Wissen

Unser Astronaut im All

Alexander Gerst Unser Astronaut im All

Stand: 18.05.2016

Im Mai 2018 fliegt Alexander Gerst zurück ins Weltall. Sechs Monate Aufenthalt auf der ISS sind geplant, die Hälfte der Zeit wird er sogar Kommandant auf der Raumstation sein, als erster Deutscher. Erst im November 2014 kam er von seinem ersten Aufenthalt auf der ISS zurück.

"Ich will wieder nach oben", war Alexander Gersts erste Reaktion, als er Anfang November 2014 wieder auf der Erde gelandet war. Sein Wunsch wird in Erfüllung gehen, das teilte Jan Wörner, der Generaldirektor der ESA, am 18. Mai 2016 im Europäischen Astronautenzentrum in Köln mit.

Gersts zweite Mission ab Mai 2018 wird unter anderem mehrere Forschungsprogramme auf der ISS fortsetzen. Darüber hinaus wird Alexander Gerst mit dem Trainingssystem "Mares" arbeiten, mit dem Muskelschwund in der Schwerelosigkeit erforscht wird. Gerst wird der erste deutsche und erst der zweite europäische Kommandant an Bord der ISS sein.

"Ich freue mich besonders darüber, meinen Beitrag zu einem der größten Explorationsabenteuer der Menschheit leisten zu dürfen, um neue Horizonte zu erforschen."

Alexander Gerst

Erster ISS-Aufenthalt erfolgreich abgeschlossen

Am 10. November 2014 erst kehrte Alexander Gerst nach seinem ersten Aufenthalt auf der ISS wieder auf die Erde zurück, nach fast 166 Tagen im All und etwa 2.500 Erdumrundungen. Körperlich hatte er den langen Weltraumaufenthalt und die Landung mit einer Sojus-Kapsel in Kasachstan gut überstanden, doch im ersten Moment war die Wehmut groß:

"Ich will wieder nach oben!"

Astronaut Alexander Gerst kurz nach seiner Rückkehr von der ISS

Bundesverdienstorden für Alexander Gerst

Am 13. Januar 2015 wurde Alexander Gerst von Bundespräsident Joachim Gauck das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der deutsche Astronaut wurde vor allem für seine wissenschaftlichen Leistungen auf der ISS geehrt.

"Der Flug hat gezeigt, welche Faszination ausgelöst werden kann, wenn der Mensch seine Grenzen überschreitet und die Bevölkerung daran teilhaben lässt."

Jan Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Blick aus der ISS auf die verletzliche Erde

Bewegt hat Gerst die Menschen aber vor allem mit seinem oft überraschenden Blick aus dem All auf die Erde. Der andere Blickwinkel war für Gerst von Anfang an wesentlicher Bestandteil seiner Weltraummission, für die er den Namen "Blue Dot" wählte:

"Von außen sieht man: Die Erde ist nicht nur eine begrenzte Kugel, sie ist auch noch relativ klein. Das Universum besteht vermutlich zu 99,99 Prozent aus schwarzem tödlichen Nichts, und an einer Stelle gibt es diesen blauen Punkt. Das ist unsere Heimat und die ist nicht von einer robusten Atmosphäre umgeben, sondern von einem zarten Schleier, der uns als einziges schützt."

Alexander Gerst

Live dabei mit @Astro_Alex

Woran auf der ISS geforscht wurde

6 Monate - 160 Experimente

Als Bordingenieur war Alexander Gerst für wissenschaftliche Experimente auf der ISS zuständig. Zusammen mit seinen Weltraum-Kollegen betreute er rund 160 Versuche, die in dem halben Jahr seines Aufenthalts in den Laboren der Raumstation durchgeführt wurden. Ein paar davon stellen wir Ihnen vor.

Der elektromagnetische Levitator

Ein Experiment war beispielsweise der elektromagnetische Levitator: ein Schmelzofen, in dem Legierungen hergestellt und untersucht werden können. Denn die Metallschmelzen verhalten sich in der Schwerelosigkeit völlig anders als auf der Erde.
"Ich würde mich riesig freuen, wenn wir mit den Legierungen, die wir da oben erforschen, Materialien entdecken, die vielleicht in zehn Jahren in einer Flugzeugturbine Treibstoff sparen," erklärte Alexander Gerst.

Kristallklare Ziele

Auch nach der Herstellung besonders reiner Halbleiterkristalle wurde geforscht. Denn je besser deren Qualität ist, umso schneller ist vielleicht Ihr nächster Computer.

Proteine wurden auf der ISS in ihrer Kristallform gezüchtet, um sie zu untersuchen. Biochemiker auf der Erde möchten den Aufbau der Eiweiße genau verstehen, die vielleicht bald in einem Medikament Verwendung finden.

Es gibt auch eine Art Wetterstation - für das Sonnenwetter. Die Beobachtung der Sonnenaktivität wird für uns auf der Erde immer wichtiger, denn Sonnenstürme mit ihren stark geladenen Teilchen bringen bei uns Navigationsgeräte und Elektronik ins Wanken.

Frische Forschung

Grünes auf der ISS: frischer Salat.

Seit April testet die NASA im US-Forschungsmodul Destiny, ob auf der Raumstation auch Salat wachsen kann. Und genießbar ist.

