Einen Schneemann bauen Der Schneemann ist ein echt COOLER TYP

Von: Alexandra Klockau

Stand: 10.02.2021

Kaum fällt Schnee, begegnen uns überall grinsende Schneemänner. Früher undenkbar! Für seinen Imagewandel wurde der frostige Geselle sogar mit einem Welttag belohnt. Doch der Schneemann ist vom Aussterben bedroht. Rollen Sie los!

Der Schneemann steht am Weltschneemanntag im Fokus. Der Welttag soll zum Beispiel auf Klimaschutzprojekte aufmerksam machen. Initiator des Aktionstages ist der Schneemann-Sammler Cornelius Grätz. | Bild: colourbox.com

Auf einen Blick: Das Wichtigste zum Schneemann

10 Fakten über den Schneemann | Bild: BR

Kulturgeschichte: Vom frostigen zum freundlichen Gesellen

Schnee bei Shakespeare: Der erste Auftritt des Schneemanns in der Weltliteratur

"O! daß ich ein zum Scherz aus Schnee zusammengeballter König wäre, und hier, vor Bolingbrokes Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen möchte!"

König Richard II. von England im gleichnamigen, 1595 erschienenen Drama von William Shakespeare.

Schneemann-Kunst: Die Kunst des kleinen Mannes

Ideal: Schnee - das perfekte Baumaterial

"Schnee ist (fast) das ideale Material zum Bauen und Gestalten: Leicht und fest zugleich, kostenlos, in Mengen vorhanden, lädt es in niederschlagsreichen Wintern geradezu ein, daraus Figuren und Architekturen zu bilden."

Esther Gajek in: Schneemänner, -frauen, -tiere. Ein Fotoband. Büro Wilhelm. Amberg 2007, S. 86.

Schneemannbauen: Tipps für den perfekten Schneemann

  • Wichtigster Tipp: "Der Schnee darf nicht zu trocken sein", rät Schneemann-Experte Cornelius Grätz. Sonst haften die einzelnen Schneeflocken nicht aneinander. "Deswegen wird man zum Beispiel in Alaska kaum Schneemänner finden."
  • Wer schnell einen großen, stabilen Schneemann bauen will, braucht den guten Pappschnee. Beste Bedingungen: Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dann ist der Schnee leicht feucht, die Flocken kleben wie geleimt aneinander und lassen sich schnell zu großen Kugeln rollen.
  • "Zu feucht darf der Schnee aber auch nicht sein", weiß Cornelius Grätz, der den Welttag des Schneemanns ins Leben gerufen hat. "Sonst werden die Kugeln zu groß und schwer, dann kann man sie nicht mehr stapeln - oder sie halten gar nicht mehr."
  • Regel I: Symmetrisch rollen und bauen, sonst kippt der fertige Schneemann.
  • Regel II: Größe und Gewicht der Kugeln beachten, sonst können sie nicht mehr gestapelt werden oder das Gewicht der darüber liegenden nicht mehr tragen. Deswegen auch immer schön festklopfen und -drücken!
  • Perfekt wird der Schneemann, wenn es nach dem Bauen noch mal richtig kalt wird: Dann gefriert die vom Rollen meist angetaute Oberfläche, wird fest und stabil. Die einzelnen Kugeln bleiben schön glatt und rund.
  • Geheim-Tipp von Cornelius Grätz: "Den fertigen Schneemann mit etwas Wasser aus einer Sprühflasche besprühen." Auch möglich: ihn ganz vorsichtig mit der Gießkanne besprenkeln.
  • Ein typischer Schneemann besteht in Deutschland aus drei Kugeln: Die größte Kugel für die "Füße", die mittlere für den Bauch und die kleinste für den Kopf. In den USA formen traditionell nur zwei Kugeln einen Schneemann, "er hat dort eher Cartoon-Charakter", sagt Grätz.
  • Für die Verzierung eines Schneemanns gibt es kaum Grenzen. Der Meinung ist auch Schneemann-Experte Cornelius Grätz. Früher wurden Kohlestücke für Augen, Mund und Knöpfe verwendet, heute sind es wohl eher Steine oder kleine Holzstücke. Auch Kiefernzapfen sehen hübsch aus. Die Nase bildet typischerweise eine Karotte, kann aber auch ein kleiner Stock oder Tannenzapfen sein.
  • Die Hände werden meistens aus Schnee geformt und halten oft noch einen langen Stock oder Besen.
  • Manche Schneemänner tragen Kopf- und Halsbedeckungen. "Der Schal ist mittlerweile das häufigste Accessoire - aber für einen Schneemann gar nicht das Sinnvollste. Der mag es ja nicht warm haben", betont Cornelius Grätz.
  • Nur ein Accessoire stört den Schneemann-Experten wirklich: "Eine rote Zipfelmütze. Die ist für den Weihnachtsmann reserviert, das sind getrennte Figuren."
  • Regel III: Wird der Schneemann an einem öffentlichen Ort gebaut, sollten die Schneekünstler auf umweltfreundliche (Natur-)Materialien setzen. Sonst bleibt, wenn der kalte Geselle geschmolzen ist, Müll zurück.
  • Regel IV: Laut Schneemann-Experten Grätz unterliegt der Schneemann keinem Baurecht, man braucht also keine Baugenehmigung dafür, selbst wenn er groß ist. Trotzdem sollte man damit natürlich nicht den Parkplatz des Nachbarn zubauen - und ihn schon gleich gar nicht auf die Straße oder Gleise rollen. Auch das kommt leider immer wieder vor.

