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Filmkritik Was eine junge Transfrau über "The Danish Girl" denkt

"The Danish Girl" erzählt die Geschichte einer Transfrau in den 20er Jahren. "Zuckersüß und blutleer" sagen die einen, "oscarverdächtig" die anderen. Wir wollten wissen, was eine junge Transfrau von heute von dem Film hält.

Von: Lisa Altmeier (Protokoll)

Stand: 12.01.2016

Eddie Redmayne als Transfau Lili Elbe in "The Danish Girl" | Bild: Pretty Pictures/Harrison Productions/ELBE Senator Film Produktion/MMC Independent/Working Title Films

"The Danish Girl" ist ein Film über eine ungewöhnliche Frau: Eddie Redmayne spielt die dänische Malerin Lili Elbe, eine der ersten bekannten Personen, die sich um 1930 einer geschlechtsangleichenden OP unterzogen hatte. Der Film wurde 2015 bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig mit dem "Queer Lion Award" ausgezeichnet - trotzdem ist er umstritten: "Zuckersüß und blutleer" sagen die einen Kritiker, "oscarverdächtig" die anderen.

Wir haben Feli für PULS ins Kino geschickt: Sie ist 18, kommt aus Bamberg und wurde in einem Jungenkörper geboren - so wie Lili Elbe.

Unsere Filmkritikerin Feli

"Mein erster Eindruck von dem Film war: Toll! Ich war zusammen mit einer Freundin drin und wir mussten hinterher noch eine Stunde drüber reden, weil wir so begeistert waren. In 'The Danish Girl' geht es um den verheirateten Maler Einar Wegener. Der entdeckt im Dänemark der 1920er Jahre, dass er in Wahrheit gar kein Er ist, sondern eine Sie. Sie nennt sich von da an Lili und fängt an, Frauenkleidung zu tragen. Eine schwierige Zeit beginnt - und zwar nicht nur für die Transfrau Lili, sondern auch für ihre Ehefrau Gerda, die sich ihren Mann zurückwünscht. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.

Ich war von 'The Danish Girl' total geflasht, denn ich konnte mich mit der Hauptfigur sehr gut identifizieren: Viele Situationen, die Lili erlebt hat, kenne ich aus meinem Leben. Zum Beispiel dieses Gefühl, wenn du sehnsüchtig ein Kleid vor den Körper hältst. Wie Lili hatte auch ich früher oft Angst davor, mich in Frauenkleidung auf die Straße zu trauen. Die Anfeindungen im Alltag hätten allerdings noch stärker herausgearbeitet werden können. Lili wurde zwar einmal auf der Straße verprügelt, ansonsten hat ihr Umfeld aber ziemlich entspannt reagiert. In der Realität einer Transfrau passieren solche Pöbeleien und Angriffe jedoch ziemlich häufig und ich kann mir nicht ganz vorstellen, dass das in den 20er Jahren anders gewesen sein soll.

Lili lässt sich in Dresden operieren - der Hammer, dass Geschlechtsangleichungen damals überhaupt schon angeboten wurden. Ich selbst habe mich ebenfalls operieren lassen und bin froh, dass die OPs heute nicht mehr so lebensgefährlich sind wie damals. Ein paar Leute werfen dem Film vor, dass er zu OP-fixiert sei. Natürlich kann man auch ohne OPs gut als Transfrau leben, das muss jede Person für sich entscheiden. Aber da der Film nun mal auf den Tagebüchern der Malerin Lili Elbe beruht und diese Operation Realität war, hab ich kein Problem damit.

In anderen Kritiken habe ich gelesen, dass die Liebesgeschichte im Film viel zu kitschig sei. Das fand ich persönlich jetzt nicht so schlimm, ich mag Kitsch. Mich hat allerdings sehr gestört, dass für die Rolle der Lili ein Mann als Schauspieler gewählt wurde und keine Transfrau. In ein paar Trans-Facebook-Gruppen, in denen ich bin, wurde deshalb sogar zum Boykott des Films aufgerufen. Das finde ich zwar etwas übertrieben, aber der Punkt ist auf jeden Fall kritikwürdig.

Eddie Redmayne als Lili Elbe - viele hätten lieber eine Transfrau in der Rolle gesehen

Was ich ebenfalls problematisch finde, ist, dass Sexualität und Geschlecht durcheinander geschmissen wurden: Als Lili noch Einer hieß, stand sie offensichtlich auf Frauen. Als sie dann offiziell Lili wurde, traf sie sich plötzlich mit Männern und wollte unbedingt einen Mann heiraten. Das hat mich irritiert, denn durch eine Geschlechtsangleichung ändert sich ja nicht deine sexuelle Orientierung. Es gibt auch schwule Transmänner und lesbische Transfrauen. Außerdem wurde im Film ausgelassen, dass die Ehefrau Gerda nicht nur auf Männer, sondern auch auf Frauen stand.

Trotz der Kritik: Emotional hat der Film mich total gepackt und ich glaube, er kann schon dazu führen, dass die Akzeptanz für Transmänner und -frauen weiter wächst. Ich darf ja nicht zu viel verraten, aber am besten gefallen hat mir das Ende - auch wenn es ziemlich traurig ist. Generell würde ich mir wünschen, dass in Zukunft das Thema Trans noch viel selbstverständlicher dargestellt wird. Also, dass in Film und Fernsehen Transfrauen in alltäglichen Rollen vorkommen, ohne dass das Thema trans im Mittelpunkt steht. Ein gutes Beispiel dafür ist übrigens schon jetzt die Serie 'Orange is the new Black'."

- Feli, 18 Jahre

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Greta, Donnerstag, 14.Januar, 01:11 Uhr

1. Schöner Artikel

Schön, aus der Sicht einer Transfrau zu lesen!
Ich muss sagen, der Film ist schauspielerisch fantastisch. Die Kritik, dass ein Mann die Rolle gespielt hat, verstehe ich jedoch nicht - ein Schauspieler schlüpft in unzählige verschiedene Rollen, warum nicht auch in die einer Intersexuellen? Immerhin konnte er ja auch Stephen Hawking darstellen, ohne unter ALS zu leiden, während die Brokeback Mountain-Jungs Schwule mimten. Das ist doch gerade die Kunst des Schauspiels - und wie wunderbar er sich eingefühlt hat! MMn ist DAS so wichtig, das Empathie für Intersexuelle geschaffen wird, die seltsamerweise oft nicht vorhanden ist. Ich bin nicht davon betroffen, sondern, wie man so schön sagt, 'normal' - und doch fühlte ich mich als Kind schon stets so richtig als Mädchen, dass ich schon früh froh war, dass die äußere Hülle dem Innern entsprach und konnte mir das Leiden gut vorstellen, dass entstehen kann, passen Körper und Seele nicht zusammen.