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GRIPS Deutsch 20 So macht kreatives Schreiben Spaß

Du möchtest gern wissen, wie du eine gute Geschichte schreibst oder auch eine witzige SMS? Es muss ja nicht immer gleich ein Roman werden, auch große Autoren haben klein angefangen. Wie du Leser fesselst - das erfährst du hier.

Stand: 22.08.2011 | Archiv

Illustration GRIPS Deutschlehrerin- Lektion 20 | BR | Bild: BR

Es gibt tatsächlich Menschen, die gern schreiben. Denen es Spaß macht eigene Figuren, Orte und Handlungen zu erfinden - egal ob Krimi oder Liebesgeschichte. Aber auch im Unterricht und in Prüfungen begegnet dir manchmal die Aufgabe "Schreib eine Geschichte weiter". Texte selbst erfinden, Gedichte verfassen, sich einen Rap ausdenken, Geschichten weiter- oder umschreiben oder auch zu Bildern texten - das alles nennt man kreatives Schreiben.

Und warum nun kreativ?

Kreativ bedeutet etwas selbst zu erschaffen. Schreib-Profis bedienen sich dabei verschiedener Tricks um ihre eigene Fantasie anzuregen und ihre Sprache lebendig werden zu lassen. Wie machen die das nur? Wir haben uns zum Beispiel in den Wilden Westen "gebeamt" und eine Western-Geschichte weitergeschrieben.

Am Anfang war der Banküberfall

So begann unser Western: Der Banküberfall vom Colorado Creek

Vor langer Zeit gab es tief im Wilden Westen eine kleine Goldgräberstadt mit dem Namen No-Name-City. Sie lag verlassen im Tal des Colorado Creeks. Ihre Bewohner, Goldsucher, Trapper, Cowboys und Viehzüchter, lebten friedlich vor sich hin - solange bis die Eisenbahnlinie am Rande der Stadt gebaut wurde. Mit ihr kamen nicht nur weitere Goldsucher in die Stadt, sondern auch einige Schurken. Überfälle auf die Postkutsche und die Eisenbahn jagten den Bewohnern Angst und Schrecken ein. Doch Sheriff Steven Colt gelang es fast immer die Diebe zu stellen. Eines Tages, es war ein heißer Freitagmorgen, die Goldsucher kamen gerade aus dem Saloon und der heiße Steppenwind peitschte den Sand durch die Straßen, geschah es. Es knallte laut. In der Bank wurde wild geschossen. Zwei vermummte Banditen sprangen aus dem Bankgebäude. Sie warfen die Säcke mit den Geldbündeln auf ihre Pferde und galoppierten mit lautem Geballer davon. Der Kassierergehilfe Mister Jack Goldman schleppte sich blutend aus der Bank.

Mit den folgenden Checklisten lernst du, wie du die Textvorlage besser verstehen kannst, Personen und Orte beschreibst und Handlungen aufbaust. Anschließend kannst du wichtige Tipps zum Thema "Texte überarbeiten" finden.

Checkliste 1

Anleitung

Textvorlage lesen und verstehen

Schritt für Schritt

Wenn du einen Tipp nach dem anderen durchklickst, bekommst du eine kurze Anleitung, wie du am besten mit einem fremden Text umgehst, um ihn voll und ganz zu erfassen.

Los geht's!

Tipp 1

Die Textvorlage kennenlernen

1. Schritt: Lies dir den Text in Ruhe und leise durch.

2. Schritt: Kennzeichne alle Wörter, die dir unklar sind, indem du sie mit einer bestimmten Farbe oder mit einer Wellenlinie unterstreichst.

3. Schritt: Versuche mit eigenen Worten zu erzählen, wovon der Text handelt und was du schon zum Thema des Textes weißt.
Beispiel bei Western: Cowboys, Saloon, Goldgräberstimmung, Berge, Lucky Luke ...

Tipp 2

Neue und unbekannte Wörter klären

1. Schritt: Viele Wörter lassen sich aus dem Textzusammenhang erschließen. Lies also die Sätze vor und markiere ein unbekanntes Wort.
Beispiel: Sheriff Colt ritt durch das endlose Land der Prärie. Weit und breit sah er weder Tiere noch Menschen noch Häuser.
Prärie = eine weite, unbewohnte Landschaft

2. Schritt: Kannst du die Wörter nicht aus dem Textzusammenhang erschließen, schlage im Wörterbuch nach.

Tipp 3

Wichtige Textstellen markieren

In einem Sachtext lassen sich ganz gezielt wichtige Informationen zu einem Sachthema suchen.

