Wissen - Sternenhimmel


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Fast alle Planeten im August Jupiter nimmt Abschied, die Venus kehrt zurück

Endlich: Abendstern Venus kehrt zurück, noch ein wenig schamhaft. Der riesige Jupiter räumt dafür das Feld. Mars streift fast den Saturn und für Geübte haben wir noch ein heimliches Paar Planeten im August 2016.

Stand: 01.08.2016

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind meist keine Sterne, sondern Planeten. Die meisten unserer Planeten strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da sie unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen die Planeten etwas anders, allabendlich ändert sich ein wenig.

Die Planeten im August

Im August können Sie einen letzten Blick auf Jupiter früh am Abend erhaschen, der den Staffelstab an die Venus weitergibt: Sie taucht erstmals wieder auf, ist aber auch nur kurz zu sehen. Das Duo Mars und Saturn führt weiterhin im Süden sein kleines Tänzchen auf, diesmal mit einer Planetenbegegnung. Und wer mit dem Teleskop und viel Geduld bewaffnet ist, kann in später Nacht nach Neptun und Uranus Ausschau halten.

Tschüss Jupiter!

Jupiter & Venus Anfang August

Fast ein Jahr lang hat uns sein ruhiges, weißes Licht begleitet und war die vergangenen Monate stets das erste und das hellste Licht am Firmament. Damit ist jetzt Schluss: Jupiter nimmt jetzt Abschied und zieht demnächst hinter der Sonne vorbei. Anfang August können Sie den größten Planeten des Sonnensystems noch kurz sehen: Um kurz nach neun Uhr, eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang, wird er in der Dämmerung sichtbar.

Jupiter steht dann etwa eine Handbreit über dem Horizont im Westen. Weil er mit einer scheinbaren Helligkeit von -1,8 mag immer noch alle Sterne übertrifft, ist er bis kurz vor seinem Untergang noch zu erkennen. Nach zehn Uhr schluckt ihn die Dunstschicht. Abend für Abend geht Jupiter um drei bis vier Minuten früher unter, daher dürfte er ab Mitte August fürs bloße Auge gar nicht mehr zu sehen sein.

Hallo Venus!

Abendstern Venus im Westen

Während Jupiter verblasst, erstrahlt in seiner Nähe ein lang vermisstes Licht: Die Venus kehrt zurück. Vor mehr als einem Jahr war sie zuletzt als Abendstern zu sehen. Doch sie zögert noch: Anfang August hat sie nur anderthalb Handbreit Abstand zur Sonne und ist vermutlich noch kaum zu entdecken. Doch der Abstand wächst mit jedem Tag ein wenig. Wenn die Venus dann auftaucht, bleibt Ihnen nur ein kurzer Moment, um sie zu sehen:

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Die Venus ist mit einer scheinbaren Helligkeit von -3,8 mag das Hellste, was es nach Sonne und Mond am Himmel gibt. Deshalb ist auch sie, wie Jupiter, etwa eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang schon zu entdecken: Anfang August ab kurz nach neun, Ende August fast eine Stunde früher. Doch dann steht die Venus nur noch zwei Fingerbreit über dem Horizont, am Monatsende nur einen Tick höher. Etwa eine halbe Stunde haben Sie Zeit, dann geht die Venus selbst unter.

Eigentlich sollten sich die Bedingungen allabendlich bessern: Die Venus entfernt sich ja von der Sonne, und die geht auch noch immer früher unter. Das heißt normalerweise: Der Planet müsste Abend für Abend länger und besser zu sehen sein. Aber nein: Die Venus geht stattdessen im August selbst jeden Abend ein bis zwei Minuten früher unter, die Sichtbedingungen ändern sich kaum. Schuld daran ist ihr Weg übers Firmament: Der führt die Venus im August in immer südlichere Gefilde, vom Löwen zur Jungfrau. Auch in den kommenden Monaten wird das so bleiben, wenn sie weiter durch Waage, Skorpion und Schütze zieht. Das sind die Sternbilder, die an unserem Nordhimmel am tiefsten liegen. So wandert unser Abendstern die ganze Zeit nah am Horizont entlang und bleibt unauffälliger als sonst.

Mondsichel bei Venus und Jupiter

Mondsichel dicht bei der Venus

Am 4. August gibt es eine gute Gelegenheit, nach der Venus Ausschau zu halten: Suchen Sie ab neun Uhr abends in der Dämmerung nach Jupiter, das helle Licht eine Handbreit hoch im Westen. Fast zwei Handbreit rechts darunter finden Sie dicht über dem Horizont die zarte Mondsichel - und vier Fingerbreit neben ihr die Venus. Am 5. August ist die Mondsichel dann rechts von Jupiter zu sehen, am Abend darauf links von ihm.

