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Teacup-Hunde Mini-Mode-Hunde sind Tierquälerei

Große Kulleraugen, runde Köpfe, winzige Körper: "Teacup Dogs" sind in sozialen Medien der Renner. Stars wie Paris Hilton haben Mini-Hunde bekannt gemacht. Doch die Mini-Züchtungen sind eine Qual für die Hunde und teuer für Halter.

Von: Anja Bühling

Stand: 09.06.2020

Tearcup Dog - Teetassen-Hund - mit Hut | Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Ein Hund mit einem winzigen Körper und großen Kulleraugen im praktischen Handtaschenformat - zuckersüß wie ein Welpe und das ein Leben lang: Das sind Teacup-Dogs, Teetassen-Hunde. Die Mini-Hunde, die das Kindchen-Schema voll erfüllen, liegen seit ein paar Jahren voll im Trend. Es gibt sie unter anderem als Miniversion eines Chihuahua, Spitz, Yorkshire Terrier oder Pudel. Dabei handelt es sich jeweils nicht um eigene Rassen, sondern um spezielle Züchtungen einer Rasse, die wesentlich kleiner sind als das Original, viel weniger wiegen und selbst ausgewachsen in einen Tee-Pott passen. Doch diese Züchtungen bringen für die Tiere gravierende gesundheitliche und soziale Probleme mit sich, unter denen die Hunde ihr ganzes Leben leiden müssen.

Schwächste Welpen als Zuchttiere

Die These Darwins des "Surviving of the fittest" - "Nur das am besten angepasste Lebewesen überlebt" - ignorieren die Züchter von Teacup Dogs vollkommen: Sie paaren die sogenannten Kümmerlinge miteinander. Das sind die schwächsten und kleinsten Tiere eines Wurfs, so Andrea Mihali, Fachreferentin für Hunde beim Deutschen Tierschutzbund. Die Folge dieser Züchtungen sind zahlreiche Erkrankungen, denn nicht alle Organe oder auch das Gehirn lassen sich bei Hunden in gleichem Maße durch Zucht verkleinern.

Fehlbildungen als Folge der Schrumpf-Zucht

Eine Folge der Miniaturisierung kann sein, so die Spezialistin, dass die Fontanelle am Kopf der Tiere nicht zuwächst. Bei der Leber kann die Züchtung zu einem sogenannten Lebershunt führen. Das ist ein Blutgefäß, das das Blut um die Leber herum transportiert, sodass es nicht in der Leber entgiftet werden kann. Daran leidende Hunde müssen häufig kostspielige Operationen über sich ergehen lassen und teures Spezialfutter fressen. Auch einen Trachealkollaps erleiden Teacup Dogs früher. Dabei verursacht eine Instabilität im Halsbereich, dass die Luftröhre an einer Stelle zusammenklappt. Die Luftzufuhr wird gestört, der Hund bekommt zu wenig Sauerstoff und kann kaum atmen. Herzdefekte, Kreislaufschwächen, Gebiss- und Kieferanomalien, fragile Knochen, Zittern durch eine zu niedrige Körpertemperatur und Unterzucker - die Mini-Hunde haben oftmals mit den schweren Folgen der Schrumpf-Zucht zu kämpfen.

Kranker, teurer Mode-Hund

Teacup Hunde leiden oft an Krankheiten aufgrund ihrer Miniatur-Züchtung.

Es ist geradezu absurd, dass Leute sich einen so krank gezüchteten Mini-Hund kaufen, der dann auch noch hohe Arztkosten verursachen kann, bestätigt Mihali. Dabei sind die meisten Exemplare schon in der Anschaffung teuer. Auf einer amerikanischen Webseite – der Modetrend kommt ursprünglich aus den USA – kostete Teapot-Yorkshire-Welpe Gwen im Jahr 2018 8.500 US-Dollar. Was bringt Menschen dazu, einen degenerierten Hund zu kaufen?

Trendsetter statt Hunde-Freund

Influencer wie Paris Hilton machen es vor und viele machen es nach: Erst hatte sie einen Chihuahua, dann einen Teacup-Hund.

