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WWF-Report zum Tag der Meere Rekordmenge von Mikroplastik im Mittelmeer

1,25 Millionen Mikroplastikteilchen pro Quadratkilometer wurden im Mittelmeer gemessen, so ein aktueller WWF-Report. Besonders in den Sommermonaten spitzt sich die Situation noch zu: Die Touristen-Massen sorgen für 40 Prozent mehr Plastikmüll im Meer.

Von: Anja Bühling

Stand: 08.06.2018

WWF-Studie "Plastikfalle" Mittelmeer: Wasserschildkröte und Plastikbeutel im Meer | Bild: WWF

Wie der WWF zum internationalen UN-Tag der Meere am 8. Juni in seinem aktuellen Report pünktlich zur Sommerreise-Saison feststellt, besteht der Müll im Mittelmeer auf offener See, am Meeresgrund und an seinen Stränden zu 95 Prozent aus Kunststoff. Verschärft werde das Müllproblem im Mittelmeer durch den Massentourismus: Während der Sommermonate steigern die 320 Millionen Touristen pro Jahr, die im Mittelmeerraum Urlaub machen, die Abfallbelastung des Meeres um 40 Prozent. Besonders für Mikroplastik wurden laut des WWF Rekordmengen gemessen.

Mittelmeer als Sammelbecken für Müll

Weltweit gibt es fünf Zonen, in denen sich der Großteil des meist schon zerriebenen Plastikmülls sammelt: zwei im Pazifik, zwei im Atlantik und eine im Indischen Ozean. Das Mittelmeer gilt als sechstgrößtes Sammlungsgebiet für Meeresmüll: In diesem Meer, das nur ein Prozent des Wassers auf der Erde enthält, befinden sich sieben Prozent des weltweiten Mikroplastiks. Das Mittelmeer gilt als sechstgrößtes Gebiet, in dem sich Meeresmüll sammelt: In diesem Meer, bestehend aus nur einem Prozent des Wassers auf der Erde, befinden sich sieben Prozent des weltweiten Mikroplastiks. Laut der aktuellen Studie des WWF entsorgt Europa jedes Jahr 150.000 bis 500.000 Tonnen Makroplastik und 70.000 bis 130.000 Tonnen Mikroplastik im Meer. Der Hauptanteil landet im Mittelmeer: Bis zu 1,25 Millionen Plastikfragmente wurden pro Quadratkilometer gezählt.

Tiere und Natur leiden unter Plastikmüll im Meer

Von den Folgen der marinen Plastikverschmutzung sind im Mittelmeer laut WWF 134 verschiedene Tierarten betroffen, darunter 60 Fischarten, die drei heimischen Meeresschildkrötenarten, neun Seevogelarten und fünf Meeressäugerarten: Pott- und Finnwale, Tümmler sowie Rundkopf- und Fleckendelfine. 18 Prozent der Thunfische und Schwertfische haben Plastik im Magen, vor allem Zellophan und PET, so die Umweltschützer.

Im Pelagos-Walschutzgebiet im nordwestlichen Mittelmeer ist der Mikroplastikgehalt so hoch, dass mehr als 56 Prozent des Planktons mit Schadstoffen schwer belastet sind. Finnwale, die Wasser durch ihre Barten filtern, seien im Schutzgebiet fast fünfmal stärker mit Schadstoffen belastet, als in weniger verschmutzen Regionen. In den Mägen einiger im Mittelmeer lebender Meeresschildkröten wurden bis zu 150 Plastikfragmente gefunden.

Schlechtes Abfallmanagement der Mittelmeer-Anrainer

Im Mittelmeerraum leben 150 Millionen Menschen, die mit 208 – 760 Kilogramm Müll pro Kopf und Jahr zu den weltweiten größten Verursachern fester Siedlungsabfälle zählen. Hauptsächlich stamme der Plastikmüll aus der Türkei und Spanien, gefolgt von Italien, Ägypten und Frankreich. Diesen Mittelmeer-Anrainerstaaten wirft der WWF Lücken im Abfallmanagement vor. Dadurch trügen Flüsse die Abfälle ins Meer – vor allem der Nil, der Ebro, die Rhone, der Po und die türkischen Flüsse Ceyhan und Seyhan, die durch dicht besiedelte Gebiete fließen, bevor sie im Mittelmeer münden. Europa produziere enorme Mengen Plastikmüll und müsse seine Struktur für Abfallentsorgung und Recycling verbessern.

"Das Mittelmeer ist fast vollständig von besiedelten Küsten umgeben und droht zu einer Plastikfalle zu werden. Ungesicherte Mülldeponien in Meeresnähe, illegale Abfallentsorgung in Flüsse aber auch touristische Aktivitäten sind Quellen, aus denen Plastikmüll ins Mittelmeer gelangt."

Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz, WWF Deutschland

Müllproduzent Tourist

Der WWF sieht aufgrund der Zahlen auch den Tourismussektor in der Pflicht: Er soll den Ausbau der Infrastruktur in den Urlaubs-Destinationen unterstützen. Hotels und Schiffe müssen wirksame interne Abfallsammelsysteme einrichten und den Müll vollständig trennen, fordert die Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland, Heike Vesper. "Wir können nicht zulassen, dass das Mittelmeer in Plastik ertrinkt“, so Heike Vesper. Doch das Problem kann nur gemeinsam gelöst werden.

"Auf das Plastikmüllproblem müssen wir eine globale Antwort finden. Wir brauchen ein 'Paris-Abkommen für den Ozean', das die Verschmutzung der Weltmeere stoppt. Die EU-Mitgliedsländer müssen den entsprechenden Prozess der UNEA [Umweltprogramm der Vereinten Nationen] unterstützen."

Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz, WWF Deutschland


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