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Radon und Krebs Aus dem Boden gelangt Radon in Haus und Lunge

Man kann es nicht sehen, fühlen, riechen oder schmecken. Radon erhöht jedoch das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Über den Boden kann das natürlich vorkommende radioaktive Gas in Häuser eindringen. So können Sie sich schützen.

Stand: 15.07.2021

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht durch radioaktiven Zerfall von Uran, das es überall auf der Welt in unterschiedlichen Konzentrationen im Boden gibt. Besonders hoch liegt die Radon-Konzentration deshalb in Böden und Gesteinen, die viel Uran enthalten.

Radon-Konzentration besonders in Granit-Gebieten hoch

Radon in Bayern

In Bayern kommt Radon vor allem in Oberbayern, Niederbayern, der Oberpfalz und in Oberfranken in teilweise sehr hoher Konzentration im Boden vor.

"Wir haben zum Beispiel in Deutschland ein höheres Radon-Potenzial in bestimmten Gegenden: In Bayern sind das der ostbayerische Wald und das Voralpenland, auch Gegenden bis hin zu München. Das liegt wirklich am Urangehalt. Zum Beispiel der Bayerische Wald - das sind eher Granit-Gebiete. Und Granit hat ein höheres Radon-Potenzial", erläutert Michaela Kreuzer, Leiterin der Abteilung "Wirkungen und Risiken ionisierender und nichtionisierender Strahlung" am Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Radon wird eingeatmet, Zerfallsprodukte schädigen die Zellen

Über Risse und Spalten im Boden entweicht Radon ins Freie oder ins Innere von Gebäuden. Wird Radon eingeatmet, gelangt es in die Lunge und in die Bronchien. Das Radongas ist an sich nicht gefährlich, weil es zum Großteil einfach wieder ausgeatmet wird. Gefährlich sind die Zerfallsprodukte, vor allem Polonium 214 und 218. "Das sind Schwermetalle, die lagern sich auf der Lunge ab, können dort DNA schädigen, Zellen schädigen, und begünstigen dadurch eine mögliche Lungenkrebserkrankung", sagt Michaela Kreuzer.

"Das Einatmen von Radon zählt neben dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken."

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz

Radon erhöht das Risiko für Lungenkrebs

Gefährlich wird das vor allem, wenn ein Mensch über längere Zeit hohen Dosen von Radon ausgesetzt ist. Radon ist laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nach dem Rauchen eine der wichtigsten Ursachen für Lungenkrebs. Für Nichtraucher sei es wahrscheinlich die dominierende Ursache. Berechnungen zufolge sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 2.000 Menschen an den Folgen einer Radon-Exposition.

"Ein Schwellenwert, unterhalb dessen Radon mit Sicherheit nicht zu einer Erhöhung des Lungenkrebsrisikos führt, ist bislang nicht bekannt."

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Radon tötete bereits im Mittelalter Bergleute

Krebserregendes Radon

Radon wurde 1980 vom internationalen Krebsforschungszentrum der WHO als für den Menschen krebserregender Stoff eingestuft. Quelle: Bundesamt für Strahlungsschutz

Schon im Jahr 1550 gab es Berichte von Georg Agricola, dass in Schneeberg im Erzgebirge viele Bergleute an Atemwegserkrankungen starben. Erst im 19. Jahrhundert erkannte man, dass es sich bei der sogenannten "Schneeberger Krankheit" um Lungenkrebs handelte. "Und so um 1950 wusste man: Die Ursache sind Radon und seine Zerfallsprodukte", erläutert Michaela Kreuzer vom BfS. "Und dann hat man bei den Bergarbeitern großflächig Studien initiiert und untersucht, wie hoch ist das Lungenkrebs-Risiko durch Radon. Heraus kam: Es gibt ganz klar einen ursächlichen Zusammenhang." Besonders betroffen waren die Bergarbeiter im Uranabbau, die unter schwierigen Arbeitsbedingungen und ohne Belüftung in den Stollen extrem hoher Radon-Belastung ausgesetzt waren.

Die Wismut-Uranbergarbeiter-Studie

Der Radon-Entdecker

Das radioaktive Gas Radon wurde 1900 von Friedrich Ernst Dorn, einem Physiker, entdeckt. Er bezeichnete es zuerst als "Radium-Emanation" (aus Radium Herausgehendes). Später setzte sich die Bezeichnung Radon durch.

Seit 1993 wird am Bundesamt für Strahlenschutz eine der weltweit größten Studien zu beruflich mit Radon belasteten Bergarbeitern durchgeführt. Sie umfasst knapp 60.000 ehemalige Beschäftigte, die zwischen 1946 und 1990 für das Uranerzbergbau-Unternehmen Wismut in der ehemaligen DDR gearbeitet haben. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für die ehemaligen Arbeiter, an Lungenkrebs zu erkranken - auch bei jenen, die früher nur niedrigen Dosen ausgesetzt waren.

