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Windenergie Windkraft - zwischen Fortschritt und Flaute

Jahrelang wuchs die Zahl und die Leistung der Windkraftanlagen an Land und auf See. Sie produzieren gut ein Viertel des Stroms in Deutschland. Doch derzeit werden weniger Windräder errichtet. Was bremst den Ausbau der Windkraft?

Stand: 27.04.2021

Wind lässt sich vergleichsweise einfach in elektrischen Strom verwandeln. Windenergie spielt deshalb eine Schlüsselrolle bei der Energiewende in Deutschland. Der Anteil der Windenergie an der gesamten deutschen Stromproduktion lag im Jahr 20202 bei 27 Prozent.

Windkraft in Deutschland

Windkraftanlagen liefern mittlerweile rund die Hälfte des in Deutschland produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Laut des Bundesverbands WindEnergie (BWE) gab es im Jahr 2020 in Deutschland mehr als 31.100 Windenenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 62.700 Megawatt (MW). Davon speisten rund 1.500 Offshore-Windenergieanlagen vor der Küste 7.770 MW ins Stromnetz ein, rund 29.600 standen an Land (Onshore), davon wurden 420 im Jahr 20202 neu installiert. Insgesamt produzierten die Windräder an Land 54.600 MW. Damit war der Wind 2020 nach Angaben des BWE die wichtigste Energiequelle im deutschen Strommix.

Die Branchenverbände Bundesverband WindEnergie (BWE) und Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gehen von gut 100.000 Beschäftigten im Jahr 2020 in der Windbranche aus.

Die Windstrom-Branche und das EEG

Windrad Rotorblätter Nahaufnahme | Bild: colourbox.com zum Video mit Informationen Gegen den Wind Windkraft in der Diskussion

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Doch der Bau von Windkraftanlagen ist ins Stocken geraten. Die Bundesregierung hat deshalb Ende 2020 eine EEG-Novelle beschlossen. Angekurbelt werden soll der Ausbau der Windenergie an Land. Zudem wurde die EEG-Umlage gesenkt, sowie die Ausschreibungsmengen für Windenergie (und auch Photovoltaik) erhöht.

Allerdings fehlt häufig der Platz für neue Windkraftanlagen. Die meisten Flächen, auf denen Windräder stehen dürfen, sind bereits belegt. Zudem bremsen Klagen von Natur- und Artenschützern den Bau neuer Windkraftanlagen. Zum Teil betrifft das auch den Austausch älterer Rotoren durch neue und leistungsfähigere, das sogenannte Repowering. Gleichzeitig gibt es Forderungen, den Bau neuer Windkraftanlagen zu beschränken und zunächst neue Stromtrassen zu errichten, da sonst ein Kollaps des Stromnetzes drohe.

Windenergie in Bayern

Die meisten Windenergieanlagen, die bereits gebaut sind, stehen im Norden und der Mitte Deutschlands. Im Süden stagniert hingegen der Ausbau. Im Jahr 2020 wurden in Bayern gerade einmmal 8 neue Windenergieanlagen (WEA) mit einer Leistung von 32 MW gebaut. Im Freistaat standen 2020 somit nach Angaben des Bundesverband WindEnergie 1.241 Anlagen mit einer kumulierten Leistung von 2.570 Megwatt.

10-H-Regel bremst Windräder-Bau

Seit 2014 gilt in Bayern die sogenannte 10-H-Regel. Sie besagt: Eine Windkraftanlage muss zur nächsten Ortschaft mindestens das Zehnfache ihrer Höhe Abstand halten. In Bayern gibt es nur wenige Standorte, die diese Vorgabe erfüllen, für Windkraft geeignet sind und an denen noch kein Windrad steht. Das ist ein Grund, warum in den vergangenen Jahren in Bayern kaum neue Windkraftanlagen gebaut wurden.