Pure Freude: Einen Schneemann bauen - die perfekte Entspannung!

"Beim Bau eines Schneemanns überwiegt die Freude am 'zweckfreien' und 'nutzlosen' Tun."

Hermann Glombitza in: Schneemänner, -frauen, -tiere. Ein Fotoband. Büro Wilhelm. Amberg 2007, S. 4.

Schnee: Wie Schnee entsteht

Schnee entsteht bereits oben in den Wolken. Vor allem dann, wenn es dort kälter als etwa minus 12 Grad Celsius ist. Feinste Wassertröpfchen gefrieren, wenn sie mit sogenannten Kristallisationskeimen - meistens sind das Staubteilchen - zusammentreffen. Eiskristalle, die weniger als 0,1 Millimeter groß sind, bilden sich und wachsen immer weiter an. Irgendwann sind die Eiskristalle so schwer, dass sie nach unten fallen. Auf ihrem Weg zur Erde stoßen sie mit weiteren eiskalten Tropfen zusammen und wachsen weiter. Ob die Eiskristalle als Flocken oder Tropfen am Boden ankommen, hängt von den Temperaturen der Luftschichten ab, die sie durchqueren müssen.

Audio: Von Schneewolken und Schneekanonen

Schneeflocken: Einzigartige Kristalle aus Schnee

Weil Schneeflocken eine große Oberfläche und dadurch einen hohen Luftwiderstand haben, fallen sie mit einer Geschwindigkeit von rund 4 km/h relativ langsam vom Himmel. Bei Temperaturen um 0 Grad Celsius kommen große, lockere Schneeflocken bei uns an, die an Federn oder Wattebäusche erinnern. Die zusammengeketteten Kristalle können mehrere Zentimeter groß werden. Bei tieferen Temperaturen freuen wir uns über Schnee in Form von kleineren, einfach gebauten Schneesternchen, Eisplättchen oder Eisnadeln. Die Eiskristalle sind alle einzigartig, besitzen jedoch immer eine sechseckige Form und sind nicht unbedingt symmetrisch. Von den einzelnen Schneekristallen hängt ab, wie stabil die Schneedecke am Boden ist und ob daraus Lawinen entstehen können. Beim Schneemannbauen sollten Sie das Gewicht des Schnees berücksichtigen: Ein Kubikmeter frisch gefallener Schnee wiegt etwa 100 Kilogramm.

Rätsel des Winters: Warum ist der Schneemann weiß?

Der Schneemann steht am Weltschneemanntag im Fokus. Der Welttag soll zum Beispiel auf Klimaschutzprojekte aufmerksam machen. Initiator des Aktionstages ist der Schneemann-Sammler Cornelius Grätz. | Bild: picture-alliance/dpa/ASSOCIATED PRESS/Vadim Ghirda

Dass Schneemänner so strahlend weiß sind, liegt nicht daran, dass der Schnee weiß ist. Die einzelnen Eiskristalle sind wie Eis durchsichtig und farblos. Die zusammengeballten Eiskristalle reflektieren und streuen jedoch das Licht so, dass der Schnee insgesamt weiß erscheint.

Tag des Schneemanns: Der Ehrentag des Schneemanns

Am 18. Januar ist Welttag des Schneemanns. Warum, verrät ein genauerer Blick auf das Datum. Wetten, dass Sie dann den Weltschneemanntag auch nie mehr vergessen? Die "8" sieht doch schon aus wie ein kleiner Schneemann. Die "1" erinnert an den Stock oder Besen, den er oft in der Hand hält. Und im Januar ist die Chance auf Schnee am größten. Der 18. Januar ist deshalb das perfekte Datum für den Welttag des Schneemanns. Seit 2010 gibt es den internationalen Tag des Schneemanns.