Diese Winzlinge sind eine Modeerscheinung, die ins Designertäschchen passt und mit dem die Besitzer auffallen möchten. Sie sind klein und handlich, können auch im Handgepäck mitreisen, brauchen in einer Wohnung kaum Platz und fressen nicht viel. Stars und Sternchen wie Paris Hilton machten die Mini-Züchtungen berühmt. Hilton ließ sich gern und oft mit ihren Mini-Hunden fotografieren. Ihre Bilder und Videos sorgten vor allem in sozialen Medien für Furore.

Das Äußere der Kleinen trifft vor allem bei weiblichen Tierfreunden mitten ins Herz. Doch die sehen in einem Mini-Vierbeiner häufig nicht mehr einen Hund, sondern nur noch ein Mode-Accessoire. Doch es handelt sich um ein lebendes Tier und kein Spielzeug, betont Hunde-Expertin Mihali. Doch in den USA tragen die Tiere genau diesen Namen: "Toy-Dog", "Spielzeug-Hund". Auch wenn die Mini-Züchtungen als modisches Accessoire gekauft werden: Sie bleiben Hunde, die regelmäßig Auslauf und Futter brauchen. Häufig werden die Hunde aber nur herumgetragen, haben keine sozialen Kontakte zu Artgenossen und sind nicht sozialisiert.

Gefälschte Zertifikate und weltweiter Versand an Unbekannt

Von den Rassestandards der Fédération Cynologique Internationale (FCI) sind Teacup-Hunde nicht erfasst. Das ist die Dachorganisation, unter der sich Verbände von Hundezüchtern und -besitzern aus der ganzen Welt vereinen. Offizielle Zahlen, wie viele der Teacup Dogs es in Deutschland gibt, sind nicht zu bekommen, auch weil die meisten Tiere über das Internet gehandelt werden.

Schon der weltweite Versand der Mini-Hunde, ohne die künftigen Besitzer genauer zu kennen, spreche gegen die Seriosität des Angebotes, sagt Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin der Welttierschutzgesellschaft. Zudem sind auch die Zertifikate keine Garantie dafür, dass es den Tieren gut geht, so die Tier-Expertin weiter. "Es gibt immer wieder auch Tierärzte, die Zertifikate ausstellen, die dann aber nichts wert sind."

Keine Handhabe gegen Qualzucht

Gegen ihre Zucht setzt sich auch der Internationale Hunde Verband (IHV) ein. Und auch der deutsche Tierschutzbund will, dass ihre Zucht und ihr Verkauf in Deutschland verboten werden. Für die Tierschützer fallen Teacup Dogs unter die sogenannte "Qualzucht". Doch bisher ist es rechtlich schwer, gegen Züchter oder Händler der Mini-Tiere vorzugehen, weil der Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, der das Verbot von Qualzuchten regelt, "sehr offen formuliert ist", erklärt Andrea Mihali.

Gesetzliche Regelung lässt auf sich warten

Doch nicht nur der Tierschutzbund kritisiert diesen schwammig formulierten Paragraphen, der viel Interpretationsraum offen lässt. Auch Tierarztverbände und die Tierschutzbeauftragte einiger Länder wie Baden-Württemberg sowie Tierheime unterstützen die Kritik, der Paragraph müsse eindeutiger und differenzierter formuliert werden. Der deutsche Tierschutzbund hat deshalb im März 2017 einen Entwurf zur Heimtierschutzverordnung veröffentlicht. Der Vorschlag wurde aber laut Tierschutzbund von der Bundesregierung bislang weder diskutiert noch angenommen.

Nachfrage bestimmt Zucht

Am Ende mag eine Gesetzesänderung vielleicht dafür sorgen, dass Züchter oder Händler eher zur Rechenschaft gezogen werden. Dass Teacup Dogs nicht mehr gezüchtet werden, hängt aber vor allem von der Nachfrage ab. Kauft keiner mehr Modehündchen, wird die Zucht unrentabel - und vielleicht eingestellt werden.

"Chihuahua": in Anna und die Haustiere, BR Fernsehen, 02.11.2019, um 17.00 Uhr
"Mops und Co. – Wie Hunde unter der Qualzucht leiden": in "W wie Wissen", ARD-alpha, 18.10.2017, um 19.30 Uhr
"Warum Bulldoggen und Möpse überzüchtet werden": in IQ-Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 17.01.2018, um 18:05 Uhr


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