Standorte für Windräder in Bayern

Nicht alle möglichen Standorte sind für Windkraftanlagen tatsächlich geeignet. Der "Windatlas" der bayerischen Staatsregierung stellt die Qualität der Windverhältnisse in den unterschiedlichen bayerischen Regionen sowie den mögliche Energieertrag in unterschiedlichen Höhen dar. Zudem zeigt er, welche Standorte mit einer Beeinträchtigung durch den Schattenwurf der Windkraftanlagen rechnen müssten. Der Windatlas zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf: So werden vor allem für die nordbayerischen Mittelgebirge Rhön und Fichtelgebirge nutzbare Winde diagnostiziert. Nur dort entsprächen die Winde denen der norddeutschen Küstenregion. Spessart, Odenwald und Fränkische Alb wären auch geeignet. Als ungeeignet werden dagegen der Bayerische Wald und die Alpen angesehen. Wo welche alternative Energie-Möglichkeiten zum Einsatz kommen könnten, zeigt unter anderem auch der Energie-Atlas.

Offshore-Windparks in der Nordsee

An Land dürfen Windkraftanlagen nur auf dafür genehmigten Flächen stehen. Diese sind begrenzt und nicht immer weht der Wind dort auch stark und konstant. Auf dem Meer gibt es dagegen genug Platz und der Wind weht dort gleichmäßiger. Deshalb errichten Energieerzeuger dort sogenannte Offshore-Windparks. Der erste deutsche Offshore-Park Alpha Ventus ging im Jahr 2010 mit zwölf Windkraftanlagen und rund 60 Megawatt Nennleistung vor der Nordseeinsel Borkum in Betrieb. Ende 2019 betrug die installierte Leistung der 1.469 Windkraftanlagen in deutschen Offshore-Windparks 7.516 MW. Davon entfallen 6.440 MW auf Windparks in der Nordsee und 1.076 MW auf Windparks in der Ostsee.

Auf dem Festland wird Wind ausgebremst

Windkraftanlagen auf See erreichen rund zwanzig Prozent mehr Leistungsausbeute als vergleichbare Anlagen an Land. Der Wind kann so gut wie ungestört über die Wasseroberfläche wehen. An Land bremsen und verwirbeln dagegen Hügel, Bäume und Gebäude den Wind. Windparks im Meer haben aber auch Nachtteile. Der Bau der Windkraftanlagen ist aufwendig und kostspielig, ebenso die Verlegung von Unterseekabeln, die den Strom an Land leiten.

Windräder stören Auge und Ohr

Windkraftanlagen erzeugen umweltfreundlich Strom, stoßen aber auch auf heftige Kritik. Gegner beklagen eine Verschandelung der Landschaft. Anwohner fürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien und störende Betriebsgeräusche der Rotoren. Angeblich sollen diese sogar krankmachen, was sich bisher aber nicht belegen ließ.

Gefährlich für Tiere

Auch manche Tier- und Artenschützer wenden sich gegen Windkraftanlagen. Sie betrachten sie als tödliche Gefahr für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Insbesondere Greifvogel wie der Rotmilan werden von den Rotorblättern erschlagen. Als Ausgleich zwischen Artenschutz und Umweltschutz fordert daher beispielsweise der Bund Naturschutz eine Reihe von Kriterien bei der Standortwahl von Windkraftanlagen. Dazu zählen ausreichend Abstand zu Brutstätten gefährdeter Arten, Korridore für Zugvögel und Tabuzonen wie Nationalparke und Naturschutzgebiete.

Saubere Energiequelle

Trotz dieser Nachteile für Mensch und Tier bleibt der Wind eine der effektivsten Quellen um elektrischen Strom zu erzeugen, ohne Treibhausgase auszustoßen. Selbst wenn es gelingen sollte, den Stromverbrauch in Deutschland deutlich zu reduzieren, wird es daher auch in Zukunft notwendig sein, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Betreiber der Windkraftanlagen und ihrer Gegner zu finden.

  • Windkraft – Kampf um die Energiewende. Planet Wissen, 17.11. um 18:15 Uhr, ARD-alpha
  • Windenergie im Gegenwind. radioWissen, 12.03.2020 um 15:05 Uhr, Bayern 2
  • Windkraft - Wer ist schuld an der Krise? IQ - Wissenschaft und Forschung, 13.11.2019, 18:05 Uhr, Bayern 2

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