Wissen - Sternenhimmel


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Planeten im Juni Jupiter am Abend, Venus am Morgen

Das erste Licht abends im Juni schickt der Riese Jupiter. Nur ein einziger Planet ist noch heller als er: die Venus, die als prächtiger Morgenstern erscheint. Und tief im Süden breitet Saturn seine Ringe über den sommerlichen Sternenhimmel.

Stand: 31.05.2017

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich ändert sich ein bisschen.

Die Planeten im Juni im Überblick

Drei helle Planeten führen Sie durch die Juninacht: Der Riese Jupiter dominiert abends den Sternenhimmel im Südwesten. In den wenigen dunklen Nachtstunden ist der Ringplanet Saturn jetzt ideal zu beobachten. Und morgens erstrahlt die Venus als heller Morgenstern. Auch den fernen Neptun können Sie jetzt wieder entdecken, allerdings noch nicht ideal.

Jupiter in der Jungfrau

Im Juni dauert es lange, bis der Planet Jupiter die Herrschaft am Himmel übernehmen kann, denn seine einzige wirkliche Rivalin lässt sich Zeit: Erst nach neun Uhr abends geht die Sonne unter. Doch etwa eine halbe Stunde später macht sich Jupiter schon in der frühen Abenddämmerung bemerkbar. Denn der größte Planet im Sonnensystem ist auch am Sternenhimmel ein Gigant: Mit einer scheinbaren Größe von knapp 40 Bogensekunden ist Jupiter ein auffallender Brummer. Und mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,2 mag übertrifft Jupiter alle Sterne bei Weitem.

Jupiter im Juni

Selbst die Spika eine gute Handbreit links von Jupiter kann ihm nicht das Wasser reichen: Sie ist der hellste Stern im Sternbild Jungfrau und der zehnthellste Stern an unserem Nachthimmel. Doch mit nur 0,98 mag ist sie über drei Größenklassen dunkler als Jupiter, der gut zwanzigmal mehr Licht zu uns schickt. (Die Lichtmenge ändert sich pro Größenklasse um das 2,5-fache.)

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Zweimal misst sich Jupiter in diesem Monat mit dem hellen Mondlicht: Vom 2. bis 4. Juni zieht die zunehmende Mondscheibe an Jupiter vorbei und steht am 3. Juni nur einen Fingerbreit von dem Planeten entfernt. Am 30. Juni kommt der Mond erneut bei Jupiter vorbei. Der große Planet ist aber auch dann noch unübersehbar hell.

Doch Jupiter ist angezählt, die Nacht entgleitet ihm. Immer früher geht der Planet unter: Anfang Juni herrscht er noch bis drei Uhr morgens, wenn die erste Morgendämmerung anbricht. Doch Ende Juni versinkt sein Licht schon um ein Uhr morgens im Dunst des Horizonts.

Saturn zwischen Skorpion und Schütze

Wenn Jupiter schon deutlich dem Horizont entgegensinkt, dann kommt im Juni die beste Zeit für einen anderen Planeten: Saturn steht dann hoch im Süden. Der große Ringplanet ist uns jetzt so nah wie nie im Jahr: Am 15. Juni steht Saturn in Opposition und befindet sich aus unserer Sicht der Sonne genau gegenüber. Wie der Vollmond ist der Planet jetzt auf der Nachtseite der Erde zu sehen und wird voll vom Sonnenlicht angestrahlt. Bis es von Saturn reflektiert wieder zu uns gelangt, braucht das Licht allerdings eineinviertel Stunden, denn der Planet ist fast 1,4 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt.

Ab halb elf Uhr abends macht sich Saturn im Südwesten in der Abenddämmerung bemerkbar. Anfang Juni ist er dann erst knapp über den Horizont gekrochen. Zum Monatsende ist der Planet bereits ab zehn Uhr zu sehen, wenn der Himmel dunkel genug geworden ist. Mit 0,1 mag scheinbarer Helligkeit ist Saturn zwar lange nicht so hell wie Jupiter, aber dennoch heller als alle Sterne ringsum.

Saturn bei Schütze und Skorpion

Die beste Zeit für Saturn ist im Juni zwischen ein und zwei Uhr nachts. Dann ist die kurze Juninacht richtig finster geworden, sodass Sie Saturns hübsche Umgebung richtig gut erkennen können: Der Planet steht zwischen den beiden Sommer-Sternbildern Skorpion und Schütze, genau auf dem breiten Band der Sommer-Milchstraße, die zu so später Stunde steil vom Süden aufragt. Und auch Saturn und die beiden Sternbilder stehen genau im Süden - und damit an ihrer höchsten Position. Es lohnt sich, wenn Sie jetzt ein Fernglas mit Stativ oder gar ein kleines Teleskop dabei haben, um nach Saturns prächtiger Ringebene zu gucken.