Der 18. Januar ist Welttag des Schneemanns | Bild: BR

Initiator: Cornelius Grätz hat den Tag des Schneemanns erfunden

Cornelius Grätz sammelt Schneemänner und hat den Welttag des Schneemanns ins Leben gerufen. Er findet jedes Jahr am 18. Januar statt. | Bild: Cornelius Grätz

Den Welttag des Schneemanns hat Cornelius Grätz aus Reutlingen 2010 ins Leben gerufen: "Als früherer Buchhändler ist mir aufgefallen, dass es für alles Mögliche verrückte Kalender- und Jahrestage gibt. Nur der Schneemann hat nichts abgekriegt. Außerdem werden aufgrund der Klimaerwärmung spätere Kindergenerationen den Schneemann nur noch aus Bildern oder Videos kennen … Da kam mir relativ spontan die Idee zum Weltschneemanntag." Seiner Meinung nach ist der Schneemann der perfekte Botschafter: "Auf der ganzen Welt ist der Schneemann als Wintersymbol bekannt und beliebt, selbst da, wo es keinen Schnee gibt. Er ist unpolitisch und ohne religiösen Hintergrund", erklärt Cornelius Grätz. Weil Schnee irgendwann zu Wasser schmilzt, sei der Schneemann außerdem ein Symbol für Vergänglichkeit und Wandel. "Der Welttag des Schneemanns eignet sich deshalb auch als Anlass für Klimaschutz- oder Trinkwasser-Projekte." Oder für besondere Aktionen und Spiele mit Kindern. Der Erfinder des Weltschneemanntags möchte dessen Ausrichtung gar nicht so genau festlegen: "Der Tag des Schneemanns ist nicht abstrakt, den kann jeder nach seinem eigenen Gusto befüllen." Und wie wurde aus der spontanen Idee der Welttag des Schneemanns? "Ich habe mich hingestellt, das symbolträchtige, leicht einprägsame Datum für den Tag des Schneemanns festgelegt und die Seite dazu ins Netz gestellt. Ich habe das einfach behauptet und verbreitet - und der Weltschneemanntag ist zum Selbstläufer geworden."

Schneemann-Sammlung: Deutschlands größte Schneemann-Sammlung

Deutschlands und wahrscheinlich auch Europas größte Schneemann-Sammlung gehört mit rund 5.000 Objekten - natürlich - Cornelius Grätz, dem Initiator des Weltschneemanntags. Mehr als zehn Jahre lang hielt er sogar den Weltrekord, bis er 2013 von einer Sammlerin aus den USA übertrumpft wurde, die er jedoch wieder einholen will. In zahlreichen Museen und Ausstellungen waren seine Schneemänner schon zu bestaunen, sogar in Hongkong. Sein erstes Exemplar: ein Marzipan-Schneemann, den er 1983 von seiner Mutter bekam. "Dann kam ein Räuchermännchen in Schneemannform dazu und dann fing das erst mal unterschwellig mit weiteren Schneemännern an. Irgendwann fiel das Freunden und Verwandten auf und die Lawine kam ins Rollen: Ich bekam immer mehr Schneemänner geschenkt", erzählt Grätz. Er begann, in Antiquariaten und auf Verkaufsplattformen nach besonderen Exemplaren zu suchen. Bei Ausstellungen überbrachten ihm Besucher Schneemänner. "Jetzt passiert es auch schon mal, dass mich Sammler oder Erben fragen, ob ich eine Sammlung übernehmen will."

Vielseitig: Die Faszination des Schneemanns

"Die Symbolik von Vergänglichkeit und Wiederkehr hat mich fasziniert. Und die Wandlung vom grimmigen zum knuffigen und heute oft verkitschten Gesellen. Und dass der Schneemann trotzdem eine mysteriöse Figur ist." Cornelius Grätz, Initiator des Welttags des Schneemanns und erfolgreicher Schneemann-Sammler

Zukunft: Der Schneemann ist vom Aussterben bedroht

Eigentlich unvorstellbar, aber wahr: Viele Kinder kennen Schnee nur noch aus Filmen oder Büchern und haben noch nie echten Schnee gesehen und gefühlt. Seit vielen Jahren fällt in weiten Teilen Deutschlands kein Schnee mehr, weiße Weihnachten sind erst recht eine Seltenheit.

