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Waldzustand 2019 Dem Wald in Bayern geht es schlecht

Der Zustand der Waldbäume in Bayern hat sich 2019 gegenüber 2018 insgesamt verschlechtert. Das extrem trockene Frühjahr und der trocken-heiße Sommer haben den Bäumen zugesetzt. Vor allem Nordbayern ist betroffen.

Stand: 13.11.2019

Laubwald in Bayern | Bild: picture alliance / Prisma

Das extrem trockene Frühjahr und der trocken-heiße Sommer 2018 sowie der trocken-heiße Früh- und Hochsommer 2019 spiegeln sich in den Ergebnissen der diesjährigen Waldzustandserhebung in Bayern wider. Gegenüber 2018 hat sich der Zustand der Waldbäume im Jahr 2019 in Gesamtbayern insgesamt verschlechtert. Gegenüber 2018 stieg der mittlere Nadel- bzw. Blattverlust aller Baumarten um rund vier Prozentpunkte auf knapp 25 Prozent, den höchsten Wert seit über 20 Jahren.

Bäume in Nordbayern leiden am meisten

Dabei zeigten sich allerdings deutliche regionale Unterschiede. Im von Hitze und Trockenheit 2018 und 2019 besonders stark betroffenen Nordbayern sind die Schäden größer als in Südbayern. Hier liegen die Verluste für alle Baumarten bis zu zehn Prozentpunkte über dem kühleren und niederschlagsreicheren Südbayern.

Kiefer stark betroffen, Tanne schlägt sich wacker

Die höchsten Verluste hat die Kiefer zu verzeichnen, ihre Nadelverluste sind im gesamten Freistaat höher als 2018. Auch die Eichen verschlechterten sich deutlich, insbesondere in den fränkischen Trockengebieten. Fichten und Buchen weisen ebenfalls in Franken schlechtere bis deutlich schlechtere Werte auf als im Süden und Südosten des Freistaates. Die Nadelverluste der Tanne unterscheiden sich nur minimal von den Werten 2018. Sie ist jedoch fast ausschließlich in regenreicheren Regionen im Süden und Südosten Bayerns verbreitet.

Ein Pilz macht Eschen den Garaus

Der Stamm einer jungen Esche, die vom Pilz Hymenoscyphus befallen ist.

Weiterhin Sorge bereitet das Eschentriebsterben im gesamten Freistaat. Darunter versteht man den Befall der Bäume mit dem Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus. Knapp zwei Drittel der untersuchten Eschen in Bayern sind von dem Pilz befallen. Vor allem bei jungen Bäumen führt der Pilz meist zu einem raschen Absterben und weitere Schädlinge machen sich über die jungen Eschen her, zum Beispiel Eschenbastkäfer und Hallimasch. Auch der Mistelbefall an Kiefern und Tannen breitet sich im Zuge des Klimawandels weiter aus.

Schäden wegen Hitze, Trockenheit und Frost

Der Asiatische Laubholzbockkäfer befällt gesunde Bäume und kann sie bei starkem Befall zum Absterben bringen.

Laut dem letzten Waldbericht aus dem Jahr 2017 haben Klimaphänomene wie Hitze, Trockenheit und Spätfröste einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Wälder in Bayern. Stürme hinterlassen zum Teil katastrophale Schäden in den Wäldern. Milde Winter und trockene Phasen sorgen dafür, dass sich der Borkenkäfer explosionsartig vermehrt. Außerdem machen neue Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbock den Wäldern zunehmend zu schaffen. "Die vergangenen Trockenjahre schlagen vielfach erst jetzt voll durch und verschärfen die Lage vielerorts drastisch", sagte die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber am 13. November 2019. Das Ziel sei es, 200.000 Hektar Nadelwälder so rasch wie möglich in widerstandsfähigere Mischwälder umzubauen.

Waldzustand in Bayern

Die Daten zum Waldzustand in Bayern basieren auf einer jährlichen Erhebung durch speziell geschulte Försterinnen und Förster. Sie begutachten jeweils im Juli und August an landesweit 266 Inventurpunkten rund 11.500 Waldbäume.

Bundesweite Veränderungen in der Waldstruktur zeigen auch Erhebungen wie die Bundeswaldinventur. Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur wurden am 8. Oktober 2014 veröffentlicht.

