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Uhu in Bayern erfolgreich Die größte Eule wird häufiger

Der Uhu gilt als Erfolgsprojekt des Artenschutzes: Nachdem die große Eule in Bayern fast ausgestorben war, konnte sich ihr Bestand durch Schutz der Brutprojekte wieder erholen. Doch der Uhu ist immer noch selten. Aber er rückt näher an den Menschen heran.

Von: Anne-Kathrin Gebert

Stand: 09.07.2021

In der Antike jagten ihn die Menschen als "Totenvogel". Im Mittelalter wurden Uhus und andere Eulen zur Abwehr von Blitzschlag und Zauberei an Scheunentore genagelt. In den 1960er-Jahren war der große Greifvogel akut vom Aussterben bedroht, in Bayern gab es nur noch wenige Brutpaare.

Neben der ständigen Schrumpfung seines Lebensraums waren vor allem Hochspannungsleitungen die größte Bedrohung für den "König der Nacht". Als damals nur noch vierzig Uhupaare in der Bundesrepublik Deutschland lebten, wurde ein Schutzprogramm für den Vogel gestartet. Mit Erfolg: Der Uhu kam zurück und wird wieder häufiger gesichtet.

Uhu und Eule - ein Unterschied?

Nein. Der Uhu ist die größte Eulenart. Bei den Eulen wird zwischen zwei Familien unterschieden:

  • den "Eigentlichen Eulen" (wissenschaftlicher Name: Strigidae), zu ihnen zählen unter anderem auch die Kreischeulen, die Haubenkäuze, die Ohreulen und eben auch der Uhu) und
  • den "Schleiereulen" (mit ihren zahlreichen Arten und Unterarten).

Uhu-Paradies Bayern

Der Uhu braucht freie Flächen zum Jagen

Am Lech, zwischen Landsberg und Schongau, hat die große Eule, der Uhu, durch die Schutzprojekte wieder einen Lebensraum gefunden. Hier findet er alles, was er zum Leben braucht: Versteckmöglichkeiten in den steilen Lechhängen, Jagdgebiete in den lichten Kiefernwäldern und den Flussauen und Stauseen. Das Lechtal südlich von Landsberg ist eines der Gebiete in Europa, wo der Uhu am erfolgreichsten brütet. Verschiedene Lebensraumtypen sind hier eng verzahnt - das macht das Gebiet so wertvoll für den Uhu.

Der Uhu steht laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) für einen der ganz großen Erfolge des Artenschutzes in Deutschland. Nach Jahren auf der Roten Liste in Bayern und ganz Deutschland gilt er offiziell nicht mehr als akut gefährdet, aber als selten. Derzeit leben rund 500 bis 600 Uhu-Paare in Bayern, in ganz Deutschland an die 2.000 (Stand: 2021). Dazu komme noch eine hohe Dunkelziffer bei dem Nachtvogel, so die Uhu-Expertin des Landesbunds für Vogelschutz e.V. (LBV) Christiane Geidel im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk im Juli 2021. Die Zahl der Brutpaare nehme weiter zu.

Uhu erobert neue Lebensräume und Brutplätze

Verbreitung des Uhus - der größten Eulenart

Europa:
überall außer Irland, Island, den Mittelmeerinseln und Nordfrankreich, jedoch überall sehr selten
Deutschland:
Thüringen, Teile Baden-Württembergs, Bayern, jedoch überall sehr selten
Bayern:
Unterfranken, Frankenjura und Werdenfelser Land, jedoch überall sehr selten

Der Uhu hat in den vergangenen Jahren dabei seinen Lebensraum und sein Brutverhalten auffallend geändert, so Geidel. Statt wie früher nur am Felsen, im Wald oder Gebirge brütet der Uhu inzwischen in jeder Art von Abbauhalde, Sandgrube oder Steinbruch und sogar an Gebäuden in Ortschaften und Städten. Oder auch einfach am flachen Boden in offener Landschaft. Überall da, wo er was zu fressen findet, siedelt sich der Uhu inzwischen an - und weil er nicht wählerisch ist, ist das fast überall möglich. Mit Ratten oder Krähen auf dem Speiseplan ist der Uhu auch zufrieden.

