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Buch von Marie Calloway "Ich will, dass du mich anpisst"

Marie Calloway schreibt explizit über unterwürfigen Sex, Feminismus und… naja, sich selbst. Das bringt massig Fans - und Hater. Jetzt erscheint ihr erstes Buch auf deutsch und das kann genau so viel, wie der Leser mitdenken will.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 05.05.2015 | Archiv

Cover des Buches "Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun" | Bild: Verlag

"Sollte ich wirklich mit in seine Wohnung gehen?"

Marie Calloway in 'Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun'

Das ist der erste Satz aus dem Buch "Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun" von Marie Calloway. Die Autorin schreibt da, was sie erlebt. Und das ist eben, mit sehr vielen Männern in deren Wohnung zu gehen. Wir sind also zum Beispiel dabei, als Marie mit 18 Jahren zum ersten Mal Sex hat. Wir sind auch dabei, als sie sich später prostituiert, dann eine Affäre mit einem verheirateten Schriftsteller beginnt, und irgendwann ihre erste Lesung in New York hält – das Thema: genau diese Erfahrungen.

Auf der letzten Seite ihres Buchs ist Marie 22 Jahre alt und hatte grade einen Dreier mit zwei jungen Männern, die sie im Internet kennen gelernt hat. Ganz schön krass. Aber verstörend ist nicht, dass Calloway über Sex schreibt, sondern wie sie beim Sex ist: Meistens unbeteiligt und ohne Spaß.

"Er drehte mich auf den Bauch und fickte mich langsam. Danach redeten wir nicht mehr viel. Einmal sagte er: 'Tolle Titten.' Er ging von mir runter und fing an zu masturbieren. Ich sagte, er solle mir aufs Gesicht spritzen. Er kam in meinem Mund. Ich schluckte es runter, aber ich glaube, das hat er gar nicht mitbekommen. Er gab mir eine Zigarette."

Marie Calloway in 'Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun'

Und das war leichte Kost. Einige Sex-Szenen lassen offen, wo Freude an Unterdrückung endet und die Vergewaltigung beginnt.

Das Buch "Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun" ist eigentlich ein Blog und Marie Calloway ein Pseudonym, unter dem die Autorin schreibt. Sie ist Teil einer jungen aufstrebenden Literaturszene, in der Schriftsteller als Blogger anfangen und Webseiten die neuen Verlage sind. Deswegen hat das Internet auch Eingang in das Buch gefunden, Marie Calloway ergänzt ihre Kapitel mit Facebook-Chatverläufen und Shitstorms und macht die Reaktionen auf ihre Erlebnisse zu einem Teil der Geschichte. Denn die Autorin hat zwar viele Fans - aber eben auch viele Hater. In einem Kommentar fantasiert ein Leser, wie Marie stirbt.

"Sie soll total überrascht aussehen. Sie soll sich an einem Salatblatt verschlucken, Marie Calloways Körper soll auf den Boden knallen und sie soll sich dabei eine Kopfverletzung zuziehen. Dann soll die Polizei kommen und den Fall untersuchen und wenn sie ihre Leiche sehen, sollen die Polizisten sagen 'echt jetzt?'"

Blogkommentar

Der Leser muss sich am Ende selbst entscheiden, ob solche Kommentare nicht viel respektloser sind, als die selbstzerstörerischen Texte von Calloway. Und genau dieser ständige Diskurs ist die Stärke von Marie Calloway und macht die Geschichten aus "Es hat echt überhaupt nichts mit dir zu tun" zu einem Stück Literatur. Weil man sich nicht entziehen kann, man muss ständig mitfühlen oder mitdiskutieren.

Gibt es so etwas wie eine typische weibliche Unsicherheit? Wer hat Macht über wen? Und wirbt Calloway für unterwürfige Sexualität? Das sind alles keine neue Fragen. Aber weil Marie Calloway und ihre Texte so stark polarisieren ist klar: Beantwortet sind diese Fragen noch lange nicht.

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mr. tom, Dienstag, 05.Mai, 18:09 Uhr

1. blogschokolade

marie, nun mach mal 'nen punkt! scherz beiseite; euer 'ich will dass du mich anpisst' der überschrift - fehlt da ein komma nach möchte, ..äh, will? ansonsten - für bayrische verhältnisse sehr offene buchbesprechung.