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Seeadler in Bayern Der König der Lüfte

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte galt der Seeadler in Bayern als ausgestorben. Doch seit 2006 erobert er sich seinen Lebensraum zurück. Besonders wohl fühlt sich der große Greifvogel in der Oberpfalz und in Franken.

Stand: 22.07.2021

Der Seeadler ist der größte Adler in Europa. Mit einer Flügelspannweite von zwei bis zweieinhalb Metern gleitet er majestätisch durch die Luft und nutzt die Aufwinde zu einem energiesparenden Höhenflug. Noch größer als der Seeadler werden nur der Bartgeier, Mönchsgeier und Gänsegeier. In Bayern war der Seeadler eineinhalb Jahrhunderte lang nicht heimisch: Um 1850 brütete noch ein Seeadler-Paar in Bayern. Damals wurden die meisten bayerischen Wildtiere ausgerottet, auch der große Greifvogel.

2006 schlüpften in Bayern die ersten Seeadler

Seit 2006 brüten wieder in Bayern ansässige Seeadler.

Rund 150 Jahre lang gab es bei uns nur noch einzelne durchziehende oder überwinternde Tiere im Donaumoos, am Chiemsee und am Inn. Zwischen 1997 und 2007 wurde in Bayern ein Artenhilfsprogramm durchgeführt, um den Bruterfolg zu erhöhen. Und tatsächlich gab es eine Greifvogel-Sensation: Im Frühjahr 2006 zog ein Seeadlerpaar, das seit 2004 am Altmühlsee bei Gunzenhausen ansässig war, erstmals zwei Jungvögel groß.

Mehr als ein Dutzend Seeadler-Paare in Bayern

Seeadler-Paare sind ihrem Partner und ihrem Standort ein Leben lang treu.

2012 gab es laut dem Wildtierportal Bayern etwa sechs bis sieben Seeadler-Brutpaare in Bayern. Wie der LBV mitteilt, zogen 2020 bereits 16 Seeadler-Paare erfolgreich Nachwuchs bei uns groß. Ausgewachsene Jungadler verlassen ihre Heimat, um sich selbst einen Lebensgefährten und ein eigenes Revier zu suchen. Haben sie Partner und Revier gefunden, so sind sie ihnen ein Leben lang treu. Laut LBV sind derzeit rund 23 Seeadler-Reviere in Bayern bekannt. Vor allem an den zahlreichen Gewässern in Nordbayern - in der Oberpfalz und in Franken - fühlen sich die großen Greifvögel wohl. Einige bayerische Reviere liegen auch südlich der Donau in Oberbayern und Niederbayern (Stand Juli 2021).

Das Bayerische Landesamt für Umwelt veranschaulicht die Verbreitung und die Bestandssituation des Seeadlers auf einer Karte: Fundorte in Bayern.

Steckbrief des Seeadlers

Lebensraum

  • Seeadler fühlen sich besonders in großen, ruhigen Waldgebieten in gewässerreichen Landschaften wohl.
  • Sie brauchen nährstoffreiche Gewässer wie Seen, Flüsse oder Teiche mit vielen Fischen und kleineren Vögeln.
  • Seeadler benötigen zum Horstbau hohe Bäume, gerne alte Laubbäume, die sie gut anfliegen können.

Verbreitung

Europa: von Norwegen bis Griechenland

Deutschland: überwiegend in Norddeutschland, aber auch in Ostdeutschland und Süddeutschland.

Bayern: vor allem in Nordbayern - in der Oberpfalz und in Franken, aber auch in Oberbayern und Niederbayern.

Merkmale

  • Die Flügelspannweite eines Seeadlers beträgt zwei bis zweieinhalb Meter.
  • Ein Seeadler wird bis zu 90 Zentimeter groß und sieben Kilogramm schwer.
  • Das Gefieder eines Seeadlers ist braun. Oft wirkt es durch unterschiedliche Brauntöne schuppig.
  • Die Flügel eines Seeadlers sind auffallend breit und brettförmig. Die Flügelspitzen sind gefingert, die einzelnen Federn erinnern an die Finger einer Hand.
  • Kopf, Hals, Brust und Rücken sind hell.
  • Der Schwanz ist weiß, kurz und keilförmig.
  • Der Hals ist lang und kräftig.
  • Der Schnabel ist kräftig und gelb.
  • Die Beine sind hellgelb.

Nahrung

  • Seeadler sind Fleischfresser: Sie vertilgen vor allem Fische, aber auch Wasservögel und Aas.

Lebensweise

  • Seeadler bauen riesige und schwere Nester mit bis zu armstarken Ästen auf hohen Bäumen. Ein Seeadler-Horst kann einen Durchmesser von zwei Metern besitzen und ebenso hoch sein.
  • Seeadler können einmal im Jahr bis zu drei Eier ausbrüten.
  • Seeadler sind reviertreu. Nur die Jungvögel streifen hunderte von Kilometern umher.
  • Seeadler-Paare bleiben ein Leben lang zusammen.
  • Seeadler jagen im Suchflug, im Gleitflug, im Standschwebeflug und im Sturzflug.

Das Wichtigste für Seeadler: Ruhe

Seeadler gesehen? Melden!

Wenn Sie einen Seeadler beobachtet haben, freut sich der LBV über eine kurze Mitteilung samt Vogelbeschreibung, Datum, Ort und Dauer der Sichtung an:
adlermeldung@lbv.de

Seeadler sind sehr empfindlich gegenüber Störungen. Die größte Gefahr droht ihnen durch Menschen, die ihrem Horst zu nahe kommen. Dann besteht sogar die Gefahr, dass die Adler die Brut abbrechen, wie mehrfach am Chiemsee geschehen. Deshalb werden Nisthilfen und Schutzzonen rund um bewohnte Horste angelegt, um mögliche Störungen der scheuen Tiere während der Balz- und Aufzuchtzeit zu minimieren.

Die große Gefahr für Seeadler: Blei

Da sich Seeadler im Winter von den Innereien erlegten Wildes ernähren, nehmen sie dabei auch Blei aus der Munition mit auf. Die Seeadler können davon erblinden und sterben. Bleivergiftungen gehören neben Kollisionen mit Zügen, Windrädern oder Stromleitungen zu den häufigsten Todesursachen von Seeadlern.

Seeadler, Fischadler, Schreiadler und Steinadler in Deutschland

In Deutschland gibt es heute laut WWF etwa wieder 600 Seeadlerpaare (Stand 2020). Neben dem Seeadler gibt es noch drei andere Adlerarten bei uns: Der Fischadler ist vor allem in Ostdeutschland beheimatet. Der Schreiadler ist überwiegend in Brandenburg und Mecklenburg-Vorkommen zuhause. Der Steinadler zieht seine Kreise durch die bayerischen Alpen.

Quellen und weiterführende Infos zum Seeadler in Bayern:


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