Hintergrund Zeugnisse

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Berühmte Sitzenbleiber Promis mit Schulproblemen

Sitzenbleiben heißt nicht: Die Welt geht unter. Das zeigt nicht zuletzt diese subjektive Auswahl an Prominenten, die trotz Ehrenrunde oder Schulabbruch später erfolgreich wurden. Schulprobleme gleich Karriereknick? Das sicher nicht!

Stand: 08.02.2021 16:15 Uhr

Charlotte Roche ist in der Schule sitzen geblieben. Porträt: Charlotte Roche | Bild: picture alliance/dpa | Henning Kaiser

Thomas Mann: Nobelpreis auch ohne Abitur

Genialer Schöpfergeist zeugt nicht unbedingt von großer Schulkarriere: Die großen deutschsprachigen Dichter Gerhart Hauptmann und Thomas Mann zum Beispiel waren in der Schule gar nicht gut.

Thomas Manns Schulkarriere in Lübeck war nur mäßig erfolgreich. Der Literatur-Nobelpreisträger schaffte es nicht bis zum Abitur.

Beide Autoren mussten sogar zweimal eine Ehrenrunde drehen. Geschadet hat ihnen das nicht. Obwohl Thomas Mann nach der Mittleren Reife von der Schule abging, erhielt er 1919 trotz fehlendem Abitur die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn - die ihm die Nationalsozialisten 1936 wieder entzogen.

Wie Thomas Mann verließ auch Gerhart Hauptmann mit 16 Jahren die Realschule, um daraufhin sowohl eine Landwirtschaftslehre, als auch ein Kunst- und ein Literaturstudium abzubrechen. Seinem literarischen Schaffen tat dies aber keinen Abbruch. Und so erhielt Gerhart Hauptmann 1912 den Nobelpreis für Literatur. Sein Dichter-Kollege Thomas Mann sollte den Nobelpreis 1929 erhalten.

Justus Liebig: Schulverweiger und Akademiker

Schulverweigerer und Akadmiker in einem war Justus Liebig. Der gebürtige Hesse war einer der wichtigsten Chemiker des 19. Jahrhunderts - und legte einen besonders verdrehten Bildungsweg hin.

Der Sohn eines Drogisten brach die Schule in der Sekunda (10./11. Klasse) ab, was ihn aber nicht davon abhielt, zu Hause chemische Experimente durchzuführen. Aber auch eine Apotheker-Lehre brachte Justus Liebig nicht weiter - er setzte den Dachstuhl der Apotheke bei einem seiner Versuche in Brand. Durch Vermittlung seines Vaters durfte der Nachwuchs-Chemiker aber schließlich doch studieren und wurde mit 21 Jahren außerordentlicher Chemie-Professor an der Ludwigs-Universität Gießen.

Charlotte Roche: Erfolg trotz Ehrenrunde

Schauspieler Uwe Ochsenknecht blieb insgesamt dreimal sitzen, der Kabarettist und Musiker Helge Schneider tat es ihm gleich - obwohl er anfangs noch ein guter Schüler war. Doch mangels Interesse brach der "Katzenklo"-Komponist schließlich die Schule ab.

Wenig Lust auf Schule: Schriftstellerin, Podcasterin und Moderatorin Charlotte Roche

Auch eine erfolgreiche Schriftstellerin, Podcasterin und Moderatorin hatte wenig Erfolg im Unterricht: Charlotte Roche blieb im Gymnasium zweimal sitzen und ging schließlich kurz vor dem Abitur von der Schule ab.

Der US-amerikanische Rapper, Sänger und Schauspieler Eminem scheiterte ebenfalls an der neunten Klasse. Dreimal versuchte er, versetzt zu werden, dreimal vergeblich. Schließlich verließ er die Schule ohne Abschluss.

Dass es jungen Damen in ihrer Schulkarriere nicht immer besser geht, zeigen Model Gisèle Bündchen und Schauspielerin Cameron Diaz: Beide zogen eine Modelkarriere dem höheren Schulabschluss vor.

Auch unter Sängerinnen und Sängern sind Schulprobleme nicht unbekannt: US-Star Katy Perry flog von der Schule und die deutschen Rapper Sido und Capital Bra brachen ihre Schulkarriere vorzeitig ab - Sido in der elften, Capital Bra in der neunten Klassse. Zuvor mussten beide aus verschiedenen Gründen mehrmals die Schule wechseln.

Stoiber und Kretschmann: die Sitzenbleiber

Bayerns langjähriger Ministerpräsident Edmund Stoiber hat es wie Reichskanzler Otto von Bismarck gehalten: Beide blieben einmal sitzen. Stoiber drehte in der siebten Klasse eine Ehrenrunde, woraufhin ihm, so schrieb er auf seiner Homepage, sein Vater verboten habe, Fußball im Radio zu hören und jeden Tag auf den Fußballplatz zu gehen.

Erst Ehrenrunde, dann selber Lehrkraft: der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste eine Klasse wiederholen - die 11. Seiner Liebe zur Schule schien das keinen Abbruch zu tun: Der Grüne wurde später selbst Lehrer für Biologie, Chemie und Ethik.

Der einstige britische Premierminister Winston Churchill soll über seine Schulzeit gesagt haben, sie sei ein "finsterer Fleck" in seinem Leben gewesen. Der Politiker und spätere Literatur-Nobelpreisträger, der insgesamt 40 Bücher verfasste, scheiterte in der Schule stets auf Neue. Die britischen Eliteschulen, die er auf Wunsch seines ehrgeizigen Vaters, dem Politiker Lord Randolph Churchill, besuchen musste, waren ihm ein Graus. Und da der junge Churchill ein Sturkopf und Lernverweigerer war, blieb er mehrfach sitzen.

Vom Schulverweigerer zum Außenminister - der Fall Joschka Fischer

Der Schwur des "Turnschuh"-Ministers: Schulabbrecher Joschka Fischer 1985 beim Ablegen des Amtseides im hessichen Landtag.

Ähnlich erfolglos wie Churchills Schulkarriere verlief auch jene des ehemaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer - der freilich aus einem völlig anderen Umfeld stammte. Der in Baden-Würtemberg geborene Sohn eines Metzgers und spätere Grünen-Politiker war ein unangepasster, rebellischer Schüler, der stets mit den vermeintlichen Autoritäten in der Lehrerschaft zusammenprallte.

Noch während des 10. Schuljahres ging Fischer ohne Abschluss vom Gymnasium ab und begann eine Fotografenlehre, die er ebenfalls abbrach. Ohne Abitur und ohne an der Universität eingeschrieben zu sein, engagierte der spätere Politiker sich in der Frankfurter Studentenbewegung und in der außerparlamentarischen Opposition (APO), nahm aber auch an Vorlesungen teil.

1983 zog Fischer mit seiner Partei Die Grünen erstmals in den Bundestag ein. Zwei Jahre später schaffte er es schließlich in sein erstes Ministeramt: In Hessen wird der Grüne Staatsminister für Umwelt und Energie. Zur Vereidigung im Wiesbadener Landtag erscheint der "Turnschuh-Minister" in Sneakern.

1994 zog der Nicht-Akademiker als Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag ein und wurde vier Jahre später schließlich Bundesaußenminister in der Regierung Schröder - das alles ohne Schulabschluss und Berufsausbildung, allerdings mit Taxischein.


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