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Fast alle Planeten im September Venus am Abend, Merkur am Morgen

Abendstern Venus führt den Planeten-Reigen im September an, Mars und Saturn tanzen ihr hinterher. Geübte können Neptun und Uranus beobachten - mit einer Planetenbedeckung! Sogar der seltene Merkur taucht in diesem Monat kurz auf.

Stand: 31.08.2016

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich ändert sich ein wenig.

Die Planeten im September

Den Anfang macht im September die Venus, allerdings mit einem sehr kurzen Auftritt. Ihr folgt das Duo Mars und Saturn mit einer Abschiedsszene. Geübte können danach die fernen Gasriesen Neptun und Uranus beobachten. Neptun lohnt sich im September besonders, nicht nur, weil er vom Mond bedeckt wird. Und auch für Frühaufsteher hat der September noch ein Highlight: Merkur taucht zum Monatsende als Morgenstern auf.

Schüchterner Abendstern Venus

Venus im September

Schon seit ein paar Wochen ist die Venus wieder am Abendhimmel zu sehen. Vermutlich ist sie Ihnen aber noch gar nicht aufgefallen, denn der sonst so prächtige Abendstern übt sich derzeit in Bescheidenheit. Kurz nach Sonnenuntergang taucht unsere Nachbarin ganz tief im Westen auf. Doch Sie haben nur einen kurzen Augenblick Zeit, sie zu entdecken: Immer etwa eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang wird sie sichtbar - Anfang September ab kurz nach acht Uhr, zum Monatsende eine ganze Stunde eher.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Dann ist sie bereits bis auf zwei, drei Fingerbreit an den Horizont herangerückt und ist in der Dämmerung nur noch zu sehen, weil die Venus mit einer scheinbaren Helligkeit von -3,9 mag das hellste Objekt nach Sonne und Mond ist. Zwanzig bis dreißig Minuten später wird sie dicht am Horizont unsichtbar.

Abendstern Venus im Westen

Obwohl es allabendlich früher dunkelt, werden die Bedingungen für die Venus nicht besser, auch in den kommenden Wochen noch nicht. Denn ihr Weg übers Firmament führt sie durch immer tiefer am Horizont liegende Sternbilder. Im September wandert sie durch das Frühlingsbild Jungfrau und zieht am 18. September mit nur einem Fingerbreit Abstand an derem hellsten Stern Spika vorbei. Ein guter Moment, nach der Venus Ausschau zu halten, bietet sich gleich zu Monatsbeginn am 3. September: Dann steht die ganz junge, hauchzarte Mondsichel drei Fingerbreit links über der Venus und führt Sie zu ihr.

Planetenduo Mars und Saturn

Mars und Saturn im Südwesten

Kurz nach dem Untergang der Venus tauchen in der zunehmenden Abenddämmerung die beiden nächsten Planeten auf: Mars und Saturn werden im Südwesten sichtbar, sobald der Himmel dunkel genug ist. Anfang September stehen die beiden noch sehr dicht beieinander. Saturn, der größere der beiden, ist genau drei Fingerbreit über Antares zu finden, dem hellsten Stern im Skorpion, der jetzt nur noch mühsam über den Horizont schaut.

Mars, etwas kleiner und heller als Saturn, ist drei Fingerbreit links unter ihm zu sehen. Mars, Saturn und Antares bilden ein auffälliges, helles Dreieck. Bis etwa halb elf Uhr abends sind die drei zu sehen, dann schluckt sie langsam der Dunst am Horizont.

Mond beim Planetenduo

Besonders hübsch ist der Anblick am 8. und 9. September, wenn der Mond die beiden Planeten besucht: Am 8. September steht der Mond zwei Fingerbreit rechts über Saturn, am Abend darauf genau über Mars, dann zieht er weiter Richtung Osten.

