Telekolleg - Deutsch


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Folge 5 Analyse journalistischer Darstellungsformen

In Deutschland kann man weit über 145 Fernsehprogramme empfangen, die meisten laufen rund um die Uhr. Im Zuge der Digitalisierung steigt die Anzahl der Sender um ein vielfaches. Die Frage ist nur, ob die Masse an Programmen auch Vielfalt verspricht.

Stand: 02.02.2012

Internet und Fernsehen | Bild: picture-alliance/dpa

Vergleicht man das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Privaten, ergeben sich klare Unterschiede in Sparten, Sendeformen und Inhalten. Der Medienforscher Udo Michael Krüger hat in seiner Programmanalyse das bundesweite empfangbare Programmangebot von ARD/Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben im Jahr 2010 analysiert. (siehe Artikel von Udo Krüger, Profile und Funktionen deutscher Fernsehprogramme, Media Perspektiven 4/2011). In den Sparten Information und Fiktion gibt es deutliche Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern:

ARD/Das Erste bieten täglich 40,4 Prozent Information, das entspricht 582 Minuten ihrer gesamten Sendezeit. 34,6 Prozent fiktionale Angebote(Spielfilme, Krimis etc) und 111 Minuten sind Sport mit 7,7 Prozent. Die restliche Sendezeit verteilt sich auf nonfiktionale Unterhaltung.

Beim ZDF war die Sparte Information mit 47,9 Prozent und der fiktionale Anteil mit 27,2 Prozent vertreten. Im Gegensatz zur ARD folgte an dritter Stelle die nonfiktionale Unterhaltung mit 9,4 Prozent vor dem Sport mit 6,5 Prozent.

Das RTL Programm hingegen bot ein Drittel der gesamten Sendezeit nonfiktionale Unterhaltung (Dokusoaps, Dokuinszenierungen, Talkshows, Castingshows usw.) mit 479 Minuten (33,3 Prozent). Fiktion und Informationen betrugen 22 Prozent. RTL erhöhte in den letzten zwei Jahren sein Angebot in nonfiktionaler Unterhaltung mit Reduzierung der fiktionlaen Angebote. ProSieben wiederum reduzierte nonfiktionale Unterhaltung und verstärkte dafür ihr Spielfilmangebot.

Deutlich mehr Informationen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern

Bei den öffentlichen-rechtlichen Sendern ist der Umfang von Nachrichtenangeboten, Magazinen, klassischen Reportagen und Dokumentationen knapp ein Zehntel der Sendezeit und damit doppelt so viel wie bei RTL mit nur 4,1Prozent. Ähnlich war der Unterschied auch bei klassischen journalistischen Reportagen und Dokumentationen.

Die Reportagen und Dokumentationen bei ARD und ZDF behandelten ein breites Spektrum an Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Zeitgeschichte. Diese wurden hauptsächlich mit klassischen Sendeformen vermittelt. Die inhaltlichen Schwerpunkte der privaten Sender lagen weiterhin im nichtpolitischen Bereich, mit Themen aus dem Alltagsleben, zwischenmenschlichen Beziehungen sowie Recht, Kriminalität, Unfall und Katastrophen. Diese wurden meist über Doku Soaps und Doku Inszenierungen vermittelt.

Fazit der Programmanalyse des Medienforschers Udo Krüger:
Die Programmprofile der öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Sender unterscheiden sich dadurch, dass erstens das Informationsangebot fast doppelt so groß ist. Dabei werden zweitens, z.B. bei den Talkshows und den Nachrichten, die Gewichte anders gesetzt: Es überwiegen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern die politikorientierten Themen und "hard news" vor den alltagsbezogenen Beziehungsthemen und den "soft news". Drittens ist der Anteil an Fiktion und Werbung bei den kommerziellen Sendern viel größer als bei den öffentlich-rechtlichen

Literatur:

  • Udo Michael Krüger: Profile und Funktionen deutscher Fernsehprogramme. Programmanalyse 2010 - Teil 1: Sparten und Formen. In: Media Perspektiven 4/2011
  • Udo Michael Krüger: Sendungsformen, Themen und Akteure im Nonfiktionangebot von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Programmanalyse 2010 - Teil 2. In: Media Perspektiven 5/2011

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