Frisches Gemüse scheint ein Weltraumtrend: Auch die Universität Erlangen will demnächst Tomaten als Kultur zur ISS bringen.

Wissenschaft am eigenen Leib

Gewollt oder ungewollt nahmen die Astronauten an Bord an einem weiteren Experiment teil: Wie sich der lange Aufenthalt im All und in der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper auswirkt. Und vor allem: Was Astronauten tun können, um die Schädigungen so gering wie möglich zu halten. Sie seien selbst "Versuchskaninchen" gewesen, sagte Alexander Gerst im Interview. "Es gibt sehr viele Experimente, mit denen wir Krankheiten erforschen. Sehr individuell, natürlich." Die Astronauten versuchten, Maßnahmen gegen den rapiden Muskel- und Knochenschwund sowie die schnellere Hautalterung zu finden, gegen die in der Schwerelosigkeit noch niemand gefeit ist.

Nächstes Ziel: Mars

Alexander Gerst bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Heimkehr auf die Erde.

Alexander Gerst hat das Leben im Weltraum gut gefallen. So gut, dass der heimgekehrte Astronaut gern auch zum Mars fliegen würde. "Ich hätte nichts dagegen, das ist mein Beruf. Wo auch immer wir uns entscheiden, hinzufliegen - das ist eine interessante Sache", sagt der 38 Jahre alte Geophysiker. "Meine Zukunft ist definitiv in der Raumfahrt." Mit seinen Erfahrungen soll Gerst helfen, die Voraussetzungen für eine Reise zum Roten Planeten zu erarbeiten. "Dass der Mensch eines Tages zum Mars fliegt, steht für mich außer Zweifel", sagt er. In Köln wird er bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA tätig sein und künftige Astronauten unterstützen. Auch bei Eurocom in Oberpfaffenhofen, dem Kontrollzentrum für das Columbus-Labor der ISS, wird er arbeiten. "Da ist mein Platz in den nächsten Jahren."

Der dritte deutsche Astronaut auf der ISS

Alexander Gerst war im Auftrag der europäischen Raumfahrtorganisation ESA von Mai bis November 2014 auf der ISS, rund 400 Kilometer über der Erde. Seit 2009 gehört er dem Europäischen Astronautenkorps an. Gerst war der elfte Deutsche im All und der dritte deutsche Raumfahrer auf der ISS, nach Thomas Reiter (2006) und Hans Schlegel (2008). Im Oktober hatte er als dritter Deutscher einen Außeneinsatz an der Raumstation absolviert.

Russisch-amerikanisch-deutsche WG im All

Insgesamt sechs Astronauten lebten gemeinsam auf der ISS. Zusammen mit Gerst waren als Expedition 41 der US-Astronaut Reid Wiseman und der russische Kosmonaut Maxim Surajew gekommen. Bis zum 10. September war die Expedition 40 mit an Bord, die Kosmonauten Alexander Skworzow und Oleg Artemjew und der NASA-Astronaut Steven Swanson. Danach komplettierte die Expedition 42 die Weltraum-WG, bestehend aus Jelena Serowa und Alexander Samokutjajew aus Russland sowie Barry Wilmore aus den USA.

Testen Sie Ihr All-Wissen!

Astronaut Alexander Gerst bereitet sich auf Flug zur ISS vor | Bild: picture-alliance/dpa, A. Gerst/ESA/dpa, Montage: BR zum Quiz Alexander Gerst und die ISS Der Astronaut auf der Raumstation

Mit Alexander Gerst war endlich wieder ein deutscher Astronaut auf der ISS. Wie viele waren schon vor ihm da? Und wie kam er überhaupt hin? Testen Sie Ihr Wissen - spätestens hinterher sind Sie schlauer! [mehr]

ISS - das Zuhause im All

ISS | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio mit Informationen Internationale Raumstation ISS Schwereloser Koloss im All

Die internationale Raumstation ist das größte Technikprojekt in der Geschichte der Menschheit. Seit dem Jahr 2000 leben und arbeiten ständig Astronauten auf der ISS. Wir nehmen Sie mit zu dem schwerelosen Koloss im All. [mehr]


Internationale Raumstation ISS | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio mit Informationen Leben auf der ISS Der Alltag im Weltall

Essen, schlafen und arbeiten - das ist der Alltag der Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS. Doch die Schwerelosigkeit macht alles anders und vor allem kompliziert. [mehr]

Hintergrund

Das europäische Forschungsmodul Columbus in einer grafischen Darstellung. Europas größter Beitrag zur Forschung auf der ISS: | Bild: ESA zum Audio mit Informationen Forschung auf der ISS Wohin treibt die Raumstation?

Die ISS ist eine gigantische Forschungsstation mit drei Labormodulen für Hunderte von Experimenten. Das lässt sich auch Europa einiges kosten. Doch lohnt sich der Aufwand? Was genau erforschen die Astronauten auf der ISS? [mehr]

Astronauten-Alltag

Standbild aus Space Night | Bild: Bayerischer Rundfunk zur Übersicht Space Night How to Become an Astronaut

Wie wird man ein Astronaut? Wir begleiten den Italiener Luca Parmitano bei der Vorbereitung auf seinen Astronauteneinsatz, beim Start im russischen Baikonur und bei seinem Alltag auf der ISS. [mehr]