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NASA nimmt 3200 Phaeton unter die Lupe Rätselhafter Asteroid im Dezember der Erde nah

Am 16. Dezember kommt der Asteroid 3200 Phaeton der Erde so nah, dass die NASA ihn genau unter die Lupe nehmen kann. Eine Gefahr für uns stellt der Asteroid nicht dar - aber er wirft manches Rätsel auf. War er einst ein Komet?

Stand: 14.12.2017

Illustration des Asteroiden 3200 Phaeton. Der rund 5 Kilometer im Durchmesser große Asteroid stellt Forscher vor ein Rätsel: Er scheint wie ein Komet Quelle der Geminiden-Sternschnuppen zu sein und hinterlässt gelegentlich eine Spur aus Gesteinsmaterial im All. Auch seine Flugbahn gleicht eher einem Kometen. Ist 3200 Phaeton ein ausgebrannter Kometenkern? | Bild: NASA/JPL-Caltech

Seit über dreißig Jahren ist 3200 Phaeton den Astronomen bekannt: Am 11. Oktober 1983 wurde der Asteroid entdeckt. Doch seither stellt er die Forscher vor Rätsel, denn der Asteroid benimmt sich in mancher Hinsicht so gar nicht, wie es sich für Asteroiden gehört.

Fünf Kilometer große Kugel

Von seinem Äußeren her ist 3200 Phaeton nicht besonders auffällig. Der Gesteinsbrocken misst etwa fünf Kilometer im Durchmesser, ist also ein eher kleiner Himmelskörper. Unter den bislang bekannten erdnahen Asteroiden, die potenziell eine Gefahr für uns auf der Erde darstellen könnten, ist 3200 Phaeton allerdings der drittgrößte. Er ist - anders als der kürzlich entdeckte zigarrenförmige interstellare Asteroid Oumuamua - recht kugelförmig, an den Polen wohl etwas abgeplattet. Kein Wunder, denn 3200 Phaeton rotiert alle 3,6 Stunden einmal um seine Achse.

Asteroid auf Abwegen

Der Sonnen-Sohn Phaeton

Was diesen Asteroiden für die Astronomie so interessant macht, ist zum Einen seine merkwürdige Bahn: Anders als bei Planeten und einem Großteil der Asteroiden, die auf mehr oder weniger kreisrunden Bahnen um die Sonne kreisen, ist die Umlaufbahn von 3200 Phaeton sehr exzentrisch, das heißt elliptisch. Sein sonnenfernster Punkt liegt außerhalb der Umlaufbahn unseres äußeren Nachbarn Mars, sein sonnennächster Punkt (das Perihel) ist dagegen extrem dicht bei der Sonne: Auf rund zwanzig Millionen Kilometer (0,14 Astronomische Einheiten AE) nähert er sich unserem zentralen Gestirn - doppelt so nah wie der innerste Planet Merkur. Und das alle 1,4 Jahre. Das brachte dem Asteroiden seinen Beinamen "Phaeton" ein - Sohn des griechischen Sonnengottes Helios.

3200 Phaeton - Quelle der Geminiden-Sternschnuppen?

Sternschnuppen von einem Asteroiden?

Aber es gibt noch einen Grund, warum Forscher seit über dreißig Jahren auf 3200 Phaeton achten. Seine Umlaufbahn passt sehr genau zur Umlaufbahn eines Meteorstroms: den Geminiden-Sternschnuppen, die jeden Dezember übers Firmament flitzen. Astronomen vermuten, der Asteroid könnte der Mutterkörper für diese Sternschnuppen (Meteore) sein. Normalerweise bringen Asteroiden jedoch keine Sternschnuppen hervor. Die stammen aus dem lockeren, nur von Eis verbackenem Staub der Kometen, der sich bei jeder Runde um die Sonne im strahlenden Schweif löst und als "Dreckspur" im All zurückbleibt.

Asteroid mit Ausbrüchen

Auch 3200 Phaeton ist, wie es sich für einen Asteroiden gehört, ein Körper mit fester, steinerner Oberfläche - kein gutes Sternschnuppen-Material. Seine exzentrische Umlaufbahn aber ist eher kometenhaft und untypisch für einen Asteroiden. Und es wurde inzwischen auch beobachtet, dass 3200 Phaeton hin und wieder aktiv ist: Gelegentlich kommt es bei dem Asteroiden zu Ausbrüchen, bei denen kleine Partikel frei werden.

Der Sonne zu nah?

Vielleicht ist 3200 Phaeton ein ausgebrannter Kometenkern und der Meteorstrom der Geminiden stammt aus alten, aktiven Zeiten des ehemaligen Kometen. Das ist eine Vermutung unter Forschern. Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass dem Asteroiden seine häufige und große Sonnennähe gar nicht bekommt: Es könnte sein, dass die große Gravitationskraft der Sonne 3200 Phaeton so stark durchwalkt, dass sie den kleinen Gesteinskörper langsam schreddert.

3200 Phaeton im Dezember der Erde nah

Ein paar Rätsel um den Asteroiden 3200 Phaeton hofft die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA demnächst zu lösen, denn sie kann bald einen recht genauen Blick auf ihn werfen: Am 16. Dezember diesen Jahres fliegt 3200 Phaeton in "nur" 0,069 AE Abstand an der Erde vorbei. Das sind etwa zehn Millionen Kilometer. Keine Sorge: So richtig nah ist das nicht, unser Mond ist fast 27-mal weiter weg. Doch immerhin nah genug, dass große Radio-Teleskope von der Erde aus mittels Radarwellen sehr genaue Aufnahmen von 3200 Phaeton machen können - bis zu einer Auflösung von nur mehr 15 Metern pro Bildpunkt (Pixel). Am Ende möchte die NASA ein genaues 3D-Modell von 3200 Phaeton erzeugen.

Den Asteroiden selbst sehen

Sie können 3200 Phaeton auch mit eigenen Augen sehen, wenn Sie ein Teleskop zur Verfügung haben. Mitte Dezember ist er in der ersten Nachthälfte links vom Sternbild Pegasus zu sehen, hat allerdings nur eine scheinbare Helligkeit von 11 mag. Was Sie aber sicher und auch mit bloßem Auge sehen können, das sind die Geminiden. Seinen Höhepunkt hatte der Sternschnuppen-Regen in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember.


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