Franck und Gustav Hertz bei der Nobelpreistagung in Lindau im Jahr 1962

1954 kehrte Hertz in die DDR zurück. Bis 1961 hatte er dort einen Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Leipziger Universität inne und leitete das dortige physikalische Institut. In Ost und West genoss der stille, bescheidene Gelehrte höchstes Ansehen und wurde mit Ehrungen überhäuft. Viele Jahre war er auf den Nobelpreisträgertagungen in Lindau der einzige Gast aus der DDR, denn er war der einzige Nobelpreisträger des Staates. Am 30. Oktober 1975 starb Hertz im Alter von 88 Jahren in Berlin. Bestattet wurde er auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg im Familiengrab, wo auch sein Onkel Heinrich begraben liegt.


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