  • Selbst in Höhenlagen wird die weiße Pracht rar: Die Alpen sind längst nicht mehr überall "schneesicher".
  • Weltweit wird in den Hochgebirgen oberhalb von 4.000 Metern der Schnee weniger. Dass selbst dort die Ausdehnung und Dauer der Schneebedeckung abnimmt, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungszentrums Eurac Research im Mai 2020.
  • In Deutschland gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den Jahren 1961 bis 1990 im Durchschnitt etwa 47 Tage mit einer Schneedecke. In den vergangenen 30 Jahren sank die Zahl der Tage mit Schneedecke jedoch deutlich - teils auf nur noch etwa 20 Tage.
  • "Früher" war zwar auch nicht jeder Winter schneereich, es war aber häufiger kälter: Zwischen 1961 und 1990 gab es im Winter im Schnitt 0,2 Grad.
  • Im Vergleich dazu zeigt sich die aktuelle Jahreszeit recht mild: Laut DWD war der Dezember 2020 mit einem Temperaturdurchschnitt von 3,0 Grad zu warm und zu trocken.
  • Den vergangenen Winter 2019/2020 stufte der DWD nicht nur als extrem mild, sondern als zweitwärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 überhaupt ein. Bundesweit betrug der Temperaturschnitt 4,1 Grad und lag damit 3,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990.
  • Eis und Schnee machten sich bei teilweise frühlingshaften Temperaturen im Winter 2019/2020 rar. Der DWD konstatiert vielerorts einen "Totalausfall des Winters".
  • Sicherlich gab es auch früher schon Ausreißer nach oben wie etwa den Winter 1974/75 mit 3,6 Grad.
  • Mittlerweile reihen sich die warmen Winter jedoch aneinander.
  • Natürlich kann auch in milden Wintern Schnee fallen, wenn regional oder an bestimmten Tagen Temperaturen um die null Grad herrschen.
  • Die Niederschläge im Winter werden sich laut Klimaprojektionen sogar intensivieren.
  • Allerdings wird durch den erwarteten weiteren Anstieg der globalen Temperaturen das Wasser häufiger als Regen statt als Schnee vom Himmel fallen. Wintermatsch statt Winterpracht.

Nach Ansicht von Wetterexperten sinkt also die Wahrscheinlichkeit für Bilderbuchwinter. Der Schneemannologe Cornelius Grätz möchte den Schneemann bewahren und hofft, dass er vielleicht irgendwann als immaterielles Kulturgut geschützt wird. "Denn, wenn es keinen Schneemann mehr gibt, geht auch die Tradition und das Wissen des Bauens verloren."

Gefährdet: Zur Zukunft des Schneemannes

"Die globale Klimaveränderung führt jedoch zu immer milderen Wintern, sodass die Schneemänner nicht nur jahreszeitlich, sondern grundsätzlich in ihrer Existenz bedroht sind und auch nicht mit Schneekanonen verteidigt oder gerettet werden können. Es ist zu befürchten, dass der Bau von Schneemännern und die tatsächliche Begegnung mit ihnen kommenden Generationen nicht ohne Weiteres möglich sein werden. Schneemänner lassen sich leider als Skulpturen nicht für die Nachwelt konservieren."

Hermann Glombitza in: Schneemänner, -frauen, -tiere. Ein Fotoband. Büro Wilhelm. Amberg 2007, S. 7.

Gehirntraining: Schneemannbauen hält Körper und Geist fit

Wer einen Schneemann baut, bekommt frische Luft, bringt den Kreislauf in Schwung, trainiert die Muskeln, verbrennt Kalorien und schüttet Glückshormone aus. Der Chronobiologe Till Roenneberg empfiehlt das Schneemannbauen explizit, um gut durch die dunkle Jahreszeit zu kommen und dem Gehirn neues Futter zu bieten. Er rät, vor allem mittags rauszugehen. "Da bekommt man am meisten Licht." Bei Schnee sogar noch zehn Mal mehr! Schnee sei für das Gehirn außerdem ein "neues Szenario". Unser Oberstübchen brauche immer neue Ereignisse. Bleiben sie aus, vergehe die Zeit nicht. Deshalb sei es gut, einen Schneemann zu bauen, Schneebälle zu werfen oder einfach nur die Schneeflocken beim Fallen zu beobachten. Also, wo es gerade möglich ist: Rollen Sie los, solange es noch geht - und viel Spaß beim Schneemannbauen!

Gewünscht: Die Abschiedsformel der Schneemänner und ihrer Freunde

"Kalte Nase!"

So würden laut Schneemann-Experten Cornelius Grätz wohl zwei Schneemänner sagen für 'Es soll dir lange gut gehen!' Für ihn ist das die perfekte Gruß- und Abschiedsformel.

Frage Neugierig geworden? Sollten wir zu diesem Thema öfter berichten?