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Wolf in Bayern Die Rückkehr der Wölfe

Durch Bayern streifen wieder Wölfe. Das löst bei manchen Freude, bei anderen Unmut und Angst aus. In Bayern soll der "Aktionsplan Wolf" einen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen schaffen.

Stand: 03.12.2021

Seit sich 1996 die ersten Wölfe in Ostdeutschland niedergelassen hatten, steigt die Zahl der Wölfe in Deutschland kontinuierlich an. Auch im Monitoringjahr 2020/2021 (1. Mai 2020 – 30. April 2021) sind die Zahlen weiter gestiegen. Demnach gab es 157 Wolfsrudel in Deutschland. Neben den 157 Rudeln sind 27 Wolfspaare sowie 19 sesshafte Einzelwölfe für das Monitoringjahr 2020/21 bestätigt. Im vorhergehenden Monitoringjahr 2019/20 wurden 131 Rudel, 45 Paare und neun Einzelwölfe nachgewiesen (aktualisierter Stand vom Herbst 2021). Die Zahlen gehen aus den Erhebungen der Bundesländer hervor, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) veröffentlicht haben.

Verbreitung des Wolfes

Wie viele Wölfe gibt es bei uns? Und wo genau? Infos zum Wolfsvorkommen gibt es beim Bayerischen Landesamt für Umwelt und der "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" (DBBW):

Die meisten Wolfsverbände leben in Brandenburg, gefolgt von Niedersachsen und Sachsen. In Bayern ist der Wolf nach wie vor extrem selten. Es gibt dort aber, wie das Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilt, inzwischen neun Regionen mit standorttreuen Tieren. Ein Wolf gilt als standorttreu, wenn dieser über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen wird oder eine Reproduktion belegt ist. Für die Territorien Veldensteiner Forst (Oberfranken), Manteler Forst (Oberpfalz) und Bayerischer Wald Nord wurden im Monitoring-Jahr 2020/21 immerhin zwölf Welpen bestätigt.

Wolf sorgt für Konflikte

Seit sich Wölfe wieder in Deutschland ansiedeln, kommt es zu Konflikten, etwa, weil die Tiere Nutztiere reißen oder in der Nähe von Menschen auftauchen und dabei bedrohlich wirken.

Im aktuellen Monitoringbericht sind für Bayern folgende Risse gelistet: 37 Schafe, eine Ziege, ein Gehegewild, dazu kamen noch elf verletzte Tiere, die den Wolfsangriff überlebt haben.

Inzwischen ist der Wolf auch in Bayern wieder zu Hause.

Es gab bereits heftig umstrittene Vorschläge, Wölfe dem Jagdrecht zu unterstellen, um den Bestand zu regeln. In Sachsen wurde der Wolf zwar dem Jagdrecht unterstellt, aber keine Jagdzeit eingerichtet. Damit darf der Wolf auch dort nicht gejagt werden. Bislang sind Wölfe nach deutschen und europäischen Gesetzen äußerst streng geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen oder zu töten. In Ausnahmefällen können Wölfe jedoch geschossen werden. Dafür gibt es in Bayern Managementpläne für große Beutegreifer. Maßgeblich für den Wolf ist in Bayern der Managementplan der Stufe 3, der sogenannte Aktionsplan Wolf, der sich vor allem mit dem Thema Abschuss von Wölfen beschäftigt.

Managementplan Wölfe in Bayern

Der Managementplan des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz "beschreibt den Handlungsrahmen und regelt Zuständigkeiten, Kommunikationswege, das Monitoring und die Abwicklung von Ausgleichszahlungen, wenn Wölfe nach Bayern zuwandern."

Bayerns Aktionsplan Wolf

Am 11. März 2019 hat die Bayerische Staatsregierung die Weiterentwicklung des "Aktionsplans Wolf" vorgestellt. Dieser regelt als Managementplan der Stufe 3 den Umgang mit einer zunehmenden Anzahl von Wölfen in Bayern. Er ist höchst umstritten: Naturschützer beklagen, der Abschuss der eigentlich streng geschützten Wölfe werde damit in Bayern deutlich erleichtert. Den Tierhaltern dagegen reicht der Aktionsplan zum Schutz ihrer Rinder, Schafe und Ziegen nicht aus.

