Telekolleg - Sozialkunde


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Medien und Öffentlichkeit Objektive Berichterstattung

Die Freiheit der Medien gehört zu den Grundpfeilern einer Demokratie. Manchmal werden die Medien sogar als vierte Gewalt bezeichnet. Eine Grundbedingung für eine demokratische Gesellschaft ist objektive Berichterstattung. Wie lässt sie sich verwirklichen?

Stand: 12.03.2019

Susanne Holst | Bild: BR

Objektiv kann Berichterstattung nur sein, wenn sie unabhängig ist. Auch eine verständliche Darbietung ist unerlässlich. Im aktuellen Bereich müssen Redakteure darüber hinaus schnell, aber auch exakt arbeiten und bestens informiert sein. Objektiv, unabhängig, verständlich, schnell - das sind hohe Ansprüche, die erfüllt sein wollen. Wie ist das zu leisten? Wir forschen in der Tagesschau-Redaktion nach.

Aktuelle Berichterstattung am Beispiel der Tagesschau

Blick in die Redaktion von "ARD aktuell"

Medienforschungen belegen: Die meisten Bundesbürger orientieren sich an dem, was die Tagesschau meldet. Die hohe Glaubwürdigkeit der Meldungen muss durch Genauigkeit, Objektivität und hohe Verständlichkeit ständig neu verdient werden. Wir besuchen die Redaktionen von "ARD aktuell". Für die Nachmittagsausgabe um 15 Uhr ist an diesem Tag Sascha Klettke zuständig. Seine Aufgabe: ein Bericht über die Einigung zur Gesundheitsreform zwischen Regierung und Opposition.

Hoher Qualitätsanspruch unter Zeitdruck

Die Zeit ist knapp, aber erst muss Sascha Klettke genau wissen, was wirklich in der Nacht zuvor von den Experten in Berlin beschlossen wurde. Noch widersprechen sich die Agenturen - also sind noch Telefonate nötig. Dann muss Sascha Klettke festlegen, mit welchen Informationen und Zahlen eine Grafik den Beitrag unterstützen kann. Der Zuschauer soll kurz und treffend über die Entscheidung der Volksvertreter informiert werden. Auch in der Grafikabteilung drängt die Zeit. Der Anspruch, Komplexes anschaulich zu machen, ist hoch. Und dann muss der Redakteur noch die Moderatorin briefen. Großer Wert wird darauf gelegt, dass sich keine Bewertung in den Nachrichtentext einschleicht.

Globale Kooperation

Blick ins Studio von "ARD aktuell"

Die Landesrundfunkanstalten bilden zusammen die Arbeitsgemeinschaft ARD. Die Redaktionen von "ARD aktuell" befinden sich beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg, hier entstehen Tagesschau und Tagesthemen. Aus den Landessendern und Auslandsstudios werden die Beiträge übermittelt oder je nach Brisanz live eingespielt. Die ARD leistet sich das größte Korrespondentennetz der deutschen Fernsehsender. Im Eurovisionsraum von "ARD aktuell" kommen die Zuspielungen oder Live-Bilder von Sendern aus der ganzen Welt an - eine Flut von Informationen, die ausgewertet werden müssen. Im MAZ-Raum steuern die Techniker die Aufzeichnung der Beiträge oder die Live-Schaltungen aus allen Kontinenten.

Nachrichtenquellen

Die ARD arbeitet hauptsächlich mit den fünf wichtigsten Agenturen: der Deutschen Presseagentur (DPA), der amerikanischen Agency Press (AP), dem Deutschen Depeschendienst (DDP), mit Reuters (RTS) und dem Sportinformationsdienst (SID). Diese Unternehmen bieten gegen eine monatliche Gebühr Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehstationen Nachrichten und Berichte an.

Meinungsbildung durch die Medien

Auswahl und Gewichtung von Informationen ist eine entscheidende Aufgabe im Journalismus. Was ist wichtig? Woher stammt die Nachricht? Ist sie zutreffend?
Nachrichten, die nur Insider verstehen, verfehlen ihre Aufgabe. Zudem dürfen die Formulierungen nicht verfälschend oder missverständlich sein. Die Frage ist auch immer: Was kann man an Wissen voraussetzen? Die Medien, ob in Fernsehen, Hörfunk oder Presse, haben die Aufgabe, das politische Geschehen im eigenen Land durchschaubar zu machen. Sie tragen wesentlich zur Meinungsbildung bei - und die braucht eine Demokratie wie das tägliche Brot. Einschaltquoten durch Sensationslust dürfen bei einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung keine Rolle spielen.


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