Mars verabschiedet sich von Saturn

Unser äußerer Nachbar Mars ist jedoch sehr flott unterwegs und zieht im Monatsverlauf davon, linkswärts über das Band der Milchstraße. Ende September hat er sich schon auf zwei Handbreit von Saturn entfernt.

Das rettet ihm auch etwas Sichtbarkeit. Denn während Saturn Ende September bereits kurz nach halb zehn Uhr untergeht und schon gegen neun Uhr unsichtbar wird, können Sie den Mars noch eine Stunde länger sehen.

Neptun und Uranus für geübte Beobachter

Neptun und Uranus im September

Wenn der Himmel richtig finster geworden ist, dann können Sie sich auf die Suche nach dem nächsten Planetenpaar begeben. Die beiden Gasriesen Neptun und Uranus tauchen am späten Abend auf. Allerdings brauchen Sie Ausrüstung und Geduld: Beide sind so weit von der Erde entfernt, dass sie am Firmament nur schwache Lichtlein bilden. Uranus können Sie in einer sehr klaren Nacht gerade noch mit bloßem Auge sehen, doch für Neptun brauchen Sie ein lichtstarkes Fernglas mit Stativ oder ein Teleskop.

Doch der September ist ideal, um Neptun einmal zu sehen, denn am 2. September steht der Planet in Opposition zur Sonne und erreicht den erdnächsten Punkt im Jahr. Ab etwa zehn Uhr abends steht er hoch genug zur Beobachtung, Uranus kurz darauf. Jeden Abend werden die Bedingungen etwas besser, da die beiden früher aufgehen und die Nächte eher dunkeln. Ende September können Sie sich schon um halb neun Uhr auf die Suche begeben. Zur Monatsmitte werden die zwei fernen Planeten allerdings vom hellen Mondlicht überstrahlt.

Mond bedeckt Neptun

Mond bedeckt Neptun

Am 15. September macht jedoch der Mond Neptun so richtig sehenswert: Ab Viertel nach neun Uhr abends schiebt sich die fast schon volle Mondscheibe von rechts oben über das winzige Scheibchen des Neptun. Eine Dreiviertelstunde später taucht Neptun auf der anderen Seite der Mondscheibe wieder auf. Mit bloßem Auge können Sie das nicht sehen, aber vermutlich öffnen viele Sternwarten ihre Teleskop-Deckel für dieses Ereignis.

Merkur am Morgen

Und noch ein kleines Highlight hat der September-Sternenhimmel zu bieten: Der innerste Planet Merkur taucht auf. Etwa ab dem 24. September können Sie ihn vor Sonnenaufgang finden, vielleicht schon ein, zwei Tage eher. Kurz nach sechs Uhr macht sich sein kleines, gleißendes Licht in der zunehmenden Morgendämmerung bemerkbar. Der Planet steht um die Uhrzeit genau im Osten, zwei bis drei Fingerbreit über dem Horizont. Tagtäglich nimmt seine scheinbare Helligkeit ein wenig zu, bis er am letzten Septembermorgen mit -0,8 mag alle Sterne ringsum bei Weitem übertrifft.

Merkur Ende September

Daher können Sie ihn bei klarer Sicht bis eine Viertelstunde vor Sonnenaufgang sehen - bis etwa sieben Uhr. Mit nur sieben bis acht Bogensekunden im scheinbaren Durchmesser ist Merkur allerdings winzig klein.

Besonders schön ist der Anblick am Morgen des 29. Septembers, wenn die dünne Mondsichel kurz vor Neumond einen Fingerbreit rechts über Merkur steht und Sie zu dem Winzling führt.

Im Sonnenlicht verborgen

Nur ein Planet des Sonnensystems bleibt im September völlig unsichtbar: der große Jupiter. Er zieht gerade hinter der Sonne vorbei und steht am 26. September in der sogenannten unteren Konjunktion genau hinter ihr. Im Oktober wird sein vertrautes, ruhiges Licht wieder auftauchen - doch davon mehr im nächsten Monat.


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