In einem literarischen Text sind diese wichtigen Informationen Personen oder besondere Orte, die in der Handlung eine wichtige Rolle spielen. Genauso bedeutend sind die einzelnen Handlungsschritte. Markiere diese Informationen im Text unterschiedlich, so wie im folgenden Beispiel oder mit unterschiedlichen Farben.

Beispiel Tipp 3

Das könnte so aussehen:

... Mit ihr kamen nicht nur weitere Goldsucher in die Stadt, sondern auch einige Schurken. Überfälle auf die Postkutsche und die Eisenbahn jagten den Bewohnern Angst und Schrecken ein. Doch Sheriff Steven Colt gelang es fast immer die Diebe zu stellen. Eines Tages, es war ein heißer Freitagmorgen, die Goldsucher kamen gerade aus dem Saloon und der heiße Steppenwind peitschte den Sand durch die Straßen, geschah es. Es knallte laut. In der Bank wurde wild geschossen.

Tipp 4

Text zusammenfassen

Nun hast du schon vieles der Textvorlage begriffen. Es ist jetzt wichtig, dass du notierst, was du schon weißt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

- eine Stichpunktliste
- eine Mindmap
- eine Zeichnung / ein Comic

Tipp 5

Achtung!

Wenn du deine Lesefähigkeit und dein Textverständnis verbessern möchtest, dann klick dich durch die GRIPS Deutsch 10 Texte besser lesen und verstehen!

Wie geht die Western Story weiter?

Du hast die Textvorlage bereits gelesen und verstanden. Nun soll die Geschichte fortgesetzt werden. Wie machst du jetzt weiter? Mit unseren Tipps geht das ganz einfach. Bevor du die Geschichte weiterschreiben kannst, solltest du weitere Ideen zur Story sammeln. Überlege dir dabei Folgendes:

  • weitere Personen / Aussehen / Charakter
  • weitere Orte / Wetter
  • weitere Handlungsschritte

Ideen sammeln nennt man auch Brainstorming. Das gelingt dir am besten mit einer Mindmap. Das Ergebnis könnte so aussehen.

Der zweite Schritt ist gemacht. Zahlreiche Ideen zum Weiterschreiben sind entstanden. Jetzt kommt es darauf an seine Ideen zu verfeinern. Mithilfe der Checkliste 2 lernst du, wie das geht.

Checkliste 2

Anleitung

Schreibideen verfeinern

Eine Geschichte ist dann gut, wenn sich der Leser alle Einzelheiten gut vorstellen kann. Personen, Ort und Handlung genau und treffsicher zu beschreiben, hilft dem Leser deiner Geschichte sich alles "bildlich" vorstellen zu können.

Tipp 1

Personen erfinden und genau beschreiben

Unsere Geschichte spielt im Wilden Westen. Im Brainstorming sind schon viele Ideen für Figuren aus dem Wilden Westen entstanden - Goldgräber, Sheriff, Saloongirl. Achte darauf, dass die Personen zum Thema passen.

Beispiele

Personenbeschreibung

Bei der Beschreibung von Personen solltest du folgende Punkte beachten:

  • den Körperbau (schlank, stämmig, dick, drahtig ...)
  • die Körpergröße (groß, klein, riesig, winzig ...)
  • das Gesicht (Form von Gesicht, Nase und Augen ...)
  • die Bekleidung (schmuddelig, ordentlich, z.B. "Er trug schwarze Schlaghosen mit schmuddeligen Beulen und Rissen." ...)
  • das Alter (jung, jugendlich, betagt, ein Greis ...)
  • den Charakter (nett, böse, hilfsbereit, angeberisch, zurückhaltend, z.B. ein hinterhältiger Schurke ...)
  • die Absichten (Motive) einer Person (der Böse, der Geldgierige, die Romantische)

Tipp 2

Den Handlungsort genau beschreiben

Wie dein Text beim Leser ankommt, kannst du auch durch eine interessante und passende Beschreibung des Handlungsortes beeinflussen. Ein Krimi kann an einem sonnigen Badeort spielen oder in einer düsteren, nebeligen Burg. Beides ruft beim Lesen unterschiedliche Vorstellungen im Kopf des Lesers hervor - und beeinflusst die Stimmung der Geschichte.

