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Supermond am 14. November 2016 Größter Vollmond des Jahrzehnts

Am 14. November 2016 schien dieser Vollmond vom Himmel - der größte Vollmond des ganzen Jahrzehnts. Ein "Supermond" in vielen Schlagzeilen. Aber warum ist der Vollmond mal größer, mal kleiner?

Von: Anja Bühling und Heike Westram

Stand: 16.11.2018

Der Supermond im November 2016 geht hinter der Ruine Botenlauben in Bad Kissingen auf.  | Bild: Alexander Preyer

"Nur" 356.510 Kilometer war der Vollmond am 14. November 2016 von der Erde entfernt, fast 30.000 Kilometer näher als im Durchschnitt. Denn die Bahn des Mondes um die Erde ist nicht kreisrund, sondern leicht elliptisch. Daher ist er der Erde mal näher, mal ferner und am Firmament entsprechend mal größer, mal kleiner.

Vollmond in Erdnähe größer und vor allem heller

Erdnähe und Erdferne der elliptischen Mondbahn

Im Mittel ist der Mond 384.400 Kilometer von der Erde entfernt und erscheint am Firmament als Scheibchen mit einem scheinbaren Durchmesser von 32 Bogensekunden - etwa einem halben Fingerbreit an Ihrem ausgestreckten Arm. Alle vier Wochen erreicht er auf seiner elliptischen Bahn das Perigäum, den erdnächsten Punkt. Dann ist die Mondscheibe manchmal über zwei Bogensekunden größer - im Extremfall sieben Prozent mehr im Durchmesser. Zwei Wochen darauf erreicht der Mond den entferntesten Punkt, das Apogäum, und wird um etwa zwei Bogensekunden kleiner als im Schnitt - bis zu sieben Prozent weniger.

Kleinster vs. größter Vollmond

Der Unterschied zwischen dem größtmöglichen und dem kleinstmöglichen Vollmond - 14 Prozent - entspricht etwa dem Unterschied zwischen einer 1-Euro-Münze und einer 2-Euro-Münze. Das könnte man deutlich wahrnehmen - wenn beide Monde nebeneinander am Abendhimmel stünden. Ohne den direkten Vergleich ist fürs bloße Auge die Größe der Mondscheibe nicht einschätzbar. Ob wir den Mond als besonders groß empfinden, wird weniger von seiner tatsächlichen Größe beeinflusst, sondern eher von Faktoren wie der Horizontnähe und der dadurch hervorgerufenen Mondtäuschung.

Was Sie vielleicht wahrnehmen, wenn Sie nicht gerade in der Stadt leben: Ein Supermond ist deutlich heller! Dreißig Prozent mehr Licht kommt von einem erdnahen Vollmond als von einem erdfernen bei uns an. Weil er im Durchmesser um 14 Prozent größer ist, ist seine Fläche um fast dreißig Prozent größer - und entsprechend heller ist er. Aber am ehesten ist die Wirkung eines nahen Vollmondes indirekt zu spüren: bei den Gezeiten.

Je näher, desto anziehender

Je näher der Mond, desto höher ist auch seine Anziehungskraft. Wenn der Mond der Erde so nahe kommt, kann das auch zu höheren Springfluten führen. "Je näher der Mond an der Erde ist, desto höher ist die Gravitationskraft", erklärte Guido Thimm, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg, zum Supermond 2016. Und die Anziehungskraft des Mondes bewegt auf der Erde das Wasser - die Gezeitenkraft.

Starke Gezeitenkräfte verformen die Erde

Als Springflut oder Springtide bezeichnet man eine besonders hohe Flut und eine besonders niedrige Ebbe. Etwa alle 14 Tage – bei Vollmond und Neumond – stehen Mond, Erde und Sonne in einer Linie. Bei Vollmond steht die Erde zwischen Sonne und Mond und die Anziehungskraft des Mondes ist stärker. Das Hochwasser läuft dann einige Zentimeter höher auf als normal, das Niedrigwasser etwas niedriger. Normalerweise ist eine solche Springtide eher unauffällig. An Meerengen und Flussmündungen kann sie deutlich zu spüren sein, oder wenn auflandiger Wind den Wasserstand noch erhöht.

Erdkugel wird leicht verformt

Auch die Erdkruste wird durch die Gezeitenkräfte verformt, so der Astronom Thimm: "Der Mond zieht an der einen Seite, die Sonne an der anderen. Die Erdkugel wird ein wenig zum Rugbyball". Dramatische Effekte wie Erdbeben seien allein durch einen erdnahen Mond aber nicht zu erwarten: "Die Vorgänge im Erdinnern spielen eine viel größere Rolle."

Vollmond in Erdnähe ist keine Seltenheit

Alle 27,55 Tage erreicht der Mond sein Perigäum, alle 29,53 Tage ist Vollmond - einmal alle 13,6 Monate ist der Vollmond zugleich auch in Erdnähe. Von einem Supermond zum nächsten vergeht also nur etwas über ein Jahr.

Doch der Vollmond am 14. November 2016 war der nächste für mehrere Jahrzehnte. So nah war uns der Vollmond zuletzt am 26. Januar 1948. Und erst am 13. Januar 2036 wird unser Nachbar im All der Erde mit 356.531 Kilometer ähnlich nahe kommen. Einen näheren und größeren Vollmond gibt es erst wieder am 6. Dezember 2052, der ist dann nur 356.429 Kilometer entfernt.

Rekordhalter der Supermonde

Der Rekordhalter des Jahrtausends war noch über fünfzig Kilometer näher: Am 4. Januar 1912 war der Vollmond nur 356.375 Kilometer von der Erde entfernt - näher als alle Vollmonde tausend Jahre davor und tausend Jahre danach. Aber warum ist der eine Supermond näher als der andere?

Bei Vollmond oder Neumond besonders nah

Der Mond kommt uns natürlich nicht nur als Vollmond nah, sondern ganz regelmäßig auch als Neumond, Mondsichel, Halbmond - in jeder beliebigen Phase. Die Ellipse der Mondbahn ist immer unterschiedlich und mal ist der Abstand bei Erdnähe größer, beim nächsten Mal kleiner. Besonders extrem fallen Perigäum oder Apogäum aber immer dann aus, wenn ausgerechnet der Vollmond oder Neumond in Erdferne oder Erdnähe stehen. Der kleinste Abstand des Mondes zur Erde in einem Jahrzehnt ist eben nie bei Halbmond, sondern immer bei Neu- oder Vollmond.

Denn bei Neumond wie bei Vollmond stehen Sonne, Erde und Mond in genau einer Reihe. Dann addieren sich die Graviationskräfte der Körper und zerren derart aneinander, dass die Ellipse der Mondbahn gedehnt wird. Dann fällt die Erdnähe besonders klein aus, die Erdferne dagegen größer als normal. Dazu kommt noch, wie nah oder fern die Erde in dem Moment der Sonne ist.

Ist die Erde besonders weit von der Sonne entfernt, während der Vollmond gerade in Erdnähe ist, ist der Abstand besonders klein. Das Apogäum des Mondes fällt dagegen besonders groß aus, wenn es der Neumond ist, der sich in Erdferne befindet, während die Erde aber gerade möglichst nah bei der Sonne steht.

  • Ende der Welt über den Supermond. radioWelt, 14.11.2016 um 06:05 Uhr, Bayern 2
  • Größter Vollmond des Jahrzehnts. Abendschau - Der Süden, 14.11.2016 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Supermond am Abend. Rundschau, 14.11.2016 um 18:30 Uhr, BR Fernsehen

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