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Qualitätssiegel "Made in Germany"

Seit 126 Jahren prangt auf deutschen Produkten "Made in Germany". Eigentlich sollte der Schriftzug vor billigen Plagiaten aus Deutschland warnen. Doch dieser Plan ging nicht auf - im Gegenteil.

Stand: 22.08.2013

Reifen mit "Made in Germany" | Bild: picture-alliance/dpa

Als Geburtsstunde von "Made in Germany" gilt der 23. August 1887. An diesem Tag wurde das "Merchandise Marks Act", das britische Handelsmarkengesetz beschlossen. Produkte aus Deutschland mussten fortan den Schriftzug "Made in Germany" tragen.

Ramschmesser aus Deutschland

Ein überdimensionales Taschenmesser aus dem Jahr 1890 aus Solingen. Vermutlich sollte es den Ruf deutscher Messer wiederherstellen.

Auslöser für das Gesetz waren die Konkurrenzsorgen der Messerhersteller in Sheffield. In Großbritannien und seinen Kolonien tauchten damals immer mehr Schneidewerkzeuge aus Deutschland auf, die den englischen Messern verblüffend glichen. Die Originale waren von hoher Qualität, aus Gussstahl und oft handgearbeitet. Die nachgemachten Messer, Scheren, Feilen und Rasierklingen aus Deutschland waren hingegen Massenware aus ungehärtetem Gusseisen. Auf manchen prangte sogar dreist der Schriftszug "Sheffield made". Erst beim Gebrauch zeigte sich die mangelhafte Qualität der Kopien.

Warnung statt Zoll

Ein Kochtopf wirbt auf seiner Unterseite mit "Made in Germany"

Die britische Regierung war zum Handeln gezwungen. Das Einfachste wäre gewesen, Schutzzölle auf deutsche Waren zu erheben. Doch das hätte der Exportnation Großbritannien schaden können. Sie profitierte davon, dass es nur wenig Zollschranken auf der Welt gab. Man entschied sich daher für eine andere Methode: Deutsche Waren wurden nicht mit Zöllen verteuert, sondern mit einem Schriftzug stigmatisiert. "Made in Germany" sollte eine Warnung sein: "Achtung, dieses Produkt ist zwar billig, aber aus Deutschland und deshalb von schlechter Qualität".

Spielzeug und Bleistifte

Auch die Unterseite eines Spielzeugautos weist auf dessen Herkunft hin.

Der Plan, deutsche Produkte per Herkunftshinweis aus dem Markt zu drängen, war ein kompletter Misserfolg. Denn Ende des 19. Jahrhunderts holten die deutschen Produzenten bei der Qualität ihrer Produkte dramatisch auf. Viele Käufer erkannten nun an "Made in Germany", dass viele Dinge, die sie kauften, aus Deutschland stammten und keineswegs minderwertig waren: Messer und Scheren ebenso wie Kleider, Spielzeug, Möbel, Werkzeuge, Bleistifte und vieles andere mehr. "Made in Germany" war nun nicht mehr eine Warnung vor schlechter, sondern ein Hinweis auf gute Qualität. Die Verbraucher im In- und Ausland griffen zu Waren aus Deutschland. Dies war einer der Gründe, warum die deutsche Wirtschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts explosionsartig wuchs.

Kein echtes Qualitätssiegel

Im geteilten Deutschland waren die Produkte entweder "Made in W.-Germany" ...

Auch heute ist "Made in Germany" ein Schriftzug, auf den viele deutsche Unternehmen großen Wert legen. Ein Ersatz durch das Label "Made in the EU" scheiterte 2004 am Protest der Mitgliedsländer, vor allem Deutschlands. Ein echtes Qualitätssiegel ist "Made in Germany" aber nicht. Der Hersteller entscheidet, ob er eine Herkunftsbezeichnung auf seine Produkte schreibt.

Nicht alles muss aus Deutschland stammen

... oder "DDR Made in Germany" beziehungsweise "Made in GDR".

Allerdings muss das Werbeversprechen einer gerichtlichen Überprüfung standhalten können. Dazu reicht es aber nach Ansicht von Experten schon, wenn Einzelteile aus der ganzen Welt in Deutschland zusammengebaut werden. Andere meinen hingegen, dass mindestens 51 Prozent der verwendeten Teile aus Deutschland stammen müssen. Und eine dritte Theorie besagt, dass mindestens 45 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erbracht werden müssen.

Nachfolger "Made in China"?

Dieser Wäschetrockner verkündet stolz auf der Frontseite sein "Made in Germany".

Blickt man zurück, drängen sich Parallelen zwischen "Made in Germany" damals und "Made in China" heute auf. Letztere Herkunftsbezeichnung wird oft als Synonym für billige, aber minderwertige Waren verwendet, bei denen es sich meist auch noch um Plagiate handelt. Doch die chinesischen Hersteller holen bei der Qualität auf, so wie die Deutschen zu der Zeit, als "Made in Germany" eingeführt wurde. Möglicherweise nimmt "Made in China" den gleichen Weg und steht bald für günstige, aber hochwertige Produkte.


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