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Spargel-Note Wenn's beim Pieseln spargelt

Der erste Toilettengang nach dem Spargelessen: Beim Pieseln riecht es unangenehm. Schuld ist die Asparagusinsäure, eine Schwefelverbindung. Diese verändert auch den Geschmack der Muttermilch. Manche Still-Babys mögen das gar nicht.

Stand: 11.05.2020

Frau hält sich die Nase zu | Bild: colourbox.de

Früher nahmen Wissenschaftler an, dass bei allen Menschen der Urin streng riecht, nachdem sie Spargel gegessen haben. Und dass manche Menschen den Geruch nur nicht wahrnehmen würden. Doch diesen Trugschluss schaffte man 1987 durch Versuche mit 800 Freiwilligen aus der Welt. Beim Spargelurin-Versuch kam heraus, dass 43 Prozent der Versuchspersonen betroffen waren.

Piesel-Geruch wird vererbt

Frauen und Männer sind dabei gleichermaßen betroffen - oder eben nicht. Der Geruch tritt deshalb nicht bei allen auf, weil nicht jeder die Fähigkeit - oder besser gesagt die Enzymausstattung - hat, um Asparagusinsäure abzubauen. Diese Fähigkeit wird vererbt. Das heißt: Riecht es bei beiden Elternteilen, stinkt es auch bei allen Kindern. Wenn es bei einem oder beiden Eltern nicht riecht, kann es bei den Kindern riechen - oder auch nicht.

Duftbombe Asparagusinsäure

Asparagusinsäure wird häufig mit Asparaginsäure verwechselt. Letztere ist eine schwefelfreie Aminosäure, ein Eiweißbaustein, der in Mensch, Tier und Pflanzen vorkommt. Die schwefelhaltige Asparagusinsäure ist dagegen nur für den Spargel charakteristisch. Warum Spargel diese Säure bildet, weiß man nicht: Man vermutet, dass sie verhindert, dass die Wurzeln bereits im Herbst austreiben oder dass sie die Pflanze vor Krankheiten oder Schädlingen schützt. Wenn die Asparagusinsäure abgebaut wird, riechen die Abbauprodukte in der charakteristischen Weise.

Keine Sorge!

Wem das Spargel-Pipi stinkt, muss sich aber keine Sorgen machen. Der Gestank ist kein Anzeichen für irgendein Leiden oder eine Vergiftungen: Spargel enthält Schwefelverbindungen, und daraus entstehen während der Verwertung des Spargels im Körper Geruchsstoffe, die aus umgewandelten Schwefelverbindungen bestehen und mit dem Urin ausgeschieden werden, so die Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Spargel ist gesund, aber nicht für alle

Spargel | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Altes Heilwissen Schon die Römer kannten ihn als Medizin

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Verhindern könne man den Geruch auf keinen Fall. Da Spargel harntreibend wirkt, riecht man den Spargel oft bereits beim ersten Toilettengang nach der Mahlzeit. Egal, ob es danach auf der Toilette riecht oder nicht, Spargel ist für alle gesund.

Die Ausnahmen: Menschen, die zu Nierensteinen neigen oder an Gicht erkrankt sind, sollten nur kleine Mengen Spargel verzehren - und stillende Mütter: Der Geschmack von Spargel geht beim Verzehr auf die Muttermilch über und das mögen Säuglinge nicht so gerne.


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