Radon gelangt vom Boden über undichte Stellen ins Haus

Tückisch ist, dass man das radioaktive Radon weder sehen noch riechen noch schmecken kann. Wissenschaftler haben jedoch Karten erstellt, auf denen farblich markiert ist, in welchen Gebieten in Deutschland besonders viel Radon vorkommt. "Das Radon ist ja gasförmig und sehr mobil und entweicht aus dem Boden ins Freie. Und im Freien, in der Außenluft, kann sich das sofort verteilen und verdünnen. In der Außenluft haben wir Konzentrationen zwischen fünf bis 30 Becquerel pro Kubikmeter. Problematisch sind eher die Wohnungen", stellt Michaela Kreuzer fest. Radon kann nämlich über undichte Fundamente, Rohre, Fugen oder Kabelschächte ins Haus eindringen und sich dort anreichern. Die Radon-Konzentration ist dann oft in den Kellerräumen besonders hoch, kann aber über Türen und Treppen in die oberen Stockwerke gelangen. "Da verdünnt es sich zusehends, aber hat eben deutlich höhere Konzentrationen als in der Außenluft", weiß Michaela Kreuzer vom BfS.

Vorsicht: Homeoffice im Keller

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt davor, sich ein dauerhaftes Homeoffice im Keller einzurichten. Viele arbeiten während der Corona-Pandemie von zuhause aus und haben ihren Schreibtisch im Souterrain, Untergeschoss oder Tiefparterre bezogen. Keine gute Idee: "In Kellerräumen werden mitunter Radon-Konzentrationen erreicht, die auf Dauer gesundheitsgefährdend sind", sagte Bernd Hoffmann, Leiter des Fachgebiets Radon im BfS, am 14.02.2021 in der WirtschaftsWoche. Der Experte rät jedem, der dauerhaft in ein unterirdisches Homeoffice zieht, die Radonbelastung dort zu messen.

"Ein Messgerät kostet etwa 30 bis 50 Euro, das ist keine große Investition angesichts des Risikos, das von Radon ausgehen kann. Nur wer weiß, dass ein Problem besteht, kann etwas dagegen tun."

Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz

Radon in Gebäuden

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz weisen Aufenthaltsräume wie Wohn- und Schlafzimmer in Deutschland im Jahresmittel eine durchschnittliche Radon-Konzentration von rund 50 Becquerel pro Kubikmeter auf. Um für einen Ort zuverlässige Radon-Werte zu erhalten, brauche man allerdings Geduld, wie Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt erklärt: "Die Radon-Konzentration schwankt sehr stark im Jahresverlauf. Also zum einen durch den Tag-Nacht-Rhythmus - auch wie die Leute die Wohnung benutzen - also lüften und durchmischen. Und auch im Jahresverlauf, weil im Sommer lüftet man in der Regel mehr als im Winter. Darum ist es besser, Sie machen eine Langzeitmessung, sodass Sie einen zuverlässigen Wert haben, der Ihnen auch was über die Jahresmittel aussagt."

Strahlenschutzgesetz legt Radon-Referenzwert fest

Radon-Referenzwert

Der Radon-Referenzwert in Innenräumen beträgt 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft.

2017 wurde für Deutschland das Strahlenschutzgesetz verabschiedet, das die Europäische Richtlinie für den Strahlenschutz (2013/59/Euratom) umsetzt. Es trat am 31. Dezember 2018 in Kraft und legt einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft sowie bestimmte Regelungen fest. Das BfS schätzt, dass es in etwa jedem zehnten Haus in Deutschland ein Problem mit Radon geben könnte. Wird der Referenzwert überschritten, sollten Schutzmaßnahmen gegen Radon ergriffen werden.

Radon-Regelungen im Strahlenschutzgesetz

Strahlenschutzgesetz und Strahlenschutzverordnung

Der Schutz vor Radon ist im Strahlenschutzgesetz geregelt und wird in der Strahlenschutzverordnung näher erläutert.

Ziel ist es, die Bevölkerung mithilfe eines Referenzwertes vor zu viel Radon zu schützen und die Radon-Belastung in Innenräumen zu verringern. Dies vor allem in Gebieten, in denen in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist.

Es gelten besondere Schutzvorschriften, die für Wohngebäude und Arbeitsplätze unterschiedlich sind.

Referenzwert

  • Für Wohnräume und Arbeitsplätze gibt es einen Referenzwert: 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft - bezogen auf den Jahresmittelwert der Radon-Konzentration.
  • Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betont: "Der Referenzwert ist kein Grenzwert, der nicht überschritten werden darf. Die Definition von 'Referenzwert' ist international unterschiedlich. Allen Definitionen gemein ist, dass nicht erst bei Überschreitung des Referenzwertes gehandelt werden soll - Schutzmaßnahmen sind auch vorher sinnvoll."

