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Lernforschung Im Schlaf und mit Spaß lernt sich's besser

Pauken ist nicht alles: Wer nach Lust und Laune lernt, lernt besser. Und selbst im Schlaf lernt leichter, wer entspannt und tief im Reich der Träume weilt. Das haben Forscher an den Universitäten in Ulm und Tübingen entdeckt.

Stand: 24.06.2020

Das dreijährige Mädchen Amy schläft mit ihrem Teddy im Arm. | Bild: picture-alliance/dpa

Für den Tübinger Neuropsychologen und Schlafforscher Jan Born drückt die elfjährige Leonie so schnell wie möglich nacheinander aufleuchtende Tasten in der sogenannten Button-Box. Danach geht das Mädchen schlafen.

Träumen für die Wissenschaft

Neuropsychologe Jan Born: Lernen im entspannten Tiefschlaf

Was auf den ersten Blick wie ein Spiel zum leichteren Einschlafen anmutet, ist in Wirklichkeit ein wissenschaftliches Experiment. Der Leibniz-Preisträger Born untersucht, wie im Schlaf Gedächtnis gebildet wird: Wie unser Gehirn Gelerntes nicht nur abspeichert, sondern auch zu neuem Wissen kombiniert. Tatsächlich: Als Leonie am nächsten Morgen aufwacht, hat sie sich unbewusst die Reihenfolge der gedrückten Tasten gemerkt.

Probleme lösen wie im Schlaf

„Diese qualitative Veränderung bedeutet, dass man sich bewusst wird über bestimmte wesentliche Merkmale, die man vor dem Schlaf nicht erkannt hat", erläutert der Neuropsychologe Jan Born. Er ist der Überzeugung, dass tiefer und entspannter Schlaf in der aktiven Gedächtnisbildung auch "bewusste Erkenntnis" fördern kann. Damit untermauert er wissenschaftlich, was der Volksmund schon länger glaubt: dass sich so manches Problem wie im Schlafe lösen lässt.

Besser lernen mit Charlie Chaplin

Während der Neuropsychologe Jan Born guten Schlaf für wichtiger hält als reines Pauken, ist der Psychologe Markus Kiefer an der Uni Ulm auf einen weiteren Lernbeschleuniger gestoßen: den Spaß. Kiefer ließ Testpersonen Filme anschauen. Die eine Hälfte bekam Charlie Chaplin zu sehen, die andere musste sich ein Melodram anschauen. Danach machten alle Teilnehmer einen Gedächtnistest. Teils mussten sie Wörter nur pauken, teils fehlende Buchstaben zu sinnvollen Wörtern ergänzen, also sprachlich kreativ sein.

Positive Stimmung macht kreativ

Markus Kiefer fand heraus, dass die Stimmung bei blindem Pauken keine Rolle spielt: "Aber wenn es darum geht, Informationen kreativ zu verändern, kreative Anwendungen zu finden, neue Problemlösungen zu finden, da ist eine positive Stimmung ganz zentral." Geahnt haben wir das schon immer, jetzt wissen wir es: Pures Pauken unter Stress taugt ebenso wenig für kreative Köpfe wie schlechter Schlaf.

           


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