Telekolleg - Deutsch


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Medienkompetenz - Folge 1 Mediengeschichte

Die Medien sind immer im gesellschaftlichen und historischen Kontext zu verstehen: Mit der Erfindung des Buchdrucks veränderte sich die Gesellschaft. Mit der Einführung von Radio, Fernsehen und Internet entwickelte sich die moderne Informations- und Kommunikationsgesellschaft.

Stand: 07.09.2016 | Archiv

400 Jahre Zeitung | Bild: picture-alliance/dpa

1. Ein Meilenstein auf dem Weg zur modernen Kommunikationsgesellschaft

Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Die neue Drucktechnik veränderte die Welt:

  • Die Alphabetisierung immer breiterer Volksschichten wird in Gang gesetzt.
  • Die Reformationsbewegung wird zur Massenbewegung.
  • Flugblätter und Flugschriften, sowie ab 1609 Wochen- und Tageszeitungen führen zu einem Wandel der Öffentlichkeit

2. Vom modernen Musikprogramm der Goldenen 20er zum Informationsdschungel heute

Geschichte des Radios in Deutschland:

  • Mit Ausschnitten aus den regionalen Radioprogrammen der Weimarer Zeit fängt es an.
  • Albert Einstein begrüßt bei der Funkausstellung 1932 das neue Medium. Seine Rede wendet sich an die Anwesenden und die zugeschalteten abwesenden Hörer zugleich: "Verehrte An- und Abwesende. Wenn ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeugs gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders."
  • Das ruinöse Potenzial des Massenmediums Rundfunk unter einer Diktatur kommt ab 1933 zum Tragen: Joseph Goebbels macht den Rundfunk zur mächtigsten staatlichen Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten.
  • Von 1945 bis 1949 bauen die Alliierten die Rundfunksender regional wieder auf. Sie wollen Goebbels Propaganda-Instrument vor allem dezentralisieren. Der spätere NWDR, der BR, der HR, der SWR, RB und SWF werden zunächst als Militärregierungssender gegründet und lizenziert. Damit legen die Alliierten den Grundstein für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie sie trotz aller veränderten Zusammensetzung und Programmvielfalt bis heute existieren.
  • 1950 gründen der NWDR, der BR, der HR, der SWR , RB und SWF die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD)
  • Mit den ersten "Kabelpilotprojekten" löst sich ab 1984 die Monopolstellung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf. Das "duale Rundfunksystem", das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksendern entsteht.
  • Heute scheint der Informationsdschungel perfekt zu sein. Im Internet, wo keine Sendelizenz nötig ist, stehen jedem Nutzer neben den privaten und öffentlich-rechtlichen Sender, spezielle Internet Radios und ein internationales Programm von vielen tausenden Sendern zur Verfügung. Als Podcat lassen sich verschiedene Inhalte individuell aufs handy oder den ipod zusammenstellen. Information und Unterhaltung kann mobil und zeitlich unabhängig genutzt werden.

3. Entscheidende Stationen in der Geschichte des Fernsehens von 1935 bis heute

  • Der erste regelmäßige Fernsehprogrammdienst beginnt als Versuch in Berlin 1935. Ursula Paschke bringt mit einem bellenden Hund die Zuschauer zum Lachen.
  • 1936 wird mit großem Aufwand die Olympiade übertragen. Im Krieg stagniert die Weiterentwicklung des Mediums. o Von seinem Hamburger Hochbunker aus strahlt der NWDR 1948 die ersten Fernsehsendungen aus.
  • Pünktlich zu Stalins 73. Geburtstag wird am 21.12.1952 in der DDR die "Aktuelle Kamera", die erste öffentliche Nachrichtensendung, ausgestrahlt.
  • Das Gemeinschaftsprogramm der ARD, das Erste Deutsche Fernsehen geht am 1. November 1954 auf Sendung.
  • Zwischen 1957 und 1965 verzehnfacht sich die Zuschauerzahl in der BRD auf 10 Millionen.
  • Auch in der DDR überschreitet das Fernsehen 1960 bereits die Millionengrenze. Durch die offensichtliche ideologische Einfärbung verliert die Berichterstattung der staatlichen Fernsehanstalt an Glaubwürdigkeit. Fernsehspiele und Unterhaltungssendungen mit Kabaretteinlagen, wie die von Heinz Quermann ins Leben gerufene Sendung "Da lacht der Bär", erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
  • 1963 geht das ZDF auf Sendung.
  • Mit dem Anspruch, den Bildungsauftrag wahrzunehmen, starten 1964 die Dritten Programme der ARD, als erstes der BR.
  • Das Farbfernsehen wird 1967 offiziell vorgestellt.
  • In den 80er Jahren machen die privaten Fernsehsender den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten den Markt streitig. Das TV-Programm wird schriller, hektischer und voyeuristischer.
  • Im Herbst 1989 beweisen die staatlichen Rundfunksender der DDR noch einmal ihre Linientreue: Die Fernsehsender verschweigen die Protestbewegungen im Land oder geben sie verzerrt wieder
  • Am 31.12.1991 verabschiedet sich das DDR-Fernsehen, nur einzelne Serien wie der "Polizeiruf 110" überleben die Wende. 4000 Mitarbeiter des DFF werden in der Wendezeit entlassen.
  • Die Übertragung des Rundfunks wird zunehmend auf digital umgestellt. Mit dieser Technik entsteht eine größere Übertragungskapazität, damit kann man auch mehr Programme empfangen. Ende April 2012 wird die analoge Ausstrahlung per Satellit beendet. Für einen Empfang benötigen ältere Fernsehgeräte ein Zusatzgerät. Daneben wird das Internet TV immer attraktiver. Fernsehen und Internet wachsen immer mehr zusammen.

4. Ausblick auf die Medienlandschaft von morgen

  • Im Zuge der Digitalisierung wird sich das Programmangebot enorm ausweiten. Ob sich dieses Angebot allerdings zu einer Programmvielfalt entwickelt, bleibt nur zu hoffen. Wenn Fernsehen und Internet immer mehr zusammenwachsen, ist die Gefahr einer Medienkonzentration auf ein paar wenige Marktführer schnell gegeben.
  • Computer, Internet, E-Mail ersetzen immer häufiger Tinte, Papier und alle traditionellen Spielarten der Informations- und Wissensvermittlung. Wie soll das weitergehen?

Mobilität und Interaktivität haben die Kommunikation im 21. Jahrhundert grundlegend geändert. Von beiden Entwicklungsfaktoren gibt das Internet einen Vorgeschmack:
Mobilität heißt: Jeder kann sich zu jeder Zeit und an jedem Ort die Informationen beschaffen, die er braucht. Niemand ist mehr angewiesen und fixiert auf ein vorgegebenes Programm, das ihm zu fremdbestimmten Zeiten etwas anbietet.
Interaktivität: Sie findet statt im individuellen Umgang mit und in dem globalen Austausch von Datenmaterial: Jeder kann nach Belieben und Bedarf aus dem schier endlosen Datenpool selektieren, sich etwas ausschneiden, kopieren, neu zusammenstellen und all dies wieder ins globale Netz stellen.

  • Trotzdem werden alle wichtigen Abschlüsse und Geschäfte noch persönlich geführt. Wenn es wirklich um etwas geht, ersetzen Videokonferenzen und Internet noch nicht den unmittelbaren persönlichen Kontakt
  • Fragt sich nur, ob wir den "persönlichen Kontakt" über lauter elektronischem Austausch nicht verlernt haben. Die weiteren Folgen sollen helfen, darauf eine Antwort zu finden.

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