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Literarische Texte Der Begriff "Lyrik"

Von: Dr. Tabea Kretschmann

Stand: 16.11.2016

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Woher kommt und was bedeutet der Begriff "Lyrik"?
  • Was haben die Begriffe "Lyrik", "Poesie" und "Gedichte" miteinander zu tun?

Im Video zu sehen ist:

Albert Ostermaier (*1967)

Der Münchner Dichter, Schriftsteller und Theaterautor wurde mit vielen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet und ist seit 2015 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Albert Ostermaier hat nicht nur einen eigenen Band mit Fußball-Gedichten herausgebracht (Flügelwechsel. Fußball-Oden, Berlin, 2014) – sondern er spielt auch selbst leidenschaftlich Fußball und ist Torwart der deutschen Autoren-Nationalmannschaft!

Nach dieser Einstimmung von Albert Ostermaier soll in diesem und den folgenden Kapiteln das Thema "Lyrik" im Mittelpunkt stehen. Aber – was bedeutet eigentlich "Lyrik"?

Der Begriff "Lyrik"

Der Begriff "Lyrik" stammt aus dem Griechischen. Ursprünglich beschreibt er eine Dichtung, die zum Spiel der Lyra, einem Saiteninstrument, vorgetragen wurde.

Seit der griechischen Antike wird der Begriff "Lyrik" – neben "Epik" und "Dramatik" – auch zur Beschreibung einer von drei literarischen Gattungen verwendet. Im Deutschen wird die Bezeichnung "lyrischer Text" heute weitgehend synonym zu "Gedicht" gebraucht, ebenso "Lyrik" und "Poesie".

Die Lyrik hat im deutschsprachigen Raum eine sehr lange Geschichte: Zur ältesten deutschsprachigen Lyrik zählen Zauber- und Segenssprüche aus dem frühen 9. Jh. n. Chr. (z. B. Merseburger Zaubersprüche oder Lorscher Bienensegen). Bis heute wird Lyrik in unterschiedlichsten Formen und Inhalten, häufig mit epochentypischen Stilmerkmalen, geschrieben.

Dabei hat Lyrik ganz verschiedene Realisierungsformen: Sie kann still gelesen, laut rezitiert, gesungen, "performt" (etwa bei Slam Poetry-Veranstaltungen), von Musik begleitet oder auch verfilmt werden. - Ja, es gibt tatsächlich Lyrikverfilmungen. Eine lief sogar im Kino: Ralf Schmerbergs "Poem. Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug", 2003.

In den folgenden Kapiteln erfahren wir mehr darüber, was Lyrik eigentlich ist. Denn, um es mit Karl Kraus zu sagen: "Je genauer man ein Wort anschaut, desto ferner schaut es zurück." So kann es einem auch mit dem Wort "Lyrik" gehen. Hat man zunächst eine grobe Vorstellung davon, was gemeint ist, könnte man bei manch einem Text doch ins Grübeln kommen, ob das wirklich ein "Gedicht" ist.

Spickzettel

1.

Lyrik war ursprünglich Dichtung, die zum Spiel der Lyra, einem Saiteninstrument, vorgetragen wurde.

2.

"Lyrik" gehört neben "Epik" und "Dramatik" zu den drei klassischen Gattungen der Literatur.

3.

Im Deutschen wird die Bezeichnung "lyrischer Text" heute weitgehend synonym zu "Gedicht", "Lyrik" und "Poesie" gebraucht.

Weiterführende Literatur

Geschichte der deutschen Lyrik. Bd. 1-6, Stuttgart 2004 ff. (ausführliche Darstellung der Geschichte der deutschen Lyrik von den Anfängen im Mittelalter bis heute)
Marcel Reich-Ranicki (Hg.): Die besten deutschen Gedichte, Berlin, 5. Aufl., 2012 (eine Auswahl der bekanntesten deutschen Gedichte in chronologischer Reihenfolge)
Hanspeter Brode: Deutsche Lyrik. Eine Anthologie, Frankfurt/M., 13. Aufl., 1990 (eine Sammlung bedeutender deutscher Gedichte)
Christiane Collorio, Peter Hamm, Harald Hartung und Michael Krüger (Hg.): Lyrikstimmen, 9 CDs, München 2009 (eine große Auswahl rezitierter Gedichte)