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NABU schlägt Alarm Zahl der Vögel in Deutschland nimmt drastisch ab

Zwischen 1998 und 2009 ist die Zahl der Vögel, die in Deutschland brüten um ein Siebtel zurückgegangen. Der Präsident des Deutschen Naturschutzbundes (NABU) spricht von "einem regelrechten Vogelsterben".

Stand: 19.10.2017

In Bedrängnis: der Star zählt zu den Vögeln, deren Bestand stark rückläufig ist. | Bild: NABU/ frank Hecker

Laut einer Studie, die der NABU nun veröffentlicht hat, ist die Zahl der Brutpaare aller Vogelarten innerhlab von zwölf Jahren um 15 Prozent gesunken. Insgesamt ging die Brutpaarzahl in diesem Zeitraum von 97,5 auf 84,8 Millionen Paare zurück.

NABU beklagt Vogelsterben

Die Auswertung beruht auf den Vogelbestandsdaten, die die Bundesregierung 2013 an die Europäische Union gemeldet hat. Hatte man sich bislang vor allem auf die Zu- oder Abnahme einzelner Arten konzentriert, wird nun laut NABU zum ersten Mal auch eine Gesamtzahl genannt.

Aus den Daten geht hervor, dass der Bestand mancher seltener Arten zunimmt, dafür nimmt der Bestand aber bei häufigen und weit verbreiteten Arten massiv ab.

"Aufgrund dieser dramatischen Zahlen muss man von einem regelrechten Vogelsterben sprechen. Während wir es schaffen, große und seltene Vogelarten durch gezielten Artenschutz zu erhalten, brechen gleichzeitig die Bestände unserer Allerweltsvögel ein."

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident

Star und Spatz in Bedrängnis

Drastischer Vogelschwund in Deutschland

Der Grund für sinkende Bestände bei Star und Co: Die heimischen Vögel finden "einfach in unserer heutigen aufgeräumten Agrarlandschaft außerhalb von Naturschutzgebieten keine Überlebensmöglichkeiten mehr", erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. So ist der Star, der frisch gekürte Vogel des Jahres 2018, mit fast 2,6 Millionen Brutpaaren weniger besonders betroffen: Zwischen 1998 und 2009 ging die Zahl der Star-Brutpaare um dramatische 42 Prozent zurück. Aber auch beim Spatz sieht es nicht gut aus: Der Haussperling liegt mit 1,2 Millionen Brutpaaren weniger in diesem Zeitraum auf Rang zwei der Verliererliste. Es folgen das Wintergoldhähnchen ( 1,1 Millionen Brutpaare weniger) und der Buchfink (eine Million Brutpaare weniger).

Landwirtschaft schuld am Artensterben

Feldlerche im Anflug

Neben dem Star finden sich mit Feldlerche, Feldsperling und Goldammer drei weitere Vögel der Agrarlandschaft unter den zahlenmäßig größten Verlierern. Die intensive Landwirtschaft mit den Monokulturen und dem starken Einsatz von Pestiziden macht den Vögeln zu schaffen.

"Sowohl bei den seltenen als auch bei den häufigen Arten, sind die Vögel der Agrarlandschaft am stärksten betroffen. In der Entwicklung unserer landwirtschaftlich genutzten Flächen ist auch der mutmaßliche Grund für diesen massiven Bestandseinbruch zu suchen."

Lars Lachmann, NABU-Vogelexperte

Auf Insektensterben folgt Vogelsterben

Im betroffenen Zeitraum hat, so der NABU, der Anteil an artenreichen Wiesen und Weiden oder Brachflächen drastisch ab-, dagegen der intensive Anbau von Mais und Raps stark zugenommen. Ein ganz ähnliches Muster wie bei der Entwicklung der Vogelzahlen zeigt sich bei der Zahl der Insekten: Eine am 18. Oktober 2017 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie hat bisherige dramatische Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland bestätigt. Seit den 90er-Jahren hat dort die Biomasse der Fluginsekten zwischen 76 bis 81 Prozent abgenommen. Durch die große Anzahl der untersuchten Standorte und Lebensräume kann die Studie als repräsentativ für ganz Deutschland erachtet werden und wurde auch von zahlreichen Experten bestätigt.

"Ein direkter Zusammenhang mit dem Vogelrückgang ist sehr wahrscheinlich, denn fast alle betroffenen Arten füttern zumindest ihre Jungen mit Insekten."

Lars Lachmann, NABU-Vogelexperte

Reform in der Agrarpolitik zur Rettung der Vögel

Der NABU fordert die Koalitionsparteien einer neuen Bundesregierung daher dringend dazu auf, die Notbremse zu ziehen, und eine grundlegende Reform der Agrarförderung auf EU-Ebene durchzusetzen. Öffentliche Gelder sollen nicht mehr mit der Gießkanne verteilt werden, sondern aus einem Naturschutzfonds an Landwirte für konkrete öffentliche Naturschutzleistungen gezahlt werden. "Nur so lässt sich das Verschwinden der Vögel vor unseren Augen aufhalten und rückgängig machen, bevor es zu spät ist", so Lachmann.

  • "Weniger Insekten, weniger Vögel": Interview mit Andreas von Lindeiner, Landesbund für Vogelschutz, radioWelt, Bayern 2, 24.10.2017, 6.05 Uhr
  • Naturschutz: Warnung vor Vogelsterben": Abendschau, BR Fernsehen, 23.10.2017, 17.30 Uhr
  • "Pestizide töten Vögel": nano, ARD-alpha, 20.10.2017, 16.30 Uhr

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Hellenbroich Marianne, Samstag, 19.Mai 2018, 09:33 Uhr

3. Meisen als Elsternfutter

Wenn Sie ein besseres Forum für diese Mitteilung kennen, gerne weiterleiten.. Heute morgen holten sich die Elstern die Kohlmeisenjungen im Moment des ersten Ausflugs. Die Zahl der Elstern nimmt auch in unserem Wohngebiet nicht nur gefühlt in den letzten Jahren ständig zu; in unserem Garten fühlen sie sich aufgrund des Nussbaums auch wie zu Hause.Der Kasten mit den fast flüggen Meisen war schon länger in ihrer Beobachtung. Da auch Elstern leben wollen, ist eigentlich nur die Begrenzung ihrer Anzahl ein Mittel der Wahl, die Singvögelpopulation zu unterstützen? Ich kenne die Diskussion zu diesem Thema, möchte lediglich aus dem Zorn heraus ein weiteres Argument liefern. Freundliche Grüße, Marianne Hellenbroich

sympathie träger, Donnerstag, 19.Oktober 2017, 19:11 Uhr

2.

ein weiterer , aber praktisch nie erwähnter grund , für das insekten sterben dürfte auch der ungehmmte einsatz von mulchgeräten sein ! die machen nähmlich alles platt und nicht nur pflanzen . aber hauptsache alles sieht schön ordentlich aus ! schliesslich mulchen selbst städte und gemeinden strassenränder mit steuergeldern mindestens 2 x im jahr ! übrigens verstehe ich sowieso nicht warum landwirte ständig über den preisdruck reden , aber jede menge geld und zeit haben ihre feldränder auch mehrmals im jahr zu mulchen . sogar weiherdämme und waldwege werden heutzutage mehrmals gemulcht ! kann mir mal einer sagen was das bringen soll ? also stopt die schwachmahten mit den mulchgeräten , das ist alles verschwendete biomasse und energieverschwendung !

Münchner, Donnerstag, 19.Oktober 2017, 15:51 Uhr

1. Es hat keinen Sinn mehr immer wieder

neu darüber zu berichten. Es muss endlich gehandelt werden.