Amaryllis-Quartett Streichquartette von Beethoven und Berg
Erst weiß, dann rot. Dahinter steckt Musik. "White" hieß die erste CD, die das junge Amaryllis-Quartett beim Label Genuin veröffentlich hat, mit knalligem Rot - englisch "Red" - ist die zweite Produktion auf dem Markt jüngst erschienen. Wieder wird ein Komponist der Wiener Klassik mit einem der Zweiten Wiener Schule in Verbindung gebracht, erst Haydn und Webern für die weiße CD, jetzt Beethoven und Berg für die rote Ausgabe.
Aber die Farbspiele des Marketings kann man schnell außer acht lassen. Es ist der Klang der vier Instrumente, der sofort angespricht. Ein Klang, der zu einem homogen wie vielgestaltigen Gebilde wird, der individuelles Hervortreten wie gemeinsames Schwingen ermöglicht. Ein Klang, der in all seinen expressiven Extremen gesanglich und differenziert bleibt. Gustav Frielinghaus, Lena Wirth, Lena Eckels und Yves Sandoz feilen seit eigentlich erst wenigen Jahren an ihrem Quartettspiel. Nach zwei Wettbewerbspreisen im Jahre 2011 tun sie das zunehmend unter begeistertem öffentlichen Interesse.
Polyphone Transparenz
Das ehemalige Alban-Berg-Quartett hatte die jungen Kollegen unter seine musikalischen Fittiche genommen, besonders der Primarius Günter Pichler betreute die neue Formation. Das mag die polyphone Transparenz erklären und die kluge Balance der Stimmen. Wenn sich der erste Geiger Gustav Frielinghaus gelegentlich weit in seine Steilkurven lehnt, ist der wachsweiche Schmelz der beiden Mittelstimmen - Lena Wirth und Lena Eckels an Geige und Bratsche - beeindruckend. Darunter, mal konträr akzentuiert oder einfühlsam additiv, der Cellopart von Yves Sanoz.
Abstürze und Höhenflüge
Mit diesen Voraussetzungen und eben unter roter Flagge wird nun selbstbewusst Alban Bergs Quartetterstling op. 3 von 1910 mit Beethovens vorletztem Werk dieser Gattung op. 131 kombiniert, zwei Werke die durch ihre jeweilige Radikalität hervorstechen. Die geschmeidige Klangkultur des Amaryllis-Quartetts glättet Beethovens vergeistigtes Trümmerfeld fast zu geschliffen und zu belcanto, eine insgesamt radikalere Interpretation, die Abstürze und Höhenflüge jenseits jeglicher klassischer Konvention deutlicher markiert, könnte man sich wünschen. Dagegen überzeugt Bergs Quartett, sein Aufbruch in die Atonalität umsomehr; die elegante durchhörbare Spielhaltung bringt schillernde Farben und erschreckend dunkle, wüste Seiten ans Licht. Eben alles andere als nur Rot.
Amaryllis-Quartett: "Red"
Alban Berg:
Streichquartett op.3
Ludwig van Beethoven:
Streichquartett op. 131 cis-Moll
Amaryllis-Quartett
Label: Genuin

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