Jung-Uhus meist nur scheinbar hilflos

Junge Uhus sind selten hilflos

Weil Uhus inzwischen dort brüten, wo sie früher nie zu finden waren, kommt es inzwischen häufiger vor, dass Passanten über einen vermeintlich hilflosen Jung-Uhu "stolpern", der irgendwo alleine sitzt. Doch keine Sorge: Meist braucht der Jungvogel keine Hilfe. Uhus verlassen immer das Nest, bevor sie flügge werden und vereinzeln sich in der Umgebung:

Tipp der Uhu-Expertin

Finden Sie einen jungen Uhu nahe einer belebten Straße, können Sie ihn an ein ruhigeres Plätzchen setzen, wo er nicht gefährdet oder zu viel gestört wird. Achten Sie darauf, dass der Uhu Sie nicht mit seinen Krallen verletzt! Um den menschlichen Geruch brauchen Sie sich nicht zu sorgen: Der stört die Uhu-Eltern gar nicht.
(Tipp der LBV-Expertin Christiane Geidel)

Der Wurf rückt möglichst weit auseinander, damit Katze oder Marder nicht gleich alle Jungtiere auf einmal fressen. Nachts schreien die hungrigen Jung-Uhus dann laut nach ihren Eltern, die sie auch weiterhin mit Nahrung versorgen. In den meisten Fällen gilt daher: den jungen Uhu einfach in Ruhe lassen und nicht weiter stören.

Freizeitsport kontra Jungenaufzucht

Für den Uhu gibt es allerdings auch Konfliktpotential durch seine größere Nähe zum Menschen. Nicht so sehr dort, wo der Uhu sich als Neuling ansiedelt, sondern dort, wo der Mensch sich mit zunehmender Beliebtheit aufhält: in der schönen Natur. Vogelschützer beobachten seit Jahren die neuen Trends im Freizeitsport, denn Klettern, Bowldern oder Mountainbiken findet oft da statt, wo der Uhu brütet.

Der Uhu mag einsames Gelände

Denn ursprünglich ist der Uhu ein Felsbrüter, der vor allem im Gebirge vorkommt. Er bevorzugt felsiges Gelände oder Stellen mit freier Aussicht, wo er ungestört seine Jungen aufziehen kann. Dabei wird er jedoch oft durch Menschen gestört. Daher gilt insbesondere in der Brutzeit von etwa Februar bis Mai für alle Outdoor-Fans: mit Vorsicht und Bedacht unterwegs sein und die Wildtiere nicht stören! In manchen Regionen, wo Brutplätze der Uhus bekannt sind, werden Kletterfelsen zeitweise gesperrt, um die Uhus zu schonen.

Uhus werden auch Opfer von Autoverkehr oder Mäusegift. Gelegentlich werden junge Uhus auch aus den Nestern entwendet und auf dem Schwarzmarkt für teures Geld verkauft. Der Erfolg von Harry Potter lässt grüßen.

Hilfe für verletzte Uhus

Uhus in der Auffang- und Pflegestation Regenstauf

Findet man einen Uhu, der tatsächlich in Not ist, etwa weil er verletzt ist, dann kann man sich an eine Auffangstation für Greifvögel wenden - beispielsweise vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Regenstauf bei Regensburg. Die Tiere werden gesund gepflegt und dann wieder an geeigneter Stelle freigelassen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich dann wieder ansiedeln, denn die Wildtiere gehören einfach zu Bayern.

Eulenarten Bild für Bild

  • Uhu auf Reha. Abendschau - Der Süden, 01.02.2021 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Die Eule mit dem Superohr. Paula und die wilden Tiere, 06.10.2020 um 07:30 Uhr, ARD-alpha
  • Eulen - Die geheimnisvollen Jäger der Nacht. radioWissen, 02.11.2018 um 09:05 Uhr, Bayern 2
  • Dem Uhu auf der Spur: am 16. Februar 2017 um 17.30 Uhr in Schwaben & Altbayern, BR Fernsehen
  • Uhu, Falke & Co: Kletterer schützen Felsbrüter: am 25.10.2017 um 17:30 Uhr in Abendschau der Süden, BR Fernsehen
  • Eulen - die geheimnisvollen Jäger der Nacht: am 05.08.2016 um 9:05 Uhr in radioWissen, Bayern 2

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