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Ignaz Semmelweis Hygiene hilft helfenden Händen

Der im Jahr 1818 geborene ungarische Arzt Ignaz Semmelweis wusste schon damals, was heute selbstverständlich ist: Hygiene in Krankenhäusern rettet Leben. Aber kaum jemand glaubte dem "Retter der Mütter" im 19. Jahrhundert.

Stand: 25.06.2018

Porträt des Arztes Ignaz Semmelweis | Bild: picture-alliance/dpa/akg-images

Es dauerte lange, bis allen Menschen klar war, wie gefährlich Keime sein können. Denn sie lauern überall, und es sind viele. Sie töten Millionen Menschen und sind doch unsichtbar: Bakterien und Viren.

Krankenhaushygiene ist heute selbstverständlich

Wer heute ein Krankenhaus betritt, findet schon am Eingang den ersten Spender mit Desinfektionsmittel. Besucher, Schwestern, Pfleger und Ärzte sind angehalten, vor jedem Händeschütteln oder Patientenkontakt ihre Hände gründlich zu desinfizieren, weil sich sonst Krankheiten übertragen können. Auch Hygienevorschriften für das Krankenhauspersonal wurden immer wieder neu diskutiert und verschärft.

"Die Handdesinfektion muss wie das Anlegen des Sicherheitsgurtes im Auto in Fleisch und Blut übergehen."

Petra Gastmeier, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen in Berlin

Ignaz Semmelweis erkennt die Übermacht der Viren und Bakterien

Das Allgemeine Krankenhaus in Wien, wo der junge Arzt Ignaz Semmelweis im 19. Jahrhundert bei den Wöchnerinnen arbeitete.

Als der junge Arzt Ignaz Semmelweis 1846 eine Stelle in der Geburtshilfe des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien antrat, fiel ihm auf, dass auf einer Station, welche von Hebammen betreut wurde, die auf Sauberkeit achteten, weniger Frauen im Kindbett starben als in einer anderen Station. Dort untersuchten Medizinstudenten, die oft noch blutverschmiert von Leichen-Untersuchungen zurückkamen, die Frauen mit schmutzigen Händen.

Semmelweis-Studie belegt: Schmutz verursacht Blutvergiftungen

Die schmutzigen Hände der Medizinstudenten führte bei vielen Wöchnerinnen zu einer Blutvergiftung. Ignaz Semmelweis veröffentlichte 1847/48 eine Studie, die diesen Zusammenhang belegt. Sie gilt als erster praktischer Fall von evidenzbasierter Medizin - also auf empirische Belege gestützte Heilkunde - in Österreich und als Musterbeispiel für eine methodisch saubere Überprüfung wissenschaftlicher Hypothesen.

"Heute würde er mit Sicherheit zu den Favoriten für den Nobelpreis zählen."

Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien

Heute gelobt, früher verkannt: Ignaz Semmelweis als "Retter der Mütter"

Ignaz Semmelweis, 1818 in Ungarn geboren, 1865 bei Wien gestorben. Ein ungarischer Chirurg und Geburtshelfer.

Ignaz Semmelweis setzte sich mit Nachdruck dafür ein, dass Ärzte und Schwestern ihre Hände sauber halten. Mindestens fünf Minuten sollten sie, so seine Anordnung, die Hände in eine aggressive Chlorkalk-Lösung halten, was effizient, aber schlecht für die Haut war. Sein Kampf für die Hygiene war zeitlebens ein Kampf gegen Windmühlen. Mit 47 Jahren starb er an nicht geklärter Ursache in der Psychiatrie in Wien-Döbling.

"Nur sehr Wenigen war es vergönnt, der Menschheit wirkliche, große und dauernde Dienste zu erweisen, und mit wenigen Ausnahmen hat die Welt ihre Wohltäter gekreuzigt und verbrannt. Ich hoffe deshalb, Sie werden in dem ehrenvollen Kampfe nicht ermüden, der Ihnen noch übrig bleibt."

Der Mediziner und Sozialdemokrat Louis Kugelmann im Jahr 1861

Der "Semmelweis-Reflex" bleibt eine Redewendung

Händewachen, um sich vor Keimen zu schützen: Hygienemaßnahmen setzen sich nach und nach durch.

Der damals umstrittene und angefeindete Arzt ging im englischen Sprachraum mit dem Begriff "Semmelweis-Reflex" in die Geschichte ein. Gemeint ist damit, wissenschaftliche Erkenntnisse ohne weitere Überlegungen oder Überprüfungen einfach abzulehnen. Heute gelten die Entdeckungen von Ignaz Semmelweis als grundlegend für die moderne Medizin.


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