Dritte Bundeswaldinventur

Zensus

Vermessung des Waldes

Alle zehn Jahre wird der deutsche Wald eingehend untersucht, für die große Waldinventur, die Bund und Länder gemeinsam vornehmen. Die aktuellen Daten wurden 2011/2012 erhoben, mit den Ergebnissen von 2002 verglichen und im Oktober 2014 veröffentlicht.

Inventur

Umfassende Inventur

Im Gegensatz zum Waldzustandsbericht, der jedes Jahr erscheint, hat die Bundeswaldinventur bisher nur 1986, 2002 und 2012 stattgefunden. Allein in Bayern wurden dafür rund 100.000 Bäume an 7.800 Messstationen von ausgebildeten Förstern und Waldarbeitern untersucht. Deutschlandweit wurden 420.000 Bäume unter die Lupe genommen. Für die Messungen werden jedes Mal die gleichen, gekennzeichneten Gebiete aufgesucht.

Messungen

Alter und Baumarten

Die Inventur dauert auch so lange, weil 150 unterschiedliche Messdaten erhoben werden müssen. Gefragt wird unter anderem: Wie hoch sind die Bäume, welchen Durchmesser haben sie? Wie sieht die Waldstruktur um den Kontrollpunkt aus? Welche Schäden und Arten gibt es? Liegen abgestorbene Äste und Stämme herum, in denen Pilze oder Insekten leben können? Damit sollen die Waldstruktur, die Nutzung des Waldes, Baumbestand und Alter ermittelt werden.

Ergebnisse

Auf einem guten Weg

Der deutsche Wald wird älter und vielfältiger: Knapp ein Viertel des Waldes ist älter als 100 Jahre und zwei Drittel der Wälder haben zwei Kronenschichten, also jüngere Bäume unter einem schützenden Schirm älterer Bäume. Zudem gibt es wieder mehr Laubbäume und Mischwälder. Solche Wälder gelten als besser geschützt gegen Stürme, Schädlinge und Klimaveränderungen.

Es gibt in den deutschen Wäldern so viel Holz wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr, sagt das Ministerium, 3,7 Milliarden Kubikmeter. Am häufigsten ist immer noch die Fichte, gefolgt von Kiefer, Buche und Eiche. In den Wäldern liegt mittlerweile auch wieder mehr Totholz abgestorbener Bäume, in dem Pilze, Flechten, Insekten oder Vögel leben.

Bayern bleibt ein Waldland, mehr als ein Drittel des Freistaats ist mit Wäldern bedeckt, über 1,6 Milliarden Bäume, das entspricht gut einem Viertel der deutschen Holzvorräte. Holz ist ein begehrter Brenn- und Baustoff.

Reaktionen

Umweltverbände freuen sich über die Ergebnisse der Waldinventur, warnen aber trotzdem. Der Wald müsse noch älter werden und es brauche mehr ungenutzte Flächen, in denen sich die Natur selbst überlassen sei. Darüber hinaus müsse noch mehr geforscht werden. Denn Laubhölzer seien in der Baubranche nicht beliebt, was Waldbesitzer abschrecken könnte, ihren Forst langfristig umzubauen.

Rückschlüsse

Wertvoll für das Klima

An den Daten der Erhebung lässt sich die Entwicklung des Waldes in den vergangenen zehn Jahren ablesen. Das ist nicht nur zur Kontrolle der Waldbewirtschaftung wichtig. Auch für den Erhalt der Biodiversität werden Daten gesammelt. Schließlich ist die Inventur auch ein wichtiger Indikator für den Klimawandel. Denn Bäume dienen als Kohlenstoffspeicher. Die Bundeswaldinventur liefert deswegen wichtige Daten, wie groß der Kohlenstoffspeicher in Deutschland ist.

  • Waldzustandsbericht 2019 "Lage ist dramatisch": B5 aktuell am 13.11.2019, 13:15 Uhr
  • Waldbericht 2017 - Aufbau klimastabiler Mischwälder kommt nur langsam voran: in "Aus Landwirtschaft und Umwelt", B5 aktuell , am 12.11.2017, um 07.05 Uhr und 22.35 Uhr
  • Waldbericht 2017 in "Rundschau, BR Fernsehen, am 08.11.2017, um 16.00 Uhr
  • Die Vermessung des Waldes – Bundeswaldinventur prüft Gesundheit von Bäumen und Boden: in IQ – Wissenschaft und Forschung", am 19.12.2012, um 18.05 Uhr


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