Zäune und Hirten als Schutz vor dem Wolf

Ziel des "Bayerischen Aktionsplans Wolf" ist es, Konflikte zu minimieren, die die wachsende Zahl von Wölfen in Bayern auslöst. Vorbeugende Maßnahmen sollen verhindern, dass Wölfe Weidetiere reißen. Dazu zählen beispielsweise spezielle Zäune, das Einzäunen der Tiere in der Nacht (Nachtpferchung) und der Einsatz von Mensch und Hund als Hirten zum Schutz der Herden.

Gesetzesänderungen und Praxisleitfaden zum Wolf

Um die Managementpläne der Bundesländer zu unterstützen, wurde im November 2021 ein Praxisleitfaden zum Wolf verabschiedet. Dieser Praxisleitfaden soll vor allem die rechtssichere Anwendung neuer Regelungen unterstützen, die im März 2020 ins Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen wurden.

Zentrale Inhalte der Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz vom März 2020

Es wird klargestellt, dass kein Schaden im Sinne einer Existenzgefährdung vorliegen muss, damit eine Abschussgenehmigung für einen Wolf erteilt werden kann, sondern es genügt ein "ernster" wirtschaftlicher Schaden. Außerdem ist nach §45a, Abs. 2 S. 1 der Abschuss einzelner Mitglieder eines Rudels auch möglich, wenn Schäden bei Nutztieren keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet worden sind.

BMU: Neue Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz treten in Kraft

Alle 16 Bundesländer haben im November 2021 dem Praxisleitfaden zugestimmt. Er skizziert die rechtlichen Grundlagen und gibt klare Hinweise zum Herdenschutz sowie zur Vorbereitung und Durchführung von Entnahmen. Der Leitfaden gibt also zum Beispiel vor, wann ein Wolf getötet werden darf. Die Hinweise haben aber nur empfehlenden Charakter und sollen für die Bundesländer, die weiterhin für die Umsetzung des Naturschutzrechts zuständig bleiben, eine praktische Anleitung zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen darstellen.

Wölfe dürfen aus der Natur "entnommen" werden

Almbauern halten in alpinem Gelände einen ausreichenden Herdenschutz für nicht umsetzbar. Zu diesem Schluss kommt auch der Aktionsplan Wolf. Eine Weideschutzkommission soll deshalb Weidegebiete vor allem im alpinen Bereich untersuchen und bewerten. Kommt sie zu dem Schluss, dass ein präventiver Herdenschutz nicht möglich ist, dann sei die "Entnahme eines Wolfs" möglich. Das dürfte bedeuten, dass im Alpengebiet Wölfe notfalls geschossen werden können, wenn man auf diese Weise Schäden für die Weidewirtschaft vermeiden kann. Weiter heißt es im Aktionsplan, dass mögliche Schäden durch Wölfe auch in Zukunft vollumfänglich ausgeglichen werden.

Für wie viele Wölfe ist bei uns Platz?

Ulrich Wotschikowsky, der am 30. August 2019 verstorbene Wildbiologe und Wolfexperte, der vormals auch für das Wildtiermanagement im Nationalpark Bayerischer Wald zuständig war, gab Deutschland Raum für etwa 400 Wolfsrudel: "Das sind gut zehnmal so viele, wie wir heute haben. Das ist allerdings aus der Sicht der Wölfe und nicht aus der Sicht der Jäger und Schafzüchter. Nur dann, wenn man die Wölfe machen lässt, wie sie wollen, wenn wir Menschen überhaupt nicht eingreifen, dann könnte sich eine Wolfspopulation in dieser Größenordnung bei uns einspielen", sagte er im März 2016 im alpha-Forum.

Mensch ist größter Feind des Wolfes

Wolf oder Problemwolf?

Doch dass es jemals so weit kommt, glauben Wolfsexperten nicht. Denn der größte Feind des Wolfes ist der Mensch. Nur ein kleiner Teil der Wölfe in Deutschland stirbt eines natürlichen Todes. Der Großteil wird überfahren, einige andere erschossen - meist illegal. "Das Schicksal der Wölfe wird also hauptsächlich von der Jägerschaft abhängen, und zwar davon, ob die illegalen Tötungen von Wölfen zunehmen", sagte Ulrich Wotschikowsky.

Mehr Informationen zum Wolf:

Führungen im Nationalpark Bayerischer Wald

Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es regelmäßig Führungen unter fachkundlicher Leitung. Dabei lernen Sie Wölfe und andere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung kennen - in ihren Freigehegen. Zudem haben wir einige Links für Sie herausgesucht, die Sie über Wölfe und ihren Schutz informieren:


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