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Fakten Textanalyse und Erörterung - Eine Meinung vertreten

Behauptungen müssen "bewiesen" werden. Damit ist kein mathematischer oder formallogischer Beweisgang gemeint, sondern dass ich meine Thesen gut nachvollziehbar begründen kann.

Stand: 07.12.2012 | Archiv

Mann tippt auf externe Tastatur, Tablet liegt auf dem Tisch | Bild: picture-alliance/dpa

1. Tipps zur Begründung von Thesen

Folgende "Beweise", also Belege oder Begründungen bieten sich an:

• Beleg durch den Hinweis auf wissenschaftliche Erkenntnisse oder auf überprüfbare Tatsachen: Tatsachenbeweis

• Plausible Rückschlüsse aus Tatsachen: Evidenzbeweis

• Beleg durch den Hinweis auf anerkannte Autoritäten: Autoritätsbeweis

• Begründung durch das Aufzeigen logischer oder wahrscheinlicher Folgen

• Begründung durch Hinweis auf Gesetze, gesellschaftliche Normen und anerkannte Konventionen: normativer Beweis

• Begründung durch eigene Erfahrungen

Alle Begründungen sind überzeugender, wenn Sie sie durch konkrete Beispiele untermauern: den Tatsachenbeweis durch ein aussagekräftiges historisches oder naturwissenschaftliches Faktum, den Autoritätsbeweis durch ein direktes oder indirektes Zitat – statt Wissenschaftler haben gesagt: einen Wissenschaftler benennen – und den Evidenzbeweis durch Hinweis auf eine eigene Erfahrung und Erkenntnis, nicht durch allgemeine Eindrücke.

2. Tipps zur sprachlichen Gestaltung der Argumente

Innerhalb des "Beweisgangs" der Argumentation bieten sich folgende Wendungen an:

• begründende: denn, nämlich, daher, deshalb, darum etc.

• ergänzende/stützende: auch, neben, abgesehen von, außerdem, ferner, desgleichen, weiterhin, zusätzlich, anders gewendet etc.

• folgernde: also, allerdings, folglich, dennoch, dadurch, demzufolge etc.

• einschränkende: indes, freilich, allerdings etc.

• widersprechende: jedoch, dagegen, andererseits etc.

3. Tipps zur Widerlegung eines Arguments

Die Widerlegung eines Arguments ergibt sich aus der kritischen Hinterfragung (siehe Zusammenfassung).

Die Widerlegung kann zwei Wege einschlagen:

1. unmittelbar den Wahrheitsgehalt der These in Frage stellen, das ist die direkte Widerlegung und

2. den Wahrheitsgehalt der Begründung/des Beweisgangs der These kritisieren, das ist die indirekte Widerlegung.

Methoden der Hinterfragung sind:

Die Widerlegung ad rem (lat. zur Sache), d.h. das Bestreiten der behaupteten oder zur Begründung angeführten Tatsachen, oder die Widerlegung ad hominem (lat. Beweisrede zum Menschen) Bei letzterer geht es darum, die unausgesprochenen Voraussetzungen zu bestreiten, indem man zeigt, dass hier etwas geltend gemacht wird, was nicht gilt. Beides kann man bestreiten indem man

• die Thesen und Begründungen in ihre Einzelbehauptungen und implizierten Voraussetzungen zergliedert und Schritt für Schritt widerlegt

• ihre Logik oder behauptete Zwangsläufigkeit hinterfragt

• zeigt, dass die Thesen auf geistigen Wurzeln beruhen, die überholt oder sehr umstritten sind

• auf die fatalen Konsequenzen der Thesen und Begründungen hinweist (Widerlegung ad absurdum; lat. Zurückführung auf das Ungereimte, Unpassende)

• die Allgemeinverbindlichkeit der Thesen und Behauptungen in Frage stellt, durch Gegenbeispiele, Vergleiche mit ähnlichen Fällen oder alternativen Normen

• zeigt, dass die behaupteten Folgerungen falsch sind, wodurch man auch deren Prämissen widerlegt: Prinzip ist, dass aus wahren Prämissen nur richtige Aussagen folgen können und umgekehrt.

• die Thesen und Beweise mit rhetorischen Mitteln – z.B. der Übertreibung oder mit extremen Beispielen – so radikal zuspitzt, dass ihre Einseitigkeit deutlich wird. Mit dieser Methode leitet z.B. Waltraud Hessenberger vom Pro Gentechnik zum Kontra über: Anstatt bei der therapeutischen Hilfe für jedermann zu bleiben, wählt sie geschickt die möglich werdende Züchtung von Genies wie Einstein als Beispiel (siehe Nachgefragt).

Gut dosierte Rhetorik kann auch bei der Erörterung nicht schaden, denn es geht ja hier schließlich auch immer darum, etwas durch Argumente für andere plausibel zu machen, fundierte Überzeugungsarbeit zu leisten.


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