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Verhaltenstherapie Strategien für eine Verhaltensänderung

Wenn Ängste und Zwänge zu sehr das Leben bestimmen, dann versucht man in der Verhaltenstherapie neue Strategien für ein anderes Verhalten zu trainieren. Erfolge sind schnell sichtbar, doch nach tieferen Ursachen für die seelische Erkrankung wird kaum geforscht.

Von: Elke Hardegger

Stand: 06.10.2020

Patient unterhält sich mit seiner Therapeutin | Bild: picture-alliance/dpa/Christin Rose

In der Verhaltenstherapie steht die Gegenwart im Mittelpunkt der Behandlung, nicht die Konflikte aus der Kindheit. Das Ziel ist, Lösungsstrategien zu einer Verhaltensänderung zu erarbeiten und zu trainieren. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass psychische Beschwerden das Ergebnis von Lernprozessen sind, die sich im Verlauf der Lebensgeschichte entwickelt haben. Belastende Erlebnisse können diese Beschwerden auslösen. Je nach Umfeld des Patienten, seinen sozialen Beziehungen und eigenen Bewältigungsstrategien sowie körperlichen und genetischen Faktoren, entstehen psychische Erkrankungen.

Im Behandlungsplan werden die Ziele festgelegt

Therapeut und Patient erarbeiten gemeinam die Therapieziele.

Therapeut und Patient erarbeiten zu Beginn einer Verhaltenstherapie, welche Bedingungen zu einer Erkrankung geführt haben und warum sie weiterhin wirksam sind. Auf dieser Grundlage lassen sich Therapieziele festlegen und ein Behandlungsplan entwickeln. Erlernte Verhaltensmuster sollen durch verstärkende und vermeidende Faktoren verändert werden. Damit soll ein anderes Denken, Fühlen und Verhalten erreicht werden. Vorhandene Fähigkeiten dienen als Ressourcen, die gestärkt werden und den Veränderungsprozess unterstützen sollen.

Verhaltenstherapie erfolgreich bei Angst- und Panikstörungen

Die Verhaltenstherapie entwickelte sich seit den 1960er Jahren als Gegenbewegung zu den analytischen Psychotherapien. Im Fokus der Verhaltenstherapie stehen die Lernprozesse, die zum Beispiel eine Angst- oder Panikstörung fördern. In der kognitiven Therapie, einer Form der Verhaltenstherapie, wird die Entstehung von krankmachenden Denkmustern durch kognitive Prozesse erklärt und man lernt, sie anders zu definieren. Weil ungünstige Verhaltensweisen und Denkmuster erlernt wurden, kann man sie auch wieder verlernen.

"Die Entstehung einer Panikstörung wird regelmäßig von einer verzerrten Verarbeitung von sprachlichen und nichtsprachlichen Bedeutungen über die Welt und sich selbst begleitet."

Prof. Dr. Tilo Kircher, Leiter der Marburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Bildgebende Verfahren zeigen eine Veränderung der Hirnaktivität

Bereits der Gedanke an einen dunklen Tunnel kann bei Menschen Panik auslösen.

Der Therapieansatz bei einer Panikstörung ist, die Sprachverarbeitung zu verändern. Bestimmte Wörter, zum Beispiel "Aufzug", verbinden Menschen mit einer Panikstörung mit einem Gefühl von auswegloser Enge und Angst. Forscher der Marburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie konnten mit bildgebenden Verfahren die Verarbeitung im Gehirn nachweisen. Sie untersuchten bei 118 Patientinnen und Patienten mithilfe der Magnetresonanztomographie, wie sich ihre Hirnaktivitäten bei einer sprachlichen Aufgabe veränderten.

Denkmuster verändern sich durch eine Verhaltenstherapie

Studienteilnehmer mit Panikstörungen, die noch keine kognitive Verhaltenstherapie absolvierten, nahmen panikauslösende Wörter viel stärker wahr als gesunde Probanden. Ein Effekt, der durch eine veränderte Aktivität bestimmter Hirnareale sichtbar wurde. Nach einer erfolgreichen kognitiven Verhaltenstherapie stellten die Wissenschaftler wiederum durch das bildgebende Verfahren fest, dass sich die sprachliche Verarbeitung normalisiert hatte.

"Offenbar unterbindet die Kognitive Verhaltenstherapie Assoziationen, die für Patienten mit Panikstörung symptomatisch sind."

Dr. Yunbo Yang, Psychologe, Marburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Verhaltenstherapie erfolgreich bei Suchterkrankungen

Die Verhaltenstherapie hat eine hohe Erfolgsquote gerade bei der Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Suchterkrankungen. Sie kann aber auch bei körperlichen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen helfen, um mit den Beschwerden besser zurechtzukommen.


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