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Physiologie des Lachens Nervenkitzel mit Takt und Muskelspiel

Wir kichern leise, prusten laut los und müssen oft schallend lachen: Tagtäglich kommen unsere Lachmuskeln zum Einsatz. Und dann ist ganz schön was geboten im menschlichen Körper.

Stand: 29.04.2013

lachender Mann hält sich die Hände an den Kopf | Bild: colourbox.com

Rund 15-mal am Tag lachen wir: über Witze, peinliche Situationen oder einfach, weil jemand anderes lacht. Dabei ist Erwachsenen das Lachen schon sehr vergangen, denn Kinder lachen bis zu 400-mal täglich.

Weltlachtag am ersten Sonntag im Mai

Indisches Lachen für den Weltfrieden

Genau um 14.00 Uhr unserer Zeit wird am ersten Sonntag im Mai weltweit gelacht - für ganze drei Minuten. Das Ziel: der Weltfrieden. Lachend soll für Brüderlichkeit und Freundschaft geworben werden, so der Erfinder des Weltlachtages, der indische Arzt Madan Kataria, Gründer der Lach-Yoga-Bewegung. Am 11. Januar 1998 lachten dafür erstmals in Indien 12.000 Menschen gemeinsam los.

Der Körper lacht

Lustvoll auf den ersten Blick: Lachen

Auf den ersten Blick ist das Lachen ein körperliches Phänomen: "Die Nase legt sich in Falten, die Nasenlöcher weiten sich. Der Kopf wird zurückgeworfen, die Augen werden geschlossen. Der Zygomaticus-Muskel zieht den Mund nach oben und sorgt für einen glücklichen Ausdruck. Der Augenmuskel wird angespannt und aktiviert im Gehirn positive Gefühle", so Michael Titze, Psychologe und Lachtherapeut.

Ganzkörper-Einsatz

Viele Muskeln sind beim Lachen beteiligt.

Beim Lachen betreibt der Körper Hochleistungssport: Vom Gesicht bis zum Bauch sind beim Lachen fast 300 verschiedene Muskeln beteiligt. Allein der "Lachmuskel", der Zygomaticus, spannt 15 Gesichtsmuskeln an, darunter die des Tränensacks, so dass wir Tränen lachen können. Bei einem richtigen Lachanfall pressen die Bauchmuskeln die Luft mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern hinaus.

Lachen ist gesund

Die Atmung geht um ein Vielfaches schneller und die Lunge nimmt rund drei- bis viermal so viel Sauerstoff auf wie gewöhnlich. Dabei wird der Brustkorb teilweise schmerzhaft gezerrt und das Zwerchfell hüpft. Die schnellere Atmung regt dabei den Blutfluss an - das macht das Lachen so gesund. Mediziner haben zudem festgestellt, dass durch das Lachen mehr T-Zellen aktiviert werden und so das Immunsystem gestärkt wird. Allerdings nur, wenn man echt und herzhaft lacht.

Taktgefühl

Nur echt im richtigen Takt

Beim Lachen stoßen wir rhythmische Laute aus. Der einzelne dauert ungefähr 75 Millisekunden und bis zum nächsten vergehen 210 Millisekunden. Stimmt dieses Verhältnis nicht, kommt uns das Lachen künstlich vor. Beim Lachen "modulieren" und "vokalisieren" wir, wie es die Wissenschaftler nennen - ähnlich wie beim Singen. Nach rund sechs Sekunden ist ein Lachanfall erst einmal vorbei.

Entspannung nach dem Höhepunkt

Nach herzzerreißendem Lachen kommt der Körper wieder zur Ruhe. Nach der großen Muskelanspannung und der inneren Massage durch das vibrierende Zwerchfell sind die Muskeln nun gut durchblutet und entspannt. Die Entspannung geht sogar über das Körperliche hinaus, denn so ein Lachanfall baut Stresshormone ab.

Zuerst lacht das Gehirn

Erst lacht das Hirn, dann das Gesicht

Noch bevor der Körper sich vor Lachen biegt, hat das Gehirn die Pointe erfasst. Lange suchten Hirnforscher nach einem Humorzentrum im Gehirn. Doch nach bisherigen Forschungen gibt es kein solches Lachzentrum. Die Impulse, die ein Lachen auslösen, können von überall her kommen. Wenn wir gekitzelt werden, sind andere Gehirnzentren aktiv als wenn uns jemand einen Witz erzählt, wir jemanden auslachen oder uns einfach nur freuen.

Schwerstarbeit für die grauen Zellen

Lachen ist eine Massage fürs Innere

Über einen Witz zu lachen, ist schon äußerst komplex: Der erzählte Witz gelangt zunächst über das Ohr ins Hörzentrum, von da geht es weiter in das Zentrum für Sprachverständnis, wo er analysiert wird. Jetzt wird er von der linken in die rechte Hirnhälfte geschleust, dabei wird abgeglichen, ob sich Emotion und Inhalt entsprechen. Stimmen Emotion und Inhalt nicht überein, findet das Gehirn den Witz witzig und es stimuliert den Körper zum Lachen. Für die vollbrachte Schwerstarbeit belohnt sich das Hirn schließlich selbst mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Die können selbst Schmerzen dämpfen.

Lachen ist ansteckend

Allein das Geräusch lachender Menschen veranlasst das Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Deshalb ist Lachen ansteckend - selbst dann, wenn man den Grund für die gute Laune eines anderen Menschen gar nicht kennt. Und lieber lachen wir mit, als dass wir uns unangenehmen Gefühlen anschließen: Untersuchungen zeigten, dass fremdes Jubeln oder Lachen wesentlich stärkere Hirnaktivitäten auslösen als negative Emotionsgeräusche wie Ekel oder Angst.

Lachen im Verein

Gemeinsames Training im Lachclub

Wenn etwas gesund ist und zugleich Spaß macht, muss es ein Verkaufsschlager sein. Das dachte sich auch der indische Arzt Madan Kataria, als er 1995 den ersten Lach-Yoga-Club gründete. Heute gibt es deutschlandweit rund 150 Lachclubs, die das Lachen zur Trainingssache erklären: Es geht nicht um gute Witze und Humor, sondern um die Tätigkeit des Lachens selbst - auch wenn es künstlich ist. Ob Lach-Yoga mehr bringt als die gute alte Urschrei-Therapie? Das darf zumindest belächelt werden, ganz im Sinne des Erfinders.

"Ein Tag, an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag."

Charlie Chaplin


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