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Wildbienen werden immer weniger So können Sie den wilden Sammlerinnen helfen

Sie stehen im Schatten der Honigbiene und erfüllen doch die gleiche, wichtige Aufgabe in der Natur: Wildbienen. Immer mehr von ihnen sind gefährdet. Mit einer schicken Mietwohnung können Gartenbesitzer ihnen die Arbeit versüßen.

Stand: 18.05.2021

17.05.2021, Brandenburg, Frankfurt (Oder): Eine Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) auf speziellen Brutröhrchen. Ein sonniges Plätzchen, blühende, abwechslungsreiche Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft - fertig ist das Paradies für Wildbienen. Das kann jeder interessierte Laie ausprobiere - der Frankfurter Imker Eberhard Theis züchtet die nicht stechenden Arten und verleiht sie. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Patrick Pleul

Den Insekten in Deutschland geht es nicht gut, und auch viele der über 560 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, sind massiv gefährdet. Die meisten Wildbienen suchen und bauen sich Bruträume in Pflanzenstängeln, Holzritzen, Lehmböden oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Wie die Honigbienen sammeln Wildbienen Nektar und Blütenstaub. Deshalb spielen sie eine wesentliche Rolle bei der Bestäubung von Blütenpflanzen.

Wildbienen sind effektive Pflanzen-Bestäuber

Wildbienen liefern zwar keinen Honig, die Bestäubungsleistung einiger Arten ist aber weit höher als bei der Honigbiene. Für die Bestäubung eines Hektars mit Obstbäumen sind ein bis zweieinhalb Bienenvölker notwendig – oder 530 nistende Weibchen der Gehörnten Mauerbiene. Die Gehörnte Mauerbiene ist eine Art, die sich mit einfachen Nisthilfen auch schnell im Garten oder auf dem Balkon einfindet.

Die Top 10 der bienenfreundlichen Pflanzen

Honigbienen und Wildbienen - ein gutes Team

Wie wichtig Wildbienen sind, belegt auch eine Studie von 2013 unter Federführung der Universitäten Würzburg, Lüneburg und Rio Negro in Argentinien. In 19 verschiedenen Ländern wurde untersucht, wie viele und wie viel verschiedene Wildbienenarten es auf den jeweiligen Anbauflächen gab. Außerdem wurde protokolliert, wie viele Blüten der Nutzpflanzen sich bis zur Ernte zu Früchten entwickelten. Überall zeigte sich: Honig- und Wildbienen bestäuben Felder gemeinsam viel effektiver, als Honigbienen dies alleine können - selbst wenn die Gesamtzahl der bestäubenden Insekten gleich ist.

Zu wenig Nistmöglichkeiten für Wildbienen

Doch die Wildbienen werden immer weniger, Nistmöglichkeiten werden rarer. Flächen werden zunehmend versiegelt, tote Bäume entfernt, Altholz imprägniert und altes Gestrüpp beseitigt. Auf der Suche nach Niströhren nehmen die Wildbienen deshalb künstliche Hilfen gerne an. Selbst in der Großstadt auf einem Balkon im achten Stock werden Nisthilfen von Wildbienen besiedelt.

Nisthilfe vom Menschen

Die Niströhre als Schutz

Wilde Biene: Die Mauerbiene

Bienen brauchen zum Aufwachsen Niströhrchen. Fünf oder sechs Mauerbienen teilen sich dabei den Wohnraum. Hintereinander wachsen sie vom Ei über die Larve bis zur Puppe, die überwintert. Im nächsten Jahr schlüpft aus ihr die fertige Biene. Die Tiere, die ganz hinten schlüpfen, müssen zwar die Hüllen ihrer geschlüpften Vorderbienen mühsam aus dem Loch schieben. Dafür sind sie während der Puppenruhe im Winter am besten vor Vogelfraß geschützt.

Maßgeschneiderte Niströhrchen

Verschiedene Nisthilfen im Überblick

Mit Niströhren beispielsweise aus ausgebohrten Ästen von Holunder oder Brombeeren können wir ihnen die größte Freude machen. Die Äste werden aufgehängt, wo es sonnig, aber nicht zu sonnig ist. Auch Schilfröhrchen können als Niststätten dienen. Wer einen Garten hat, kann Löcher ins Totholz bohren oder gar eine Lehmwand mit eingebohrten Nistmöglichkeiten anlegen - immer mit Löchern zwischen drei und acht Millimetern für die verschiedenen Wildbienenarten. Sechs bis acht Millimeter Durchmesser sind zum Beispiel besonders geeignet für Mauerbienen.

Achtung vor dem Vogel bei "Bienenhotels"“

Künstliche Ansammlungen zahlreicher Niströhren zum Beispiel in einem Bündel Schilf sind richtige "Bienenhotels". Die Hotels sind allerdings auch für Vögel äußerst attraktiv. Im Winter sollten sie daher besser abgedeckt werden, um die Bienen vor hungrigen Räubern zu schützen. Das kann mit einer einfachen Plastikhaube geschehen, die mit Durchlüftungslöchern versehen ist, oder - bei größeren Wildbienenhotels - mit einem Vogelschutznest.

Hilfe bis ins späte Frühjahr

Weil manche Wildbienenarten wie beispielsweise die Scherenbienen erst im Sommer schlüpfen, lohnt es sich noch bis ins späte Frühjahr hinein Nisthilfen aufzustellen. Angst, gestochen zu werden, braucht man nicht zu haben: Die Männchen haben keinen Stachel und die Weibchen sind äußerst friedfertig, weil sie keinen Honig zu verteidigen haben und die Brut erst im kommenden Jahr schlüpft.

Ausnahme Hummel

Hummeln kann man mit einem Kasten voll Streu und Polsterwolle helfen.

Auch die dicken, pelzigen Hummeln, die in kleinen Völkern von bis zu 600 Tieren leben, gehören zu den Wildbienen. Doch anders als ihre kleinen Verwandten können gereizte Hummeln in Nestnähe den Menschen stechen. Deshalb sollten ihre künstlichen Wohnungen besser in einer ruhigen Gartenecke liegen. Und statt Niströhren eignen sich Kisten, die wie ein Mäusenest mit Kleintierstreu oder Polsterwolle ausgekleidet werden.

Hintergrund zu Wildbienen

Zahlreiche Fotos und ausführlicher Beschreibungen unterschiedlicher Wildbienenarten und ihrer Lebensweise sind auf dieser privaten Internetseite zu finden.

Der ideale Lebensraum für Wildbienen

Infos zu Pflanzen, Lebensraum und Lebensweise der Wildbienen erhalten Sie hier:

Spannungsfeld Honigbienen - Wildbienen

Viele Wildbienen-Experten sehen die zunehmende Imkerei kritisch, da die starken Honigbienenvölker Nahrungskonkurrenten für die Wildbienen sein können.


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