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Raubsaurier Wiehenvenator albati Der erste und größte Saurier seiner Art

Als die versteinerten Zähne und Knochen 1999 bei Minden entdeckt wurden, ahnte wohl keiner, wie bedeutend der Fund ist: Die Überreste sollen vom ersten und größten Raubsaurier stammen, der bisher in Deutschland gefunden wurde.

Stand: 01.09.2016

Raubsaurier Wiehenvenator albati in einer Rekonstruktionszeichnung | Bild: Joschua Knüppe / LMU

Paläontologen konnten den größten Raubsaurier, der bisher in Deutschland gefunden wurde, nun eindeutig als erste Spezies einer bislang unbekannten Gattung klassifizieren. Sie fanden heraus, dass der Saurier im mittleren Jura, also vor etwa 163 Millionen Jahren, lebte. Damit wäre er der erste in Deutschland entdeckte Raubsaurier aus dieser Zeit – zugleich aber auch der größte: Das Tier war vermutlich acht bis zehn Meter lang.

Getauft auf Wiehenvenator albati

Der größte Raubsaurier seiner Zeit in Deutschland ...

Im Vergleich zu anderen Raubsauriern war er wohl kräftig gebaut und wog mehr als zwei Tonnen. Dabei deuten die gefundenen Fossilien darauf hin, dass das dazugehörige Exemplar wahrscheinlich noch nicht einmal vollständig ausgewachsen war. Zu diesem Ergebnis kamen der Paläontologe Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gemeinsam mit Tom Hübner und Klaus-Peter Lanser vom LWL-Museum für Naturkunde in Münster nach einer genauen Untersuchung des Sauriers. Sie klassifizierten den Fund und gaben ihm den wissenschaftlichen Namen Wiehenvenator albati.

Das "Monster von Minden"

Die versteinerten Knochen und Zähne waren 1999 bei einer Routinebegehung in einem stillgelegten Steinbruch im namensgebenden Wiehengebirge in der Nähe von Minden im Nordosten von Nordrhein-Westfalen entdeckt worden. Die Größe der Stücke brachten dem Fund den Namen "Monster von Minden" ein. Unter den Fossilien waren ein Oberkiefer, ein Zwischenkieferbein, zwei Schwanzwirbel, Zähne, Rippenfragmente und eine gesamte Rippe. Diese war wohl eineinhalb mal so groß wie die eines Allosaurus, der über neun Meter lang und etwa 1,7 Tonnen schwer werden konnte. Auch die Zähne bewiesen außergewöhnliche Maße: Mit Wurzel wurde eine Länge von rund 30 Zentimetern gemessen.

Riesenraubsaurier lebten auf Inseln

Überrascht waren die Forscher davon, dass diese Fossilien in Meeressedimente eingeschlossen waren. Dies erschien den Wissenschaftlern für die Überreste großer Landraubtiere zunächst ungewöhnlich. Allerdings waren im mittleren Jura große Teile Mitteleuropas von Meer bedeckt. Die Forscher gehen nun deshalb davon aus, dass der Raubsaurier auf Inseln in diesem Meer lebte.

"Offenbar gab es auf diesen Inseln eine große Bandbreite zum Teil sehr großer Raubsaurier und zwar überwiegend aus der Gruppe der Megalosaurier, wie Funde aus Frankreich und England sowie der neue Raubsaurier aus Deutschland zeigen, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört."

Oliver Rauhut, Paläontologe an der LMU München

Die Megalosaurier waren die ersten Riesen-Raubdinosaurier der Erdgeschichte.

Ein Gang wie ein T-Rex

Tyrannosaurus rex

Die bisher gefundenen Überreste des Wiehenvenator albati sind nach Ansicht der Forscher sehr gut erhalten und zeigen anatomische Details, die eindeutig beweisen, dass es sich um eine neue Art handelt. So sind einige gefundene Zähne so groß wie Bananen und zum Rachen hin gekrümmt. Ähnlich wie der Allosaurus oder der viel später entstandene Tyrannosaurus rex lief Wiehenvenator albati auf den Hinterbeinen und besaß nur kurze Vorderläufe.

Artenexplosion im mittleren Jura

Eine stammesgeschichtliche Analyse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse des Wiehenvenators ergab: Das Raubtier gehörte zu einer Großgruppe, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm, so die Wissenschaftler.

"Zu dieser Zeit entstanden praktisch alle wichtigen Raubsaurier-Gruppen, darunter auch die Tyrannosaurier, die erst 80 Millionen Jahre später wirklich gigantische Formen hervorbrachten, und auch die ersten direkten Vogelvorfahren."

Oliver Rauhut, Paläontologe an der LMU München

Als Ursache dafür, dass so schnell neue Arten entstehen konnten, vermuten die Forscher das Aussterben eines Großteils der vorhergehenden Raubsaurier am Ende des unteren Jura. Grund für das Aussterben könnte ein Klimawandel gewesen sein, ausgelöst von Vulkanausbrüchen.


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