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Bayreuther Festspiele Oper im Kino statt Open Air

Nachdem der Hauptsponsor Siemens sein Engagement beendet hat, fällt das Public Viewing in diesem Jahr aus. Festspielleiterin Katharina Wagner spielt nun mit der Idee, die Musik ihres Urgroßvaters ins Kino zu bringen - kostenpflichtig.

Stand: 06.02.2012
Katharina Wagner | Bild: picture-alliance/dpa

Nach dem Verlust des Hauptsponsors Siemens für das Public Viewing wollen die Bayreuther Festspiele neue Wege gehen. So soll die preisgekrönte Aufführung von Richard Wagners "Parsifal" in der Regie von Stefan Herheim am 11. August bundesweit in etlichen Kinos live aus dem Festspielhaus am Grünen Hügel übertragen werden.

Derzeit werde an Verträgen mit mehr als 100 Kinos gearbeitet, sagte Festspielleiterin Katharina Wagner der "Welt am Sonntag". Es werde eigens für die Kinobesucher ein exklusives Pausenprogramm geben, das der Tenor Klaus Florian Vogt und sie selbst moderieren werden, kündigte die Urenkelin des Komponisten an. Wagner gestand ein, dass manche Kritik an den traditionsreichen Festspielen berechtigt sei.

"Ziel der Festspiele sollte sein, dass man das höchste künstlerische Niveau liefert, das es in er Wagner-Rezeption gibt. Das ist sicherlich in den vergangenen Jahren nicht immer gelungen."

Katharina Wagner

Katharina Wagners Zukunft nach 2015 offen

Wagner-Urenkelin Katharina Wagner lässt nach der Hälfte ihrer Amtszeit ihre Zukunft als Leiterin der Bayreuther Festspiele offen. "Ich kann heute noch nicht definitiv sagen, ob ich weitermachen will oder nicht", sagte Wagner der "Welt am Sonntag".

Katharina Wagner konzentriere sich derzeit nur auf die Jubiläumsfestspiele 2013, bei denen der 200. Geburtstag Richard Wagners gefeiert wird.

"Danach schaue ich mir in Ruhe die Konstellation an und denke darüber nach, ob es für mich sinnvoll ist. Will ich vielleicht in Zukunft wieder mehr Regie führen? Wie sieht es bei mir privat aus? Das sind alles Fragen, die ich erst einmal für mich selber beantworten muss."

Katharina Wagner

Die Saison 2012 markiert die "Halbzeit" für die Wagner-Schwestern, deren Verträge bis 2015 laufen. 2009 sind die Urenkelinnen des Komponisten Richard Wagner erstmals als Chefinnen auf dem Grünen Hügel aufgetreten. Eva Wagner-Pasquier (66) jedoch wirkt eher im Hintergrund. Halbschwester Katharina Wagner ist das Gesicht der Festspiele. Reibungslos läuft der Betrieb der Festspiele aber nicht.

Große Baustellen

Kunst

Ist Bayreuth noch das Maß aller Dinge bei der Wagner-Rezeption? Sebastian Baumgartens "Tannhäuser" Inszenierung aus dem Vorjahr wurde von Kritikerseite ungewöhnlich heftig angegangen. Die Suche nach einem "Ring"-Regisseur für das Jubiläumsjahr 2013 wirkte zäh.

In Frank Castorf ist schließlich ein Mann fürs Radikale verpflichtet worden, der seinen Ruf als Stückezertrümmerer auch in Bayreuth pflegen dürfte. "Für uns ist Castorf erste Wahl", versichert Katharina Wagner. Obwohl man andere auch gefragt habe. Aber die hätten nicht ausgerechnet den Jubiläums-"Ring" inszenieren wollen.

Festspielhaus

Das Bauwerk, das nach Plänen Richard Wagners ab 1872 in Bayreuth errichtet wurde, ist marode. "Unser Hauptproblem ist derzeit der Bauunterhalt", sagte Katharina Wagner der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Immobilie sei schwer angegriffen, der Sandstein an der Fassade bröckele, Gesimse drohten herabzufallen, das Dach sei undicht.

"Da sage ich als absoluter Baulaie, hier stimmt etwas in der Substanz nicht." Erste Kostenschätzungen für die Sanierung gehen von mindestens 20 Millionen Euro aus. Unklar ist, wie stark eine Restaurierung den Festspiel- und Probenbetrieb einschränken würde. Und natürlich ist noch völlig offen, wer bezahlt.

Kartenvergabe

Die Rüge des Bundesrechnungshofs fiel heftig aus: Zu wenig Karten des staatlich subventionierten Festspielbetriebs gelangten in den freien Verkauf. Bei der Staatsanwaltschaft Hof gingen Anzeigen wegen Untreue ein. Alle Kartenkontingente mussten auf den Prüfstand. Wer nicht mehr bedacht wurde, wie etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), kritisierte die Festspielleitung heftig.

Die Krux mit dem Neuen

Katharina Wagner und ihre Halbschwester haben Neues gewagt auf dem Grünen Hügel und sind damit dem Motto ihres Urgroßvaters gefolgt. Die Kinderoper. Das Public Viewing. Richard Wagner sollte nicht mehr nur als Komponist für den Elfenbeinturm wahrgenommen werden. Auf dem Bayreuther Volksfestplatz tummelten sich viele Menschen beim Public Viewing, die vermutlich noch nie zuvor eine Oper gesehen hatten.

Doch inzwischen hat Hauptsponsor Siemens sein Engagement beendet. Katharina Wagners neueste Idee: Wagner im Kino. "Wir arbeiten derzeit an Vereinbarungen mit mehr als hundert Kinos, über die ganze Republik verteilt", sagte sie der "Welt am Sonntag". Auch mit Kinos in der Schweiz, in Österreich und Großbritannien stehe sie in Kontakt.

NS-Vergangenheit

Zu ihrem Amtsantritt hatte Katharina Wagner verkündet, die NS-Vergangenheit der Festspiele und der Familie wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Bekanntlich war Hitler bei Wagners in Bayreuth ein- und ausgegangen. Die neue Transparenz stieß allgemein auf großes Wohlgefallen.

Doch ob die beiden beauftragten Historiker schon im Jubiläumsjahr 2013 Ergebnisse vorstellen können, ist unwahrscheinlich. Wagner sagt: "Die beiden Herren sichten mittlerweile das Material. Die Erwartungshaltung ist sicher etwas hoch, dass sie unbedingt zum Jubiläum Ergebnisse liefern."