Heimliches Rendezvous im Dämmerlicht

Begegnung von Venus und Jupiter

Die Venus rast so schnell übers Firmament, dass sie die zweieinhalb Handbreit bis zu Jupiter in wenigen Wochen hinter sich lässt: Am 27. August hat sie Jupiter eingeholt und zieht ganz dicht an dem Riesen vorbei. Um acht Uhr abends sind die beiden nur noch zwölf Bogenminuten voneinander entfernt - Ihr Daumen ist zehnmal breiter. Schade nur, dass Jupiter zu diesem Zeitpunkt nicht mehr fürs bloße Auge sichtbar ist. Aber in einem lichtstarken Fernglas (mit Stativ!) können Sie die Begegnung sehen. Es lohnt sich: Einen so deutlichen Eindruck vom Wandern der Planeten und ihren Unterschieden bekommt man nicht oft!

Unterschiedliches Paar

Venus und Jupiter am 27. August 2016:

  • Venus ist mit -3,8 mag zwei Größenklassen heller als Jupiter
  • mit 30 Bogensekunden ist Jupiters scheinbarer Durchmesser dreimal größer als der der Venus
  • mit 143.000 Kilometern Durchmesser ist Jupiter in Wirklichkeit zehnmal größer als die Venus
  • Venus ist jetzt 230 Millionen Kilometer von uns entfernt, Jupiter fast 890 Millionen Kilometer

Die zweite Planeten-Begegnung: Mars und Saturn

Mars und Saturn im Süden

Mars und Saturn tanzen schon seit einer ganzen Weile ein Tänzchen am Abendhimmel: Sie tummeln sich beim hübschen Sommersternbild Skorpion im Süden. Erst waren sie ganz dicht beieinander, dann rannte der Mars davon. Im Juli hat er es sich wieder anders überlegt und zieht seither zu Saturn zurück. Jetzt im August wandert unser Nachbar an dem großen Ringplaneten vorbei. Anfang August steht Mars noch rechts vom Skorpion, eine gute Handbreit von Saturn entfernt, der sich über dem hellen Stern Antares befindet. Doch Mars nähert sich schnell: Am 24. August zieht er genau zwischen Saturn und Antares hindurch, gut zwei Fingerbreit unter Saturn und weniger als einen Fingerbreit über Antares.

Bei Antares, dem Gegen-Mars

Antares ist für Mars nicht irgendein Stern: Sein Name steht für den "Anti-Ares", den "Gegen-Mars" (Ares ist in der griechischen Mythologie die Entsprechung des römischen Kriegsgottes Mars). Denn Antares liegt zum Einen genau auf der Ekliptik, auf der der Mars entlang wandert. Alle zwei Jahre kommt Mars dem Antares dadurch ganz nah. Zum Anderen ist Antares hell und rot - fast wie der Mars. Genauer: Mars ist heller, Antares dafür etwas röter. Der Stern ist eine gigantische, uralte Sonne, ein sogenannter Roter Riese.

Auch der Mond schaut sich das Trio Mars-Saturn-Antares genauer an: Am Abend des 11. August steht seine zunehmende Scheibe ein paar Fingerbreit rechts über Mars, am folgenden Abend dann links über Saturn. Sie haben im August nicht mehr ganz so lange Zeit, um Mars und Saturn zu beobachten. Mars geht zu Monatsbeginn um halb eins unter, Saturn etwa eine Stunde später. Ende August versinken beide schon etwa um halb zwölf Uhr unter dem Horizont. Gut eine Stunde vor dem Untergang schluckt sie allmählich der Dunst am Horizont.

Neptun und Uranus für geübte Beobachter

Neptun und Uranus im August

Noch ein Planeten-Paar hat der August zu bieten, aber ein unauffälliges: Die beiden Gasriesen Neptun und Uranus tauchen in später Nacht auf. Doch die zwei sind nicht ganz einfach zu entdecken, denn beide sind so weit von der Erde entfernt, dass sie am Firmament nur schwache Lichtlein bilden. Uranus können Sie in einer sehr klaren Nacht gerade noch mit bloßem Auge sehen, doch für Neptun brauchen Sie ein lichtstarkes Fernglas mit Stativ oder ein Teleskop.

Die Beobachtungsbedingungen für die beiden werden jetzt im August deutlich besser, weil sie immer früher aufgehen und auch die Nacht immer eher beginnt. Anfang August lohnt die Suche ab halb ein Uhr nachts, dann ist Uranus etwa eine Handbreit hoch im Osten, Neptun etwas höher im Südosten. Ende August können Sie die beiden schon ab halb elf Uhr beobachten. Neptun wird allerdings etwa vom 17. bis 21. August vom Mondlicht überstrahlt, Uranus vom 20. bis 24. August.

Im Sonnenlicht verborgen

Nur ein Planet des Sonnensystems ist im August gar nicht zu sehen: Merkur. Dabei ist er ganz in der Nähe der Venus am Abendhimmel. Doch er ist viel kleiner und dunkler als die Venus und kann sich gegen die helle Dämmerung tief am Horizont nicht zur Wehr setzen.


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