Radon-Vorsorgegebiete

  • Bis Ende 2020 sollten die Bundesländer ermitteln, in welchen Gebieten in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist.
  • In diesen sogenannten "Radon-Vorsorgegebieten" gelten unterschiedliche Regelungen, je nachdem, ob es sich um bereits bestehende Wohngebäude, private Neubauten oder um Arbeitsplätze handelt.

Wohngebäude

  • Bestandsbauten: Bei bereits bestehenden Wohngebäuden in Radon-Vorsorgegebieten können freiwillig Maßnahmen ergriffen werden, um die Radon-Konzentration zu senken.
  • Neubauten: Bei privaten Neubauten in Radon-Vorsorgegebieten besteht für Bauherren die Pflicht, durch bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann.

Arbeitsplätze

  • In Radon-Vorsorgegebieten muss die Radon-Konzentration an allen Arbeitsplätzen im Keller und im Erdgeschoss gemessen werden. Bisher galten Schutzvorschriften vor Radon an Arbeitsplätzen nur für besondere Arbeitsplätze wie in Wasserwerken, Bergwerken oder Schauhöhlen.
  • Wenn der gesetzliche Referenzwert an diesen Arbeitsplätzen überschritten wird, müssen sofort Maßnahmen eingeleitet werden. Der Erfolg der Maßnahmen muss durch eine Messung nachgewiesen werden.
  • Lässt sich die Radon-Konzentration am Arbeitsplatz nicht unter 300 Becquerel pro Kubikmeter senken, muss der Arbeitsplatz bei den zuständigen Strahlenschutzbehörden der Bundesländer gemeldet werden.

In Deutschland werden Radon-Vorsorgegebiete ausgewiesen

Im Rahmen des Strahlenschutzgesetzes sollten die Bundesländer bis Ende 2020 Gebiete mit erhöhter Radon-Belastung ausweisen. Sprich: Regionen bestimmen, in denen der gesetzliche Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft überschritten wird. In solchen sogenannten "Radon-Vorsorgegebieten" soll die Bevölkerung besser geschützt werden. Deshalb gelten in solchen Gebieten bereits bei Neubauten höhere Anforderungen für den Radon-Schutz: Bei neuen Bauvorhaben von Privat- oder Geschäftsräumen müssen schon im Vorfeld Radon-Messungen durchgeführt werden. Laut BfS-Präsidentin Inge Paulini müsse dann gegebenenfalls ein Radon-Schutz, etwa in Form einer Folie, verbaut werden. An Arbeitsplätzen im Erd- und Kellergeschoss besteht eine Messpflicht. Bei erhöhten Werten müssen die Arbeitgeber Schutzmaßnahmen umsetzen. Paulini sagte, "in extremen Fällen" sei es nicht ausgeschlossen, dass Gebäude wegen überhöhter Radon-Werte geschlossen werden müssten.

Landkreis Wunsiedel erstes Radon-Vorsorgegebiet in Bayern

Als erste - und bislang einzige - bayerische Region mit einer hohen Radon-Konzentration wurde der Landkreis Wunsiedel vom Bayerischen Umweltministerium als Radon-Vorsorgegebiet ausgewiesen. Wunsiedel sei damit "der erste Landkreis in Bayern, in dem systematisch alle Arbeitsplätze untersucht und - falls nötig - in der Folge radonsicher gemacht werden", teilte das Landratsamt Wunsiedel im Januar 2021 mit. "Es wird davon ausgegangen, dass in mehr als zehn Prozent der Gebäude im Landkreis Wunsiedel erhöhte Radon-Werte vorliegen", teilte ein Ministeriumssprecher auf BR-Anfrage im Februar 2021 mit.

Kommen weitere Radon-Vorsorgegebiete?

Neben dem Landkreis Wunsiedel gibt es erhöhte Radonwerte auch in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Traunstein sowie in der Stadt Bayreuth. In diesen Regionen will das bayerische Umweltministerium noch weitere Untersuchungen durchführen.

Aufpassen, nicht nur in einem Radon-Vorsorgegebiet

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass in einem Radon-Vorsorgegebiet nicht in jedem Gebäude der Referenzwert überschritten wird. Und andersrum: Auch außerhalb solcher Radon-Vorsorgegebiete kann es zu Überschreitungen kommen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit empfiehlt deshalb, die Radon-Konzentration in Gebäuden generell zu messen und, falls nötig, die Radon-Konzentration mithilfe von gezielten Maßnahmen zu reduzieren.

"Die gesundheitsschädigende Wirkung von Radon ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen. Trotzdem wird das von Radon ausgehende Risiko oft unterschätzt. Um sich und seine Familie vor Radon zu schützen, kann jeder selbst aktiv werden - auch außerhalb der Radon-Vorsorgegebiete."

Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz

So können Sie sich vor Radon schützen

Tipp: Regelmäßig lüften!

Die einfachste und kostengünstigste Erstmaßnahme zum Schutz vor einer zu hohen Radon-Konzentration ist regelmäßiges Lüften. Am besten mit weit geöffneten Fenstern und Durchzug querlüften, sodass in wenigen Minuten ein kompletter Luftaustausch stattfindet. Und: Keller nicht vergessen! Schließlich tritt Radon von unten ins Gebäude ein.

Die Radon-Belastung zu Hause kann jeder sofort verringern. Am einfachsten und kostengünstigsten ist es, häufig und intensiv zu lüften. Auch ist es generell empfehlenswert, im ersten Stock oder noch höher zu schlafen, und nicht im Erdgeschoss oder tiefer.
Etwas mehr Geschick oder Handwerker benötigt man, um Risse, Fugen und Rohrdurchführungen im Bodenbereich abzudichten. Wird ein Keller nicht genutzt, sollte man die Wege vom Keller ins Erdgeschoss abdichten - oder zumindest dichte Türen zwischen Keller und Wohnräumen einbauen. Wird der Keller genutzt, sollte man ihn belüften - zum Beispiel durch Ventilatoren oder Lüftungsanlagen. Bei einem Neubau kann bereits eine Gebäudeisolierung gegen Bodenfeuchte vor Radon schützen.

Radon-Konzentration messen

Wer möchte, kann für die Messung des Jahresmittelwerts der Radon-Konzentration ein Messgerät von einer Auswertestelle anfordern, das danach einfach zurückgeschickt wird. Auch können Radon-Fachpersonen beauftragt werden, eine Messung durchzuführen, was jedoch teurer ist. Weitere Infos zum Vorgehen sowie zu anerkannten Anbietern von Radon-Messungen gibt es hier beim Bundesamt für Strahlenschutz.

Bei hohen Radon-Werten kann man ein Haus gegen das Einströmen von Radon wappnen. "Ein Radonbrunnen saugt die radonhaltige Luft unter dem Gebäude ab, sodass sie gar nicht erst in die Räume gelangt", erklärt Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Eine Drainage, die unterhalb des Fundaments verlegt wird, kann die radonhaltige Bodenluft absaugen.

Ist Radon auch für andere Krebsarten verantwortlich?

"Derzeit ist nur nachgewiesen, dass Radon Lungenkrebs verursacht. Aus Bergarbeiterstudien haben wir Hinweise darauf, dass auch andere Tumore, wie Hals-Nasen-Rachen-Tumore häufiger vorkommen. Aber man kann davon ausgehen, dass bei Radon-Konzentrationen, die in Wohnungen wesentlich niedriger sind, andere Tumore wahrscheinlich keine Rolle spielen", sagt Michaela Kreuzer vom BfS.

Radon in der Medizin: Risko gegen Nutzen abwägen

In einem Radon-Heilstollen ist die Radon-Konzentration laut BfS extrem hoch.

Trotzdem wird Radon sogar für medizinische Zwecke genutzt. Manche Kurorte werben mit einer Radon-Therapie, die zum Beispiel Rheumakranken helfen soll. Inwiefern es sinnvoll ist, Radon zu Heilzwecken zu verwenden, wird kontrovers diskutiert. Der gesundheitsfördernde Effekt ist umstritten. Fest steht: Die Radon-Konzentration in Radon-Heilstollen, meist sind das Bergstollen oder aufgelassene Uranminen, ist extrem hoch. Das BfS bewertet wie folgt: "Da die Patient*innen dieser Radon-Konzentration aber nur kurze Zeit ausgesetzt sind, erhöht sich ihr Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, durch die Kur nur in geringem Maße." Aber auch diese Risikoerhöhung sei nur gerechtfertigt, wenn ein entsprechender medizinischer Nutzen zu erwarten sei. Wird Radon bei Anwendungen vorwiegend über die Haut oder den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, sei das strahlungsbedingte Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, laut BfS deutlich geringer als bei Kuren in Radon-Heilstollen, da hierbei nur geringe Mengen von Radonfolgeprodukten eingeatmet würden.

Fazit: Radon sollte man sich nicht unnötig aussetzen

Die gezielte Behandlung mit Radon sollte jedenfalls nicht als Wellness-Urlaub missverstanden werden. "Früher war das ja tatsächlich so: Einer war an Rheuma erkrankt und die ganze Familie ist in das Radon-Bad gezogen und hat dort zwei Wochen Urlaub gemacht. Also davon raten wir ganz ganz dringend ab. Wirklich nur diejenige Person mit Schmerzen bei medizinischer Indikation und sonst kein Aufenthalt, weil eben jede unnötige Strahlenexposition vermieden werden sollte", rät Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz.


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