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Wolfshybrid - halb Wolf, halb Hund Wolfshunde sind keine Hunde

Die Wölfe sind zurück in Deutschland. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Paarungen mit Hunden. Das Ergebnis sind Wolfshybride, die in einer rechtlichen Grauzone leben. Auch als Haustiere sind Wolfshunde umstritten. Ihre Haltung ist anspruchsvoll.

Stand: 30.03.2021

Wolfshybride Raik in einem Gehege im Alternativen Bärenpark Worbis. Der Bärenpark ist eine Auffangstation für zwei Wolfshybride. | Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild / Swen Pförtner

Wie viele Wildtiere leben in Deutschland, deren Eltern einerseits ein Wolf und andererseits ein Hund sind? Das wollte die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung (SGN) wissen und machte 2018 eine Stichprobe unter der in Deutschland lebenden Wolfspopulation. Die Forscher kamen auf eine Hybridisierungsrate von weniger als einem Prozent.

Und auch der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im sächsischen Görlitz sind bisher nur wenige Wolfshybride gemeldet worden. Wie Wölfe stehen diese sogenannten Wolfshybride oder Wolfshunde unter Artenschutz. Aber nur, wenn sie als Wildtiere in freier Natur leben. Und da fangen die Probleme an.

Wolfshunde - leben in der Grauzone

Wolfshybride sind rechtlich nicht vorgesehen. Wolfshunde leben dadurch in einer Grauzone. Lässt man sie in freier Wildbahn einfach im Wolfsrudel mitlaufen? Sterilisiert man die Tiere und gliedert sie wieder ins Rudel ein oder folgt man dem Managementplan für den Wolf? Dieser legt fest, dass Wolfsmischlinge auf jeden Fall aus ihrer natürlichen Umgebung zu entnehmen sind - tot oder lebendig. Experten sind sich uneinig, wie man mit Wolfshunden verfahren soll.

Das gilt auch für Wolfshybride als Haustiere. Grundsätzlich stammen alle Hunderassen vom Wolf ab. Aber Wölfe sind Wildtiere und Hunde domestiziert. Erst ab der fünften Generation gelten Wolfshybride als Hunde und unterliegen damit keiner artenschutzrechtlichen Regelung mehr. Nur deshalb ist die Haltung und Zucht von domestizierten Hybriden überhaupt erlaubt.

Müssen Wolfshybride eingezäunt werden?

Bisher nicht geklärt ist, ob Wolfshunde eingezäunt werden müssen. Es gibt dazu unterschiedliche Rechtsauffassungen. Das sogenannte Säugetiergutachten, ein Leitfaden des Bundesagrarministeriums zur Haltung von Säugetieren, macht beispielsweise Vorgaben, wie die Tiere eingezäunt werden sollten.

Wolfshunde sind keine Hunde

Das ist keine ganz unwichtige Frage, denn Wolfshybride sind nicht wie Luna auf dem Sofa und Balu vor dem Kamin. In den Tieren steckt mehr Wildtier als in verschmusten Hunden, was sich auch im Verhalten zeigt. Experten wie Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin Tierschutzarbeit bei der Welttierschutzgesellschaft, warnen: Die Tiere seien für Hundehalter - auch für erfahrene - sehr anspruchsvoll zu halten. Gerade solche Tiere mit hohem Wolfsanteil seien genauso menschenscheu wie Wölfe und reagierten deshalb oft sehr deutlich auf ungewohnte Reize.

"Sie reagieren viel stärker auf alles, was sie nicht in ihrer frühen Prägungsphase als unbedrohlich erlebt haben. Was genau passiert, hängt vom jeweiligen Tier ab."

Daniela Schrudde, Welttierschutzgesellschaft

Ausgeprägtes Revierverhalten bei Wolfshunden

Wolfshunde zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Steckt man zwei fremde Wolfshybriden, die nicht im gleichen Rudel aufgewachsen sind, in ein Gehege, können sich die Tiere nicht aus dem Weg gehen. In einem solchen Fall sei es wahrscheinlich, dass sich die Tiere bis zum Tod bekämpfen, wenn sie sich nicht als Paar zusammenfinden, sagt Bernd Nonnenmacher, Geschäftsführer des Alternativen Bärenparks Worbis.

Wenn Hybriden hingegen als Jungtiere im Rudel aufwachsen, könne dies funktionieren. Als Haustier wird ein Wolfshybrid Hunde als Konkurrenz für sein Revier wahrnehmen und dadurch ständig zum Angriff provoziert, warnt Nonnenmacher. Der ehemalige Züchter und Wolfhund-Halter Christian Berge weist zudem darauf hin, dass man den Tieren immer die Möglichkeit lassen sollte, im Haus zu sein oder draußen, so wie sie es wollen. Es sei wichtig, dass sie ausgeglichen seien und man nicht versuche, an ihnen herum zu manipulieren.

"Wer einen gehorsamen Hund erwartet, ist schlicht falsch."

Christian Berge, Wolfhund-Halter

Eingeschworene Wolfshund-Community

Schon vor der berühmten Serie "Game of Thrones" gab es Wolfshund-Züchter. Die Serie hat den Trend weiter angefacht. Eine eingeschworene weltweite Online-Gemeinde, nennt sie Nonnenmacher. In Deutschland gibt es laut Nonnenmacher nur wenige Züchter, viele Tiere würden aus Amerika oder dem Balkan importiert.

Wie viele Wolfsmischlinge es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Experten schätzen, dass es rund 1.000 bis 2.000 Tiere sind. In einem taz-Interview erzählt Christian Berge, dass sich Nachbarn und Freunde distanziert haben, weil sie das Halten von Wolfshunden nicht verstehen können. Das sei eine Lebensentscheidung, sagt Berge. Die Wolfshunde und die Community würden zur sozialen Bezugsgruppe.

Wie Wolfshunde entsorgt werden

Doch, was passiert, wenn ein Halter mit seinem Wolfshund überfordert ist? Das Übliche. Nur schlimmer. Manche Tiere werden einfach ausgesetzt. Tierheime sind nicht für Wolfshybride geeignet. Auffangstationen für Wolfshybriden gibt es laut Nonnenmacher trotz großem Bedarf in Deutschland nur wenige und das Ende ist immer das gleiche: Die Tiere werden eingeschläfert.

"Es gibt keine Lösung dafür. Null."

Bernd Nonnenmacher

  • Zwischen Wolf und Hund - Wie gefährlich sind Wolfshybriden?: DokThema, 10.04.2019, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Nicht Hund, nicht Wolf - Sind Mischlinge ein Problem für den Artenschutz? IQ - Magazin, 25.10.2017, 18.05 Uhr, Bayern 2

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