Telekolleg - Sozialkunde


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Macht, Glaube, Weltethos Religionen im Dialog

Vielerorts gibt es Bemühungen, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern - denn gegenseitiges Kennenlernen, Achten und Verstehen bedeuten friedliches Miteinander. Denn schließlich "sind die Menschen alle Brüder" - so steht es im Koran.

Stand: 12.03.2019

Gemeinsames Kochen in der Begegnungsstube "Die Brücke" | Bild: BR

In der von Christen geleiteten Begegnungsstube "Die Brücke" in Nürnberg findet christlich-islamischer Dialog statt: Beim gemeinsamen Kochen nähern sich die Vertreter der verschiedenen Kulturen spielerisch einander an. Sie erfahren dabei auch einiges über die Bräuche und religiösen Gebote des anderen. Man versucht, wirklich ins Gespräch zu kommen, Diskussionen zu einem bestimmten Thema zu vertiefen. Gegensätze werden angesprochen und in angenehmer Atmosphäre ausdiskutiert. Unterschiede werden nicht unter den Tisch gekehrt, Gemeinsamkeiten werden entdeckt. Alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts des Terrors in der Welt?

"Die Menschen sind alle Brüder"

Wandinschrift in der Begegnungsstube "Medina"

Den Dialog zwischen den Religionen haben sich auch die Muslime in der Nürnberger  Begegnungsstube "Medina" zum Motto gemacht. Nicht nur der Name Allahs steht hier an den Wänden, sondern auch der von Jesus, der als Prophet verehrt wird, und der von seiner Mutter Maria. "Die Menschen sind alle Brüder", auch dieses Koranzitat haben sie an die Wand des Gebetshauses geschrieben. Und deshalb verwandelt sich die Mini-Moschee immer wieder in einen Vortragsraum. In enger Zusammenarbeit mit der internationalen Organisation "World Conference of Religions for Peace", kurz WCRP, finden Begegnungen zwischen den Religionen statt.

Die Religion des Loslassens

Der Buddhismus ist die Religion des Loslassens. Meditation und Stille dienen als Weg zur Erleuchtung. Was der Buddhismus als das Gesetz von Ursache und Wirkung beschreibt, ähnelt der Botschaft der Nächstenliebe im Christentum. Es geht darum, Gier und Hass loszulassen. Liebe ist die Kraft, die zum inneren und äußeren Frieden führt.

Aufgewachsen in Tibet und seit vielen Jahren in Deutschland, kennt Dagyab Kyabgön Rinpoche sowohl die fernöstliche als auch die westliche Welt. Der interkulturelle und interreligiöse Dialog liegt ihm am Herzen. Er sagt: "Wenn man mit Religion besser umgehen kann, ist es das beste Mittel für den Weltfrieden. Wenn man es falsch benutzt, ist es das schlimmste Mittel in der Welt, um Unfrieden zu herrschen."

Gemeinsamkeiten zwischen Religionen

In den monotheistischen Religionen sind die gemeinsamen Wurzeln besonders offenkundig. Aus ihnen entstehen einerseits gefährliche Reibungspunkte, geographisch wie ideologisch. Und gleichzeitig liegt gerade in den Gemeinsamkeiten die Chance zum Frieden. Besonders viel Gemeinsamkeiten haben Judentum und Christentum miteinander. Gemeinsame Grundlage sind vor allem die Zehn Gebote - ein Moral- und Verhaltenskodex, der weit über das rein religiöse Leben hinausgeht. Die Zehn Gebote sind Grundlage für die Tora wie auch für den christlichen Glauben.


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