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Weltraum-Spektakel Schwarzes Loch frisst Riesenwolke

Eine riesige Gaswolke rast Richtung Zentrum der Milchstraße. Dort sitzt ein Schwarzes Loch, das die Wolke in Stücke reißen wird und das meiste von ihr verschlucken. In Garching freuen sich schon die Astronomen, dabei zuzuschauen.

Stand: 15.12.2011 | Archiv

Schwarzes Loch frisst Gaswolke | Bild: ESO

Mit acht Millionen Kilometern pro Stunde rast eine große Gaswolke in ihr Verderben. Das Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße wird sie in den kommenden Jahren erst in Fetzen reißen und dann die meisten davon in sich aufsaugen. Das hat das Forscherteam um Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching bei München entdeckt.

Verdächtige Ruhe im Zentrum der Milchstraße

Vermutlich beherbergen alle großen Galaxien in ihrem Zentrum ein supermassereiches Schwarzes Loch, auch unsere Milchstraße. Seine Masse beträgt mehr als vier Millionen Sonnen. Es ist das einzige Schwarze Loch, das nahe genug ist, um es detailliert beobachten zu können. Zwar entkommt ihm selbst keine Strahlung. Doch wenn Materie in das Schwarze Loch hineinstürzt, heizt sie sich dabei so stark auf, dass sie im Röntgenspektrum leuchtet. Diesen Prozess hat man bei anderen Galaxien schon häufig beobachtet. Im Zentrum der Milchstraße war es jedoch seit Jahren außergewöhnlich ruhig.

Tödliche Begegnung

Das Very Large Telescope in der Atacama Wüste in Chile

Seit fast 20 Jahren beobachten die Astronomen das Schwarze Loch in der Mitte unserer Galaxie systematisch. Mit dem "Very Large Telescope" (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO haben die Wissenschaftler nun die Gaswolke entdeckt, die auf das Schwarze Loch zurast. Sie enthält dreimal so viel Masse wie die Erde. 2013 wird sie sich bis auf 40 Milliarden Kilometer dem Schwarzen Loch nähern. Das ist zu nah, um diese Begegnung zu überstehen.

Warm und schnell

So bewegt sich die Gaswolke Richtung Zentrum der Milchstraße.

Schon jetzt wissen die Astronomen: Die Wolke besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium und ihre Geschwindigkeit hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt. Derzeit ist das Gas bereits etwa 280 Grad Celsius warm. Auf seinem Weg ins Schwarze Loch wird es sich auf mehrere Millionen Grad aufheizen und hell im Röntgenlicht aufleuchten. Das ist dann für die Astronomen eine einmalige Gelegenheit: Sie können beobachten, wie ein Schwarzes Loch Materie verschluckt.


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