Saturns Ringe öffnen sich

Sehenswerte Ringe

Saturn mit seinen Ringen

Was Saturn richtig sehenswert macht, bleibt dem bloßen Auge verborgen. In guten Ferngläsern oder kleinen Teleskopen zeigt der Planet sein eindrucksvolles Ringsystem. Schon ab 15-facher Vergrößerung wird Saturn plötzlich länglich, dann "wachsen" ihm Henkel rechts und links. So sah ihn im 17. Jahrhundert der Astronom Galileo Galilei. Bei 22-facher Vergrößerung können Sie das Ringsystem klar vom Planeten unterscheiden. Mit 200-facher Vergrößerung kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Saturn kippt

Neigung der Ringebene Saturns im Verlauf

Die Ringe bieten einen immer wechselnden Anblick: Mal können wir auf die Ringebene blicken, mal sehen wir nur ihre Kante wie einen Strich vor dem Planeten. Der Grund dafür: Die Ebene von Saturns Ringen ist geneigt zur Ekliptik, der Ebene der Planeten. In den knapp dreißig Jahren, in denen er einmal um die Sonne reist, neigt er uns daher mal seine Südhalbkugel zu, mal die Nordhalbkugel. Und dazwischen, ganz selten, auch mal die Kante der Ringe ...

Auf die Kante

Alle 15 Jahre gibt es einen Moment, an dem die Erde sich genau auf der gleichen Ebene wie Saturns Ringe befindet - die Kantenstellung, die die Ringe fast verschwinden lässt. Dieser Moment trat zuletzt im September 2009 ein. Seither öffnen sich die Ringe für uns langsam wieder.

Ab in den Norden

Wir blicken immer mehr auf die Nordhalbkugel des Planeten. Im Oktober 2017 wird Saturns Norden maximal zu uns "gekippt" sein, dann erscheinen die Ringe am breitesten. Danach neigt sich Saturn allmählich wieder zurück, bis wir 2025 wieder auf die Kante der Ringebene blicken.

Kurz zurück

Jedes Jahr gibt es einige Monate, in denen Saturn um ein paar Grad "zurückkippt": Während der Oppositionsschleife ist auch die scheinbare Bewegung der Ringebene rückläufig, die nur aus der Stellung der Erde zu Saturn entsteht.
Saturns momentane Kippbewegung, mit der er uns immer mehr seine Nordhalbkugel zuwendet, ist im Jahr 2017 von April bis August unterbrochen: Der Planet durchläuft gerade seine Oppositionsschleife und kippt ganz leicht zurück, die Ringebene schließt sich ein kleines bisschen. Doch anschließend kippt er wieder andersherum, die Ringe öffnen sich immer weiter.

Um den 9. Juni herum können Sie aber weder Saturns Ringe noch seine zarten Begleiter sehen: Die helle Mondscheibe in der Nähe überstrahlt alles. Der Vollmond am 9. Juni ist nur zwei Fingerbreit von Saturn entfernt.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Ferner Neptun kehrt zurück

Noch ungünstig: Neptun

Ein Vierteljahr lang war er nicht zu sehen, jetzt im Juni kehrt Neptun an den Nachthimmel zurück. Doch der Gasriese ist so weit von uns entfernt, dass Sie ihn mit bloßem Auge niemals sehen können. Mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 7,9 mag wird er erst in guten Ferngläsern oder Teleskopen sichtbar. Anfang Juni geht Neptun noch zu spät auf, erst zur Monatsmitte könnte er zu finden sein. Doch ein lohnendes Objekt ist Neptun noch nicht, dazu sind die Juninächte zu kurz und Neptun noch zu tief. Ende Juni erreicht er um zwei Uhr ausreichende Höhe über dem Horizont im Südosten, gerade, wenn die erste Morgendämmerung einsetzt. In den kommenden Monaten können Sie Neptun besser beobachten.

Morgenstern Venus im Osten

Morgenstern Venus im Juni

Wenn Sie den hellsten aller Planeten sehen wollen, müssen Sie aber noch ein bisschen länger wach bleiben, oder sehr früh aufstehen: Morgens taucht die Venus als Morgenstern im Osten auf. Anfang Juni macht sie sich erst gegen vier Uhr bemerkbar, zwei Fingerbreit über dem Horizont im Osten. Doch unsere innere Nachbarin ist nicht zu übersehen: Mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,3 mag ist sie das zweithellste Objekt am Nachthimmel. Nur der Mond übertrifft sie. Und so können Sie die Venus selbst in der hellen Morgendämmerung noch entdecken. Erst kurz vor fünf Uhr löscht sie das Licht der nahenden Sonne.

Was die Venus so hell macht

Die Bedingungen werden im Juni für die Venus tagtäglich besser, denn jeden Morgen geht sie früher auf. Ende Juni wird sie schon ab drei Uhr im Osten sichtbar, da ist der Himmel noch leidlich dunkel. Der Sonnenaufgang hat sich aber wenig geändert: Bis kurz vor fünf Uhr können Sie die Venus finden. Das macht fast zwei Stunden Venuslicht zum Monatsende.

Besonders schön ist der Anblick des Morgensterns am 20. und 21. Juni, wenn die zarte Mondsichel dicht bei der Venus steht.

Unsichtbar im Sonnenlicht

Rechts der Venus ist eigentlich noch ein weiterer Planet am Firmament: Uranus geht vor ihr auf. Doch der ferne Planet ist so lichtschwach, dass er in der Morgendämmerung nicht zu finden ist. Auch der innerste Planet Merkur ist im Juni nicht zu sehen: Er wandert gerade hinter der Sonne vorbei. Dorthin ist auch unser äußerer Nachbar Mars unterwegs und bleibt unsichtbar.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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