Tiere im Winter So füttern Sie Vögel richtig

Vögel, die bei uns überwintern, brauchen unsere Hilfe nicht. Trotzdem haben Naturschützer nichts gegen maßvolles Füttern – wenn Sie diese Regeln beachten.

Stand: 09.02.2021

So klappt das Füttern der Vögel im Winter: Ein Seidenschwanz freut sich über einen Apfel (Baden-Württemberg) | Bild: picture alliance / blickwinkel

Kaum ein anderes Thema wird unter Vogelfreunden so heiß und emotional diskutiert wie die Winterfütterung. Die einen plädieren fürs Füttern, damit kein Vogel den Hungertod erleidet, andere bezeichnen es als falsch verstandene Tierliebe. Die Experten sind sich allerdings darüber einig, dass bei uns überwinternde Vögel nicht auf das Futter vom Menschen angewiesen sind, Füttern aber durchaus erlaubt ist.

Eingriff in die Natur

Der Winter dient in der Natur als Auslese unter den Vögeln. Schwächere und kranke Vögel sterben, vitale können sich behaupten. Durch die Winterfütterung verringert sich die Sterblichkeit – allerdings nur die von rund 20 Kleinvogelarten, die ohnehin nicht gefährdet sind. So bekommen häufig vorkommende Arten wie Meisen, Rotkehlchen, Drosseln und Finken Konkurrenzvorteile gegenüber selteneren Arten und Zugvögeln. Im Frühling machen sie dann den heimkehrenden Zugvögeln ihren Lebensraum streitig.

Vögel füttern in strengen Wintern

Trotzdem haben Naturschützer nichts gegen ein maßvolles Füttern im Winter, gerade bei länger anhaltendem Frost. Auch wenn keine geschlossene Schneedecke liegt, finden Vögel auf gefrorenen Böden kaum Futter. Experten raten zu Meisenringen, -knödeln oder Futtersilos. Bei ihnen ist die Gefahr der Krankheitsübertragung geringer als bei Vogelhäuschen oder auf dem Boden ausgestreutem Futter. Völlig ungeeignet als Futter für alle Vögel sind dagegen Brot und Speisereste!

Wer frisst was?

Die Schnabelform bestimmt das Futter der Vögel. Finken, Spatzen und Ammern mögen am liebsten Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Getreidekörner oder die üblichen Freiland-Futtermischungen. Rotkehlchen, Meisen, Kleiber, Amseln, Zaunkönig und Drosseln bevorzugen tierische Kost oder feine ölhaltige Samenmischungen, wie sie in Meisenknödeln oder -ringen zu finden sind. In einem Fettgemisch aus Talg sind die Körner zudem vor Nässe geschützt.

Die wichtigsten Gartenvögel im Überblick

Beim Futter auf Qualität achten

Beim Kauf von Vogelfutter auf Qualität und Haltbarkeit achten! Das Futter sollte keine Füllstoffe enthalten oder mit Sand gestreckt sein. Das Mindesthaltbarkeit sollte nicht abgelaufen sein. Da ausgelegtes Futter in der Regel sehr trocken ist, benötigen die Vögel viel Wasser. Daher auch im Winter Schalen mit Trink- und Badewasser zur Verfügung stellen. Um die Tiere brauchen Sie sich keine Sorgen machen: Das Gefieder der Vögel vereist nicht durch ein Wasserbad.

Ökologischer Garten besser als Füttern

Zugegeben, für Kinder ist Vögel füttern ein schönes Erlebnis. So können sie die Tiere aus nächster Nähe betrachten. In der Stadt sind Vögel am Futterhäuschen manchmal der einzige Kontakt zur Natur. Doch besser als jede Fütterung ist ein natürlicher Garten mit Laubholzhecken, kleinen Komposthaufen und knorrigen Obstbäumen. Naturgärtner häufen herabgefallene Blätter im Herbst unter Sträuchern an, statt sie wegzuräumen. "Laub wird als Schatz im Garten bewahrt", erklärt die Biologin Ulrike Aufderheide, Vorstandsmitglied des Vereins Naturgarten, im September 2020. "Das spart eine Menge Vogelfutter." Denn im Laubhaufen finden Vögel auch im Winter Insekten oder Schnecken. Auch Fallobst, dass unter Hecken und Sträuchern liegengelassen wird, bietet vielen Tieren Nahrung.

Wildpflanzen locken seltene Vögel an

Stieglitze lieben Samen aller Art, besonders Kratzdisteln, Karden und andere Korbblütler.

Darüberhinaus siedeln Naturgärtner gerne heimische Wildpflanzen an, denn diese locken selten gewordene Vögel in den Garten. Zum Beispiel den Stieglitz. Der Bestand von Stieglitzen ging laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) seit 1990 um fast die Hälfte zurück. Ein Grund: Die Vögel mit ihren auffälligen gelben und roten Federn leben im Winter von Samenständen inzwischen seltener Wildpflanzen. Besonders gerne mögen sie die Samen der violett blühenden Wilden Karde. "Wer Karden im Garten hat und die Samenstände im Winter stehen lässt, kann sich an Stieglitzen erfreuen", weiß Ulrike Aufderheide.

Das hat sich bei der Vogelfütterung bewährt:

  • Grundsätzlich ist eine Fütterung das ganze Jahr über möglich. Sie ist aber vor allem im Winter bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost empfehlenswert.
  • Besser als Vogelhäuschen und das Ausstreuen von Futter sind Meisenringe, -knödel oder Futtersilos. Sie verringern die Gefahr einer Krankheitsübertragung, da die Vögel nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können.
  • Sollten Sie dennoch ein herkömmliches Futterhäuschen verwenden, dann reinigen Sie es regelmäßig mit heißem Wasser. Machen Sie das Vogelhaus mit Gummihandschuhen sauber und überlassen Sie diese Arbeit nicht Kindern. Streuen Sie nur wenig Futter und entsorgen Sie das alte.
  • Das Futter darf auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässen, da es sonst verderben oder vereisen kann.
  • Verwenden Sie artgerechtes Futter aus dem Fachgeschäft oder direkt vom Landesbund für Vogelschutz. Im Allgemeinen reicht eine einfache Körnermischung aus Sonnenblumenkernen, Hanf und Haferflocken – eventuell mit Rosinen – völlig aus.
  • Schützen Sie den Futterplatz vor Katzen, Hunden und Mäusen: Er sollte erhöht und nicht nah an einer Hecke angebracht sein.
  • Wasservögel sollten Sie nicht füttern, denn dies verschmutzt die Gewässer.

Tipp: Vogelfutter selbst machen

Tierexperte Henning Wiesner

Tierexperte Henning Wiesner bereitet das Vogelfutter selbst zu: "Ich nehme zwei Teile Rindertalg und einen Teil Pflanzenfett, zum Beispiel Palmin. Das lasse ich schmelzen, gieße es in einen leeren Joghurtbecher und lasse es langsam erstarren. Wenn's dann fester wird, gebe ich Mohnsamen rein. Bevor's ganz hart ist, kommt noch ein Stöckchen rein, damit man's aufhängen kann. Kurz ins heiße Wasser tauchen, dann löst sich der Becher und es ist einsatzbereit."