Beispiele

Beschreiben des Handlungsortes

Folgende Punkte solltest du dabei beachten:

  • den Ort (Großstadt, Dorf auf dem Land, Berghütte)
  • das Wetter (neblig, sonnig, verregnet, schwül)
  • die Häuser (heruntergekommene Saloons, moderne Stadthäuser, eine verrottete Waldhütte)

Tipp 3

Die Handlung fortsetzen und richtig aufbauen

Wenn die Personen und ihre Eigenschaften sowie weitere Einzelheiten zum Handlungsort ausgedacht sind, beginnt man mit dem Planen der Handlung. Dazu sind im Brainstorming schon Ideen entstanden.

Beispiele

Ideen aus dem Brainstorming

  • Der Sheriff erhält einen Hinweis zum Versteck der Firehand-Brüder
  • In Wirklichkeit steckt der Kassierer hinter dem Überfall. Er hat zwei Cowboys zum Banküberfall angeheuert um sich die Beute mit ihnen zu teilen.
  • Der Sheriff fängt die Firehand-Brüder.

Die Handlungsideen sind noch ungeordnet. Jetzt müssen sie in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Beim Aufbau einer Geschichte (Fantasiegeschichte) kann man sich an diesen Plan halten:
Nun solltest du dir überlegen, was im Fall unserer Geschichte in die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss gehört. Wenn du auf das Bild klickst, bekommst du den Handlungsverlauf der Geschichte noch einmal aufgeschlüsselt.

Checkliste 3

Anleitung

Die Schreibperspektive

Nun ist wichtig, sich zu überlegen, aus welcher Perspektive man schreiben will. Die Schreibperspektive ist die Sichtweise und der Blickwinkel aus der deine Geschichte erzählt wird.

Es gibt dabei verschiedene Sichtweisen:
1. Die Ich-Form / Ich-Erzähler
2. Die Er-Form / Er-Erzähler

Tipp 1

Entscheide dich!

Es hilft dir, wenn du dir vor dem Schreiben genau überlegst, aus welcher Sicht du schreiben möchtest. Welche Perspektive gefällt dir am besten? Was weiß diese Person als Erzähler?

Hilfreich ist, sich eine Stichpunktliste zu machen und aufzuführen, was der Erzähler wissen kann und was er erst herausfinden muss.

Ich-Form

Ich-Erzähler

1. Die Ich-Form / Ich-Erzähler
Ich ritt gerade an der Ranch vorbei, als ich Goldmann hinter dem Pferdestall sah.

Achtung:
Ein Ich-Erzähler sieht alle Vorgänge mit einem engen Blickwinkel, das bedeutet er kann nicht immer alles wissen. Das kann die Geschichte für den Leser spannend machen, da er nach und nach entdeckt was vor sich geht.

Er-Form

Er-Erzähler

2. Die Er-Form / Er-Erzähler
Sheriff Colt ritt gerade an der Ranch vorbei, als er Goldmann hinter dem Pferdestall sah.

Achtung:
Ein Er-Erzähler kann auch einen engen Blickwinkel haben. Du kannst ihm aber auch die Rolle des Beobachters geben, der einen weiten Blickwinkel hat, das heißt er kann alles wissen.

Sheriff Colt ritt gerade an der Ranch vorbei, als er den hinterhältigen Goldman hinter dem Pferdestall sah. Wenn er jetzt sehen würde, dass Goldman die Beute versteckt, wüsste er, wer der wahre Bandit ist.

Tipp 2

Lebendige Sprache

Manche Geschichten ziehen dich richtig in ihren Bann. Das liegt aber oftmals nicht nur an einer geschickt geplanten Handlung, sondern auch an einer lebendigen Sprache. Was das ist? Sprache wird dann lebendig, wenn im Kopf des Lesers möglichst viele Bilder zum Text entstehen. Wie kannst du erreichen, dass sich der Leser beim Lesen deiner Geschichte möglichst viel vorstellen kann? Die Sprachbausteine auf der nächsten Seite helfen dir.

Beispiele

Sprachbausteine

  • Zeitliche Bindewörter: Zuerst, danach, plötzlich, schließlich, zuletzt, zuerst, anschließend ...
  • Treffende Verben: heranschleichen, reiten, galoppieren, ausrauben, verfolgen, niederschießen, durchlöchern ...
  • Wortfelder von häufig gebrauchten Verben: gehen: laufen, schlendern, marschieren, rennen, wandern ...; sehen: erblicken, bemerken, erkennen, erspähen, beobachten ...; sagen: erzählen, reden, quatschen, labern, flüstern, tuscheln, verkünden, schreien, erklären ...
  • Treffende Adjektive: der hinterhältige Kassierer, die brennende Wüstensonne, der Sandsturm peitschte scharf durch die Prärie, das bildhübsche Saloongirl ...
  • Verwende die wörtliche Rede: Mister Goldman schleppte sich blutend aus der Bank. "Die Firehands ...", schrie er.

Eine Geschichte überarbeiten

Der Text ist fertig geschrieben. Beim ersten Lesen gibt es oft Sätze und Wörter mit denen man nicht zufrieden ist. Jetzt geht es darum den Text sprachlich zu überarbeiten und die Rechtschreibung zu überprüfen. Warum? Eine gute Geschichte lebt nicht nur von interessanten Ideen und einer spannenden Handlung - auch eine verständliche und abwechslungsreiche Sprache sind wichtig, um die Leser zu fesseln.

Checkliste 4

Anleitung

Texte überarbeiten

Wenn deine Geschichte fertig ist und dir die Handlung gefällt, solltest du die Sprache und die Rechtschreibung deines Textes überarbeiten.

Beachte dabei folgende Tipps:

  • Überprüfe die Sprache deines Textes
  • Überprüfe die Rechtschreibung deines Textes

Tipp 1

Überprüfe die Sprache deines Textes

  • Lassen sich alle Sätze flüssig lesen? Klingen die Sätze richtig und vollständig?
  • Sind alle Artikel, Wortendungen und Fürwörter richtig? Beispiel: Der Sheriff ritt (zu) zum Saloon.
  • Werden gleichförmige Sätze vermieden? Kann man Sätze umstellen?
  • Werden Bandwurmsätze (sehr lange, verschachtelte Sätze) vermieden?
  • Werden treffende Verben und Adjektive verwendet?
  • Sind die Satzanfänge unterschiedlich? / Werden verschiedene Bindewörter (Konjunktionen) verwendet?
  • Achtung: Eine Geschichte / Fantasiegeschichte schreibt man in der 1. Vergangenheit!

Tipp 2

Überprüfe die Rechtschreibung deines Textes

  • Sind alle Nomen großgeschrieben? (Beachte Signalwörter: der, die, das, ein, eine, zum, ins)
  • Sind alle Satzanfänge großgeschrieben?
  • Hast du alle Fehlerstellen eingekreist und mit dem Wortprofi oder durch eine Rechtschreibstrategie (GRIPS Lektion 12) überprüft?
  • Sind alle Satzzeichen (Kommas, Punkte, Zeichen für die wörtliche Rede) richtig gesetzt? (GRIPS Lektion 10)
  • Verwende die Rechtschreibprüfung am Computer!

Bandit mit Pferd | Bild: BR zum Artikel Fortsetzung So geht "der Banküberfall" weiter ...

Oben siehst du den Anfang der Geschichte. Am besten ist, du machst dich selbst daran, die Fortsetzung zu verfassen. Du hast keine Ideen? Hier ein Beispiel wie es in No-Name-City weitergehen könnte. [mehr]

Das Schönste kommt zum Schluss ...

Unsere Westerngeschichte "Der Banküberfall vom Colorado Creek" ist endlich fertig. Nun geht es ans Vorlesen. Das Vortragen von eigenen Texten macht am meisten Spaß, wenn man seine Zuhörer vorher zur Ruhe kommen lässt und sie durch nichts anderes abgelenkt sind. Und wenn du keine Zuhörer hast? Dann versuche doch einmal deine Texte auf Band zu sprechen, das geht auch mit einem Computer-Programm. Vielleicht hast du ja beim Anhören noch weitere Einfälle